
Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke kauften im Juli 2020 eine denkmalgeschützte Villa in Berlin-Dahlem für 4,125 Millionen Euro. Den Preis bestätigte das Berliner Grundbuchamt, nachdem Spahn zuvor gerichtlich gegen dessen Veröffentlichung vorgegangen war. Anfang 2023 verkaufte das Paar das Haus für 5,3 Millionen Euro und zog in eine Mietwohnung.
Das Wichtigste in Kürze
- Gekauft wurde die Villa im Juli 2020, mitten in der Corona-Pandemie und während Spahns Amtszeit als Bundesgesundheitsminister. Als Eigentümer eingetragen wurden Spahn und Funke Mitte Oktober 2020.
- Der Kaufpreis betrug 4,125 Millionen Euro. Diese Zahl stammt nicht aus einer Schätzung, sondern aus einer Auskunft des Berliner Grundbuchamts.
- Es handelt sich um ein Architektenhaus aus den 1920er Jahren in Bestlage, das als Baudenkmal geschützt ist und rund 300 Quadratmeter Wohnfläche hat.
- Spahn erwirkte zunächst gerichtliche Verfügungen gegen die Nennung des Preises. Das Landgericht Hamburg gab ihm unter dem Aktenzeichen 324 O 349/20 recht.
- Am 19. März 2021 erklärten Spahns Anwälte einen Rechteverzicht. Seither darf der Kaufpreis genannt werden.
- Spahn ließ sich vom Grundbuchamt Namen und Anfragen recherchierender Journalisten mitteilen. Die Berliner Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk beanstandete diese Praxis.
- Im Februar 2023 wurde der Verkauf für 5,3 Millionen Euro bekannt. Spahn sprach von einem Minus von rund 200.000 Euro, weil Kauf, Sanierung und Nebenkosten zusammen etwa 5,5 Millionen Euro betragen hätten.
- Seit 2023 lebt das Paar zur Miete. Spahn nannte den Kauf im Rückblick einen Fehler und den falschen Zeitpunkt.
- Das Amtsgehalt eines Bundesministers liegt laut Bund der Steuerzahler bei rund 17.990 Euro im Monat, nicht bei 14.000 Euro.
Was für ein Haus war das?
Die Immobilie liegt in Berlin-Dahlem im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Der Tagesspiegel beschrieb sie im November 2020 als Architektenhaus aus den 1920er Jahren in Bestlage mit rund 300 Quadratmetern Wohnfläche. Das Gebäude steht als Baudenkmal unter Schutz, was Umbauten an behördliche Genehmigungen bindet.
Zum Zeitpunkt des Kaufs war das Haus noch nicht bezugsfertig; es bestand erkennbar Sanierungsbedarf. Genau dieser Punkt wurde später für die Bilanz des gesamten Geschäfts entscheidend. Die genaue Adresse haben weder Spahn noch die berichtenden Medien veröffentlicht.
Dahlem ist eine historisch gewachsene Villenkolonie im Südwesten Berlins, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Freien Universität und zum Botanischen Garten. Angaben zu Grundstücksgröße, Zimmerzahl oder Ausstattung des Spahn-Hauses sind öffentlich nicht belegt.
Wann und für wie viel wurde die Villa gekauft?

Der Kauf fand im Juli 2020 statt, der Kaufpreis lag bei 4,125 Millionen Euro. Als neue Eigentümer wurden Spahn und Funke Mitte Oktober 2020 im Grundbuch eingetragen. Häufig kursiert stattdessen die Angabe „2019, rund 4 Millionen Euro“ – beides ist falsch.
Das Besondere an der Zahl 4.125.000 ist ihre Herkunft: Sie ist keine Marktschätzung und kein Insiderhinweis, sondern eine amtliche Auskunft des Grundbuchamts, die der Tagesspiegel gegen den Widerstand des Ministers erstritten hat.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| Juli 2020 | Kauf der denkmalgeschützten Villa für 4,125 Millionen Euro |
| Mitte Oktober 2020 | Eintragung von Spahn und Funke als Eigentümer im Grundbuch |
| 25. November 2020 | Tagesspiegel berichtet über den Kauf; der exakte Preis ist noch gerichtlich gesperrt |
| Februar 2021 | Bekannt wird, dass Spahn über das Grundbuchamt Angaben zu recherchierenden Journalisten erhielt |
| 11. März 2021 | Die Berliner Datenschutzbeauftragte beanstandet die Auskunftspraxis |
| 19. März 2021 | Spahns Anwälte erklären den Rechteverzicht, der Kaufpreis darf genannt werden |
| Februar 2023 | Verkauf für 5,3 Millionen Euro wird bekannt |
| April 2023 | Spahn kündigt den Umzug in eine Mietwohnung an |
Warum der Kaufpreis monatelang nicht genannt werden durfte
Spahn ging juristisch gegen Medienberichte vor, die den Kaufpreis nannten. Er argumentierte, die Information sei rechtswidrig beschafft worden und gehöre in seine Privatsphäre. Das Landgericht Hamburg folgte dieser Sicht im Verfahren 324 O 349/20: Ein Blick in das Portemonnaie sei ein intensiver Eingriff in die Privatsphäre, dem kein ausreichend großes und berechtigtes öffentliches Informationsinteresse gegenüberstehe.
Am 19. März 2021 kippte die Lage. Spahns Anwälte erklärten den Rechteverzicht aus dem Hamburger Beschluss, unter anderem weil das Berliner Grundbuchamt die Summe inzwischen offiziell bestätigt hatte. Ab diesem Tag durfte die Zahl 4,125 Millionen Euro veröffentlicht werden. Ein Gerichtsverfahren wegen des Kaufs selbst gab es nie; in der Berichterstattung ging es nicht um den Vorwurf einer Straftat, sondern um Transparenz und um den Umgang eines Ministers mit der Presse.
Als das Grundbuchamt Daten über Journalisten weitergab
Der heikelste Teil der Affäre betraf nicht den Preis, sondern die Recherche darüber. Spahn ließ sich vom Grundbuchamt beim Amtsgericht Berlin-Schöneberg Namen und Kopien der Anfragen jener Journalistinnen und Journalisten übermitteln, die zu seinen Immobiliengeschäften recherchierten, darunter Mitarbeiter des Tagesspiegels.
Die Berliner Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk wandte sich am 11. März 2021 an das Gericht. Sie stellte klar, dass Spahn zwar ein Auskunftsrecht über die zu seiner Person gespeicherten Daten habe, die Interessen der Medien dadurch aber nicht unzumutbar eingeschränkt werden dürften. Journalisten seien vor einer Herausgabe anzuhören, Redaktions- und Recherchegeheimnisse zu schützen.
Bemerkenswert ist die Kehrseite: Spahn selbst beschwerte sich anschließend bei derselben Datenschutzbehörde – mit der Begründung, das Grundbuchamt hätte den Kaufpreis auf Anfrage des Tagesspiegels gar nicht herausgeben dürfen.
Der Verkauf 2023 und die Rechnung dahinter
Im Februar 2023 wurde bekannt, dass Spahn und Funke die Villa für 5,3 Millionen Euro verkauft hatten. Auf den ersten Blick sieht das nach einem Gewinn von knapp 1,2 Millionen Euro aus. Spahn rechnete anders: Kauf, Sanierung und Nebenkosten hätten zusammen rund 5,5 Millionen Euro gekostet, unter dem Strich stehe ein Minus von etwa 200.000 Euro.
Zur Finanzierung sagte er: „Finanziell hatten wir uns gestreckt. Da geht es uns nicht anders als vielen anderen, die sich den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen. Die Inflation tut ihr Übriges.“ Zum Zeitpunkt des Kaufs erklärte er: „Der Kauf damals, das war der falsche Zeitpunkt, mitten in der Pandemie.“
Nachprüfen lässt sich diese Rechnung nicht. Belegt sind Kaufpreis und Verkaufspreis; die Sanierungskosten sind Spahns eigene Angabe, für die es keine unabhängige Bestätigung gibt.
Was ein Bundesminister tatsächlich verdient
Die Debatte drehte sich immer wieder um die Frage, wie ein Minister eine solche Summe stemmen kann. Dazu die belegten Zahlen, jeweils auf aktuellem Stand und nicht auf dem Stand von 2020:
| Bezug | Höhe | Quelle |
|---|---|---|
| Amtsgehalt Bundesminister | rund 17.990 Euro im Monat | Bund der Steuerzahler |
| Steuerfreie Dienstaufwandsentschädigung | rund 3.681 Euro im Jahr | Bund der Steuerzahler |
| Abgeordnetenentschädigung | 11.833,47 Euro im Monat seit 1. Juli 2025 | Deutscher Bundestag |
| Steuerfreie Kostenpauschale für Abgeordnete | 5.467,27 Euro im Monat | Deutscher Bundestag |
Diese Beträge lassen sich nicht einfach addieren. Treffen mehrere Bezüge aus öffentlichen Kassen zusammen, greift § 29 des Abgeordnetengesetzes, der die Anrechnung regelt. Wie hoch Spahns Einkünfte 2020 tatsächlich waren, ist nicht bekannt: In Deutschland gibt es für Abgeordnete und Regierungsmitglieder keine Pflicht, Vermögen oder Immobilienbesitz offenzulegen. Meldepflichtig sind nur Nebeneinkünfte oberhalb bestimmter Schwellen. Jede konkrete Vermögenszahl, die zu Jens Spahn im Umlauf ist, ist deshalb eine Schätzung ohne amtliche Grundlage.
Wo leben Jens Spahn und Daniel Funke heute?
Nach dem Verkauf kündigte Spahn im April 2023 an, mit seinem Ehemann wieder in eine Wohnung zu ziehen, und zwar zur Miete. Er begründete das mit einem bewussten Schnitt: Man brauche das Haus nicht, um glücklich zu sein, und es sei in jeder Hinsicht zu einer Quelle der Unruhe geworden. Bis zur Jahresmitte 2023 blieb das Paar noch in der Villa, während es eine neue Bleibe suchte.
Die aktuelle Wohnadresse ist nicht öffentlich, und weitere Immobilienkäufe des Paares sind seither nicht bekannt geworden. Spahn ist weiterhin Abgeordneter des Bundestages für den Wahlkreis Steinfurt I / Borken I. Den Vorsitz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, den er seit Mai 2025 innehatte, gab er am 18. Juli 2026 ab; Nachfolger ist seit dem 29. Juli 2026 Thorsten Frei.
Häufige Fragen
Wie viel hat Jens Spahn für das Haus in Berlin-Dahlem bezahlt?
4,125 Millionen Euro. Die Summe stammt aus einer Auskunft des Berliner Grundbuchamts und darf seit dem 19. März 2021 öffentlich genannt werden, nachdem Spahns Anwälte auf ihre gerichtlich erwirkten Rechte verzichtet hatten.
Wann wurde die Villa gekauft?
Im Juli 2020, während Spahns Amtszeit als Bundesgesundheitsminister. Die Eintragung im Grundbuch erfolgte Mitte Oktober 2020. Die verbreitete Angabe „2019″ ist falsch.
Besitzt Jens Spahn das Haus noch?
Nein. Der Verkauf für 5,3 Millionen Euro wurde im Februar 2023 bekannt. Seit 2023 wohnt das Paar nach eigenen Angaben zur Miete.
Hat Spahn mit dem Verkauf Gewinn gemacht?
Nach seiner eigenen Darstellung nicht. Er beziffert Kauf, Sanierung und Nebenkosten auf rund 5,5 Millionen Euro und den Saldo auf ein Minus von etwa 200.000 Euro. Unabhängig überprüfbar ist diese Rechnung nicht.
Gab es Ermittlungen gegen Jens Spahn wegen des Hauskaufs?
In der Berichterstattung ging es zu keinem Zeitpunkt um den Vorwurf einer Straftat. Die Auseinandersetzung drehte sich um die Veröffentlichung des Kaufpreises und um die Herausgabe von Journalistendaten durch das Grundbuchamt.
Wie groß ist die Villa?
Der Tagesspiegel nannte rund 300 Quadratmeter Wohnfläche. Es handelt sich um ein Architektenhaus aus den 1920er Jahren, das als Baudenkmal geschützt ist. Zur Grundstücksgröße gibt es keine belegten Angaben.
Quellen
- https://www.tagesspiegel.de/politik/minister-macht-rueckzieher-4-125-millionen-euro-kaufpreis-fuer-spahns-villa-darf-jetzt-genannt-werden/27018188.html
- https://www.tagesspiegel.de/politik/grundbuchamt-nennt-kaufpreis-fur-spahns-millionen-villa-4210957.html
- https://www.tagesspiegel.de/politik/ruffel-fur-grundbuchamt-wegen-mitteilung-an-spahn-4238950.html
- https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_100129512/jens-spahn-verkauft-seine-villa-in-berlin-fuer-5-3-millionen-euro.html
- https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_100157208/jens-spahn-ex-minister-zieht-nach-verkauf-von-dahlem-villa-in-mietwohnung.html
- https://steuerzahler.de/aktion-position/politikfinanzierung/bundesminister/
- https://www.bundestag.de/abgeordnete/mdb_diaeten/mdb_diaeten-214848
- https://de.wikipedia.org/wiki/Jens_Spahn
- https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw31-fraktionsvorsitz-1200664