Kurz beantwortet
Jimmy Choo gehört zur Capri Holdings Limited, einem an der New Yorker Börse unter dem Kürzel CPRI notierten Konzern mit Verwaltungssitz in London. Der Vollzug der Übernahme datiert auf den 1. November 2017; Käuferin war die damalige Michael Kors Holdings Limited. Capri führt heute nur noch zwei Marken: Michael Kors und Jimmy Choo. Mit LVMH hat Jimmy Choo nichts zu tun.
Das Wichtigste in Kürze
- Eigentümerin ist die Capri Holdings Limited, eingetragen auf den Britischen Jungferninseln, Verwaltungssitz London, notiert an der NYSE unter CPRI.
- Die Übernahme wurde am 1. November 2017 vollzogen, zu 230 Pence je Aktie und im Wege eines Scheme of Arrangement nach Part 26 des britischen Companies Act 2006.
- Capri weist im Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2018 einen Gesamtkaufpreis von 1.447,4 Millionen US-Dollar aus: 1.181,2 Millionen an die Aktionäre, 266,2 Millionen für die Ablösung bestehender Schulden.
- Käuferin war Michael Kors Holdings Limited. Der Konzern benannte sich zum 31. Dezember 2018 in Capri Holdings Limited um und wird seit dem 2. Januar 2019 als CPRI gehandelt.
- Die 2023 vereinbarte Fusion mit Tapestry kam nicht zustande. Sie wurde am 13. November 2024 einvernehmlich aufgehoben.
- Versace gehört seit dem 2. Dezember 2025 zu Prada und ist keine Schwestermarke von Jimmy Choo mehr.
- Der Jimmy-Choo-Segmentumsatz lag im Geschäftsjahr 2026 (Ende 28. März 2026) bei 600 Millionen US-Dollar.
- Zum 28. März 2026 betrieb Capri 211 Jimmy-Choo-Einzelhandelsgeschäfte.
- Konzernchef ist John D. Idol; Finanzvorstand ist seit dem 30. März 2026 Tyler Reddien.
Wem gehört Jimmy Choo – die Eigentümerkette
Jimmy Choo ist keine eigenständige Aktiengesellschaft mehr. Die operative Gesellschaft, die Jimmy Choo Group Limited (bis 2017 Jimmy Choo PLC), ist eine Tochtergesellschaft der Capri Holdings Limited. Capri ist auf den Britischen Jungferninseln eingetragen, hat seinen Verwaltungssitz in der Whitfield Street in London und ist an der New York Stock Exchange notiert. Wer Capri-Aktien kauft, hält damit mittelbar auch einen Anteil an Jimmy Choo.
Im Geschäftsbericht für das am 28. März 2026 beendete Geschäftsjahr weist Capri genau zwei berichtspflichtige Segmente aus: Michael Kors und Jimmy Choo. Ein drittes gibt es seit dem Verkauf von Versace nicht mehr.
Warum Jimmy Choo nicht zu LVMH gehört
Diese Verwechslung ist verbreitet, aber falsch. LVMH hat Jimmy Choo nie erworben. Die Marke wurde 2017 von einem US-amerikanisch geprägten, in London verwalteten Konzern übernommen, der damals Michael Kors Holdings hieß. Auch Kering, Richemont oder Prada sind nicht beteiligt. Prada hat 2025 lediglich Versace von Capri gekauft – Jimmy Choo war von dieser Transaktion nicht betroffen.
Die Übernahme 2017: Preis, Ablauf und die zwei Zahlen
Michael Kors Holdings bot den Aktionären der Jimmy Choo PLC 230 Pence je Aktie in bar. Der Vollzug erfolgte am 1. November 2017. In der Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht vom selben Tag bewertet der Konzern das ausgegebene Aktienkapital von Jimmy Choo mit rund 896 Millionen Pfund, was er dort als Transaktionswert von etwa 1,35 Milliarden US-Dollar beziffert.
Im Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2018 steht eine höhere Zahl: 1.447,4 Millionen US-Dollar. Der Unterschied ist kein Widerspruch, sondern eine Frage der Abgrenzung. Die 1.181,2 Millionen US-Dollar an die Aktionäre entsprechen dem Aktienkaufpreis; hinzu kamen 266,2 Millionen US-Dollar für die Rückzahlung bestehender Verbindlichkeiten von Jimmy Choo. Finanziert wurde der Kauf über ein neues Darlehen von 1,0 Milliarden US-Dollar, die Ausgabe von Anleihen und vorhandene liquide Mittel.
Ein Jahr später kaufte derselbe Konzern Gianni Versace zu einem Unternehmenswert von 1,83 Milliarden Euro und benannte sich zum 31. Dezember 2018 in Capri Holdings Limited um.
Die geplatzte Fusion mit Tapestry
Am 10. August 2023 schloss Capri einen Fusionsvertrag mit der Tapestry, Inc., zu der Coach und Kate Spade gehören. Tapestry wollte Capri vollständig in bar übernehmen. Die Aktionäre von Capri stimmten zu, und alle Länder außer den Vereinigten Staaten erteilten die kartellrechtliche Freigabe.
Am 22. April 2024 klagte die US-Handelsbehörde FTC vor dem Bundesbezirksgericht für den südlichen Bezirk von New York gegen den mit 8,5 Milliarden US-Dollar bezifferten Zusammenschluss. Ihr Vorwurf: Der Deal hätte den direkten Wettbewerb zwischen Coach, Kate Spade und Michael Kors bei sogenannten Accessible-Luxury-Handtaschen ausgeschaltet und gegen Abschnitt 7 des Clayton Act verstoßen. Am 24. Oktober 2024 gab das Gericht dem Antrag der FTC auf einstweilige Verfügung statt. Tapestry und Capri legten am 28. Oktober 2024 Berufung ein, zogen aber die Konsequenz: Am 13. November 2024 hoben beide Seiten den Fusionsvertrag einvernehmlich auf. Tapestry erstattete Capri am 14. November 2024 rund 45 Millionen US-Dollar an Kosten.
Der Zusammenschluss ist also nie vollzogen worden. Aus der Sache läuft weiterhin eine Sammelklage von Aktionären vor einem Bundesgericht in Delaware: Ein Antrag von Capri auf Abweisung war am 31. März 2026 erfolgreich, die Kläger reichten am 30. April 2026 eine geänderte Klageschrift ein. Das Verfahren ist offen.
Versace-Verkauf an Prada: Capri hat nur noch zwei Marken
Der Verwaltungsrat von Capri beschloss am 8. April 2025 den Verkauf von Versace. Am 10. April 2025 unterzeichneten Capri und die Prada S.p.A. den Kaufvertrag über einen Gesamtkaufpreis von 1,375 Milliarden US-Dollar. Vollzogen wurde die Transaktion am 2. Dezember 2025, mit einem Bruttoerlös von 1,395 Milliarden US-Dollar und einer Nettogegenleistung von 1,365 Milliarden US-Dollar. Capri buchte daraus einen Veräußerungsgewinn von 45 Millionen US-Dollar.
Seither ist Versace keine Schwestermarke von Jimmy Choo mehr. Wer Jimmy Choo, Versace und Michael Kors weiterhin in einem Konzern verortet, beschreibt einen Stand, der vor dem 2. Dezember 2025 galt.
Was Jimmy Choo im Konzern erwirtschaftet
Capri rechnet nicht im Kalenderjahr ab, sondern in einem 52- oder 53-Wochen-Geschäftsjahr, das Ende März endet. Die folgenden Werte sind Segmentumsätze aus dem Geschäftsbericht – also die Erlöse der Marke, nicht der Konzernumsatz und nicht die Börsenbewertung von Capri.
| Geschäftsjahr (Ende) | Segmentumsatz Jimmy Choo | Segmentergebnis Jimmy Choo | Capri gesamt, fortgeführte Bereiche |
|---|---|---|---|
| 2024 (30.03.2024) | 618 Mio. USD | +3 Mio. USD | 4.140 Mio. USD |
| 2025 (29.03.2025) | 605 Mio. USD | −17 Mio. USD | 3.621 Mio. USD |
| 2026 (28.03.2026) | 600 Mio. USD | −22 Mio. USD | 3.474 Mio. USD |
Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres, dem Zeitraum bis zum 27. Juni 2026, drehte die Marke ins Plus: 179 Millionen US-Dollar Umsatz gegenüber 162 Millionen im Vorjahresquartal, dazu ein Segmentergebnis von 13 Millionen US-Dollar nach 4 Millionen. Jimmy Choo war damit der Wachstumstreiber des Konzerns, während der Umsatz von Michael Kors im selben Quartal von 635 auf 590 Millionen US-Dollar zurückging.
Läden, Sortiment und Vertrieb
Zum Stichtag 28. März 2026 betrieb Capri 211 Jimmy-Choo-Einzelhandelsgeschäfte, bestehend aus Vollpreisläden und Outlets. Die durchschnittliche Verkaufsfläche gibt der Konzern mit rund 1.500 Quadratfuß an, also etwa 140 Quadratmetern. Eigene Online-Shops betreibt Jimmy Choo nach Konzernangaben in den Vereinigten Staaten, in Teilen Europas, in Japan, China, Australien und Südkorea. Zum Vergleich: Beim Kauf 2017 waren es 182 Läden.
Den Kern des Sortiments bilden seit der Gründung der Marke 1996 Damenschuhe. Ergänzt wird er um Handtaschen, Kleinlederwaren, Schmuck, Schals und Gürtel sowie um Herrenschuhe und Herrenaccessoires. Düfte und Brillen entstehen nach Angaben des Konzerns nicht im eigenen Haus, sondern unter Lizenzvereinbarungen.
Konkrete Stückzahlen, Preisspannen oder Umsatzanteile einzelner Produktgruppen veröffentlicht Capri nicht. Zahlen dazu, die anderswo kursieren, lassen sich an keiner Konzernquelle prüfen.
Wer Capri Holdings führt
Vorsitzender des Verwaltungsrats und Vorstandsvorsitzender ist John D. Idol. Finanzvorstand und zugleich Chief Operating Officer ist seit dem 30. März 2026 Tyler Reddien; seine Bestellung wurde am 24. Februar 2026 bekanntgegeben. Reddien kam von Natura &Co, wo er unter anderem von 2022 bis März 2024 Finanzvorstand von The Body Shop war; davor arbeitete er bei Hertz. Sein Vorgänger war Thomas J. Edwards, Jr.
Einen eigenen Konzernvorstand hat Jimmy Choo nicht. Die Marke wird als Segment innerhalb von Capri geführt und berichtet an die Konzernspitze.
Ein Videoporträt zur Marke:
Wettbewerb im Luxusschuhmarkt
Jimmy Choo steht im Segment hochpreisiger Damenschuhe unter anderem im Wettbewerb mit Manolo Blahnik und Christian Louboutin sowie mit den Schuhlinien großer Modehäuser, etwa von Dior. Anders als diese Konzernmarken gehört Jimmy Choo einer Gruppe an, die nach dem Versace-Verkauf deutlich kleiner ist als die europäischen Luxuskonglomerate. Weitere Beiträge rund um Marken und Stil finden Sie in unserer Rubrik Lifestyle.
Häufige Fragen
Wem gehört Jimmy Choo aktuell?
Der Capri Holdings Limited, einem an der New York Stock Exchange notierten Konzern mit Verwaltungssitz in London. Capri hält neben Jimmy Choo nur noch die Marke Michael Kors. Da Capri börsennotiert ist, wechseln die Anteilseigner laufend; einen kontrollierenden Eigentümer wie eine Gründerfamilie gibt es nicht.
Gehört Jimmy Choo zu LVMH?
Nein. LVMH hat Jimmy Choo weder 2017 noch später erworben. Käuferin war die Michael Kors Holdings Limited, die heute Capri Holdings Limited heißt.
Ist Capri mit Tapestry fusioniert?
Nein. Nach der FTC-Klage vom 22. April 2024 und der einstweiligen Verfügung eines US-Bundesgerichts vom 24. Oktober 2024 haben beide Unternehmen den Fusionsvertrag am 13. November 2024 einvernehmlich aufgehoben. Tapestry erstattete Capri rund 45 Millionen US-Dollar an Kosten.
Gehört Versace noch zum selben Konzern wie Jimmy Choo?
Nein. Capri hat Versace am 2. Dezember 2025 an Prada übergeben. Der Kaufvertrag stammt vom 10. April 2025 und nennt einen Gesamtkaufpreis von 1,375 Milliarden US-Dollar.
Wie viel Umsatz macht Jimmy Choo?
Im Geschäftsjahr 2026, das am 28. März 2026 endete, wies Capri für das Segment Jimmy Choo einen Umsatz von 600 Millionen US-Dollar aus, nach 605 Millionen im Vorjahr. Das ist ein Segmentumsatz und weder der Konzernumsatz noch ein Gewinn.
Wie viele Jimmy-Choo-Läden gibt es?
211 eigene Einzelhandelsgeschäfte zum Stichtag 28. März 2026, Vollpreisläden und Outlets zusammengerechnet. Wie viele Verkaufspunkte über Kaufhäuser und Handelspartner hinzukommen, weist Capri für das laufende Geschäftsjahr nicht gesondert aus.
Quellen
- Capri Holdings Limited, Jahresbericht Form 10-K für das Geschäftsjahr bis 28. März 2026 (SEC)
- Capri Holdings Limited, Quartalsbericht Form 10-Q für das Quartal bis 27. Juni 2026 (SEC)
- Michael Kors Holdings Limited, Form 10-K 2018 – Kaufpreis der Jimmy-Choo-Übernahme (SEC)
- Form 8-K vom 1. November 2017 – Vollzug der Übernahme von Jimmy Choo (SEC)
- Form 8-K vom 31. Dezember 2018 – Versace-Kauf und Umbenennung in Capri Holdings (SEC)
- Form 8-K vom 24. Februar 2026 – Bestellung von Tyler Reddien zum Finanzvorstand (SEC)
- Federal Trade Commission, Pressemitteilung vom 22. April 2024 zur Klage gegen die Übernahme von Capri