Studiengänge mit Zukunft: Was sich belegen lässt – und was nicht

Studiengänge mit Zukunft

Kurz beantwortet

Eine belastbare Rangliste von Studiengängen, die Spitzengehälter garantiert, gibt es nicht. Belegbar sind drei andere Dinge: in welchen Berufen die Bundesagentur für Arbeit Engpässe misst – 2025 waren es 157 Engpassberufe –, was Beschäftigte laut Statistischem Bundesamt tatsächlich verdienen, und wie sich Studiengänge über Akkreditierung, Hochschulkompass und Zulassungsregeln sachlich vergleichen lassen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Statistische Bundesamt weist rund 2,9 Millionen Studierende an deutschen Hochschulen aus, dazu 511.606 bestandene Prüfungen und 805.680 Beschäftigte an Hochschulen.
  • Die Bundesagentur für Arbeit zählte in ihrer Fachkräfteengpassanalyse für 2025 genau 157 Engpassberufe; 2024 waren es 163, 2023 noch 183.
  • Die Engpässe liegen vor allem in Pflege- und medizinischen Berufen sowie in Bau- und Handwerksberufen – größtenteils also nicht in klassischen Studienberufen.
  • Der mittlere Bruttojahresverdienst lag 2025 laut Statistischem Bundesamt einschließlich Sonderzahlungen bei 54.066 Euro (Median).
  • Weil die Verdienstverteilung rechtsschief ist, verdient nur etwa ein Drittel der Beschäftigten mehr als den rechnerischen Durchschnitt. Der Median ist die ehrlichere Zahl.
  • Amtliche Verdienststatistik gliedert nach Anforderungsniveau (Helfer, Fachkraft, Spezialist, Experte) – nicht nach Studienfach. Fachgenaue Einstiegsgehälter gibt sie nicht her.
  • Laut Studienverlaufsstatistik 2025 hatten von den Bachelor-Studienanfängern des Studienjahrs 2020 nach acht Semestern 30 Prozent einen Abschluss – das ist keine Abbruchquote.
  • Das CHE Hochschulranking vergibt bewusst keine Rangplätze, sondern nur Spitzen-, Mittel- und Schlussgruppe.
  • Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz ist die einzige bundesweite Studiengangsuche, die auf Selbstauskünften der Hochschulen beruht.

Warum niemand seriös vorhersagt, welcher Abschluss in zehn Jahren gefragt ist

Wer heute ein Bachelorstudium beginnt, tritt frühestens in drei bis vier Jahren in den Arbeitsmarkt ein, nach einem Master eher in fünf bis sechs. Prognosen über diesen Zeitraum hinaus sind keine Messung, sondern eine Fortschreibung von Annahmen. Es gibt in Deutschland keine amtliche Statistik, die Einstiegsgehälter nach Studienfach erhebt, und auch keine, die Beschäftigungsaussichten für einzelne Studiengänge in die Zukunft rechnet.

Was es gibt, sind Momentaufnahmen: gemeldete offene Stellen, gemessene Besetzungsdauern, tatsächlich gezahlte Verdienste. Diese Daten beschreiben die Gegenwart und die jüngste Vergangenheit. Genau das macht sie brauchbar – und genau deshalb taugen sie nicht als Versprechen. Die Zahl der Engpassberufe ist zwischen 2023 und 2025 in drei Jahren um 26 gesunken; wer 2023 eine Zehnjahresprognose auf diesen Bestand gestützt hätte, läge heute schon daneben.

Seriös ist deshalb ein anderes Vorgehen: die belegbaren Kennzahlen lesen, ihre Grenzen kennen und die Studienwahl an der eigenen Eignung ausrichten statt an einer Rangliste, die niemand verantworten kann.

Was die amtliche Statistik über das Studium in Deutschland hergibt

Das Statistische Bundesamt führt die Hochschulstatistik. Es weist derzeit rund 2,9 Millionen Studierende aus, 511.606 bestandene Prüfungen und 805.680 Personen als Hochschulpersonal. Das sind die belastbaren Größenordnungen – Studierendenzahlen, Abschlüsse, Personal.

Die Statistik zeigt auch Bewegung im Zulauf: Am 25. Februar 2026 meldete das Bundesamt, dass die Zahl der Studienberechtigten 2025 um 8 Prozent gesunken ist. Am 20. August 2026 veröffentlichte es zudem, dass von 258.300 Absolventinnen und Absolventen mit allgemeiner Hochschulreife im Abschlussjahr 2024 rund 55 Prozent Frauen und 45 Prozent Männer waren.

Was diese Statistik nicht hergibt: Sie erhebt keine Gehälter nach Studienfach, keine Arbeitslosenquoten nach Studiengang und keine Karriereverläufe. Jede Zahl, die so etwas behauptet, stammt aus einer anderen Quelle – und diese Quelle muss benannt werden, samt Erhebungsjahr und Methode.

Fachkräfteengpässe: die benennbare, datierte Quelle

Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit erscheint jährlich und stellt dar, in welchen Berufen sich gemeldete Stellen aufgrund von Engpässen relativ schwer besetzen lassen. Sie bewertet Berufe anhand mehrerer Indikatoren zu einem Punktwert – sie fragt also nicht nach Studienfächern, sondern nach Berufen.

BerichtsjahrZahl der Engpassberufe
2023183
2024163
2025157

Inhaltlich liegen die Engpässe vor allem in Pflegeberufen, medizinischen Berufen sowie Bau- und Handwerksberufen. Genannt werden außerdem Köche, Berufskraftfahrer und Erzieher. Neu hinzugekommen sind Engpässe in der Vermessungstechnik sowie in der Sozialarbeit und Sozialpädagogik.

Die Bundesagentur ordnet die Engpassberufe nach Anforderungsniveau ein: Die Mehrzahl liegt auf Fachkraftniveau, etwa ein Drittel auf Spezialistenniveau und rund ein Sechstel auf Expertenniveau. Für die Studienwahl heißt das etwas Unbequemes: Der größere Teil der gemessenen Engpässe betrifft Ausbildungsberufe, nicht Studienberufe. Ein Studium ist ein guter Weg – aber nicht der Weg mit der größten gemessenen Knappheit.

Verdienstangaben richtig lesen: Median statt Durchschnitt

Verdienstzahlen sind der Punkt, an dem Ratgeber am häufigsten unsauber werden. Die amtliche Grundlage ist die Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamts, die seit 2022 die frühere vierteljährliche Verdiensterhebung ablöst. Sie liefert folgende Eckwerte:

  • Mittlerer Bruttojahresverdienst 2025 einschließlich Sonderzahlungen: 54.066 Euro (Median).
  • Bruttomonatsverdienst im April 2025: 4.784 Euro.
  • Bruttostundenverdienst im April 2025: 28,19 Euro.

Entscheidend ist der Unterschied zwischen Median und Durchschnitt. Weil die Verdienstverteilung rechtsschief ist – wenige sehr hohe Verdienste ziehen den Mittelwert nach oben –, verdient nur etwa ein Drittel der Beschäftigten mehr als den rechnerischen Durchschnitt. Der Median teilt die Beschäftigten dagegen exakt in zwei Hälften und beschreibt die typische Lage deutlich besser. Wer in einem Ratgeber eine Gehaltszahl liest, sollte zuerst prüfen, welche der beiden Größen gemeint ist.

Die amtliche Statistik gliedert Verdienste zudem nach Anforderungsniveau – Helfer, Fachkraft, Spezialist, Experte – sowie nach Branchen und Berufen. Diese Auswertungen stehen in der Datenbank GENESIS-Online. Was sie nicht enthält: Einstiegsgehälter nach Studiengang. Angaben wie „55.000 bis 75.000 Euro Einstieg nach einem Data-Science-Studium“ stammen daher regelmäßig aus Gehaltsportalen mit Selbstauskünften, nicht aus amtlicher Statistik. Sie können als Orientierung taugen – aber nur, wenn Herausgeber, Erhebungsjahr und Stichprobe genannt sind.

Abschlussquoten: was die Zahlen bedeuten – und was nicht

Am 17. Juli 2026 veröffentlichte das Statistische Bundesamt die Studienverlaufsstatistik 2025 (Pressemitteilung Nr. 253). Sie verfolgt Anfängerjahrgänge über die Zeit. Bezugsgröße ist das Studienjahr 2020, also Sommersemester 2020 und Wintersemester 2020/2021.

AbschlussartAnfängerAbschlussquoteFrauen / Männer
Bachelor (nach 8 Semestern)510.40030 %34 % / 25 %
Master (nach 6 Semestern)209.10051 %53 % / 48 %
Staatsexamen (nach 12 Semestern, Jahrgang 2018)54.90031 %35 % / 24 %

Diese Zahlen werden häufig falsch gelesen. Eine Abschlussquote von 30 Prozent nach acht Semestern ist keine Abbruchquote von 70 Prozent. Sie besagt, wie viele bis zu einem festen Stichtag fertig waren. Wer länger studiert, das Fach oder die Hochschule wechselt oder in Teilzeit studiert, taucht dort noch nicht als Absolvent auf, hat aber auch nicht abgebrochen.

Daraus folgt auch: Eine hohe Abbrecherquote ist kein Qualitätssiegel. Die verbreitete Behauptung, ein Fach sei besonders wertvoll, weil viele scheitern, lässt sich mit keiner amtlichen Statistik belegen. Hohe Schwundzahlen können genauso auf schlechte Betreuung, unklare Studienberatung oder unpassende Zulassungsverfahren hindeuten.

Studiengänge sachlich vergleichen: Akkreditierung, Hochschulkompass, Zulassung

Statt einer Rangliste hilft eine Prüfreihenfolge, die sich mit öffentlich zugänglichen Angaben abarbeiten lässt:

  • Ist der Studiengang akkreditiert? Die Akkreditierung ist das formale Qualitätsverfahren für Studiengänge in Deutschland. Sie sagt nichts über spätere Gehälter, aber viel über die Anerkennung des Abschlusses.
  • Steht er im Hochschulkompass? Das Portal ist ein Angebot der Hochschulrektorenkonferenz und bundesweit das einzige, das auf Selbstauskünften der Hochschulen beruht. Dort stehen Abschlussart, Studienform, Regelstudienzeit und Zulassungsvoraussetzungen.
  • Wie sind die Zulassungsvoraussetzungen? Numerus clausus, Eignungsprüfung, Vorpraktikum, Sprachnachweise – diese Angaben entscheiden darüber, ob ein Studiengang überhaupt erreichbar ist.
  • Welcher Beruf soll es werden? Bei reglementierten Berufen – Medizin, Pharmazie, Lehramt, Rechtspflege – ist der Studienweg vorgegeben. Hier lohnt der Blick auf die Berufszugangsregeln vor dem Blick auf Verdienstzahlen.
  • Passt das Fach zur eigenen Eignung? Die Studienberatung der Hochschulen und die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit sind kostenlos. Wer Themen aus Wirtschaft, Kultur und Lifestyle interessant findet, sollte prüfen, welche fachliche Grundlage dahintersteht.

Was Hochschulrankings leisten – und was nicht

Das bekannteste deutsche Ranking ist das CHE Hochschulranking. Herausgegeben wird es von der Wochenzeitung DIE ZEIT, Konzeption, Datenerhebung und Auswertung liegen beim CHE. Es stützt sich auf Urteile von über 120.000 Studierenden zu den Studienbedingungen sowie auf Fakten zu Studium, Lehre, Ausstattung und Forschung in rund 40 Fächern. Jedes Fach wird im Drei-Jahres-Rhythmus neu erhoben; aktuell ist der Jahrgang 2026/27.

Bemerkenswert ist die Methodik: Das CHE vergibt keine einzelnen Rangplätze, sondern ordnet Hochschulen nur einer Spitzen-, Mittel- oder Schlussgruppe zu. Begründet wird das damit, dass minimale Unterschiede im Zahlenwert eines Indikators sonst als Leistungs- und Qualitätsunterschiede fehlgedeutet würden.

Wenn also schon der größte deutsche Ranking-Anbieter aus methodischen Gründen auf Platzziffern verzichtet, ist jede Liste vom Typ „Die zehn besten Studiengänge“ mit Gehaltsspannen und Zukunftsnoten mit Vorsicht zu behandeln. Prüfen Sie bei jedem Ranking: Wer gibt es heraus, aus welchem Jahr stammen die Daten, was genau wurde gemessen – und wer hat dafür bezahlt.

Häufige Fragen

Welche Studiengänge haben die besten Berufsaussichten?

Diese Frage lässt sich mit amtlichen Daten nicht nach Studiengang beantworten, weil keine Statistik Beschäftigungsaussichten je Studiengang erhebt. Belegbar ist nur die Berufsebene: Die Bundesagentur für Arbeit misst für 2025 157 Engpassberufe, schwerpunktmäßig in Pflege, Medizin sowie Bau und Handwerk.

Was verdient man nach dem Studium?

Eine amtliche Zahl für Berufseinsteiger nach Studienfach gibt es nicht. Als Bezugsgröße dient der Median aller Beschäftigten: 54.066 Euro brutto im Jahr 2025 einschließlich Sonderzahlungen. Genauere Auswertungen liefert die Verdiensterhebung nach Anforderungsniveau, nicht nach Abschluss.

Ist eine hohe Abbrecherquote ein Zeichen für ein anspruchsvolles Fach?

Nein, dafür gibt es keinen Beleg. Die Studienverlaufsstatistik misst Abschlussquoten zu festen Stichtagen, nicht Qualität. Hohe Schwundzahlen können ebenso auf Betreuungsmängel oder unpassende Zulassungsverfahren hindeuten wie auf fachlichen Anspruch.

Sind Engpassberufe automatisch Studienberufe?

Nein. Die Bundesagentur für Arbeit ordnet die Mehrzahl der Engpassberufe dem Fachkraftniveau zu, etwa ein Drittel dem Spezialisten- und rund ein Sechstel dem Expertenniveau. Ein großer Teil der gemessenen Knappheit betrifft damit Ausbildungs-, nicht Studienberufe.

Welchem Ranking kann ich vertrauen?

Vertrauenswürdig ist ein Ranking, das Herausgeber, Erhebungsjahr und Methode offenlegt. Das CHE Hochschulranking tut das und verzichtet bewusst auf Platzziffern zugunsten von drei Ranggruppen. Ranglisten ohne benannten Herausgeber und ohne Jahresangabe sind als Entscheidungsgrundlage untauglich.

Unterstützung beim wissenschaftlichen Schreiben

Wer während des Studiums Unterstützung beim wissenschaftlichen Arbeiten sucht, findet sie unter anderem bei den Schreibzentren der Hochschulen, in der Studienberatung und bei privaten Anbietern wie Akad-Eule, das auch eine Schweizer Seite betreibt. Diese Redaktion spricht keine Empfehlung für einen einzelnen Anbieter aus und hat die Leistungen nicht geprüft. Wichtig ist in jedem Fall die Prüfungsordnung der eigenen Hochschule: Sie regelt verbindlich, welche Form von Unterstützung zulässig ist und welche als Täuschungsversuch gilt.

Quellen

Stand: 22. August 2026. Alle Zahlen wurden am 22. August 2026 bei den genannten Quellen geprüft.