Kurz beantwortet
Das Almdorf Seinerzeit ist ein Chaletdorf mit 51 Hütten auf rund 1.400 Metern Seehöhe am Falkert in der Kärntner Gemeinde Reichenau. Die Betreibergesellschaft meldete im April 2024 Insolvenz an, wenige Wochen später schloss der Masseverwalter den Betrieb. Im Juni 2025 lag ein verbindliches Kaufangebot über 8,5 Millionen Euro vor. Eine offizielle Website des Hauses ist derzeit nicht erreichbar.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Almdorf liegt auf der Fellacheralm in 9564 Patergassen, Gemeinde Reichenau, Bezirk Feldkirchen in Kärnten.
- Es besteht aus 51 Chalets in zwei Dorfteilen, Fellacher und Kleeangerle, die auf zwei Plateaus der Nockberge liegen.
- Betreiberin war die ALMDORF „Seinerzeit“ Touristik Aktiengesellschaft, seit 22. November 1994 im Firmenbuch eingetragen (FN 119017a), Sitz Patergassen.
- Am 8. April 2024 stellte die Gesellschaft beim Landesgericht Klagenfurt Insolvenzantrag: Passiva 34,5 Millionen Euro, Aktiva 17,1 Millionen Euro.
- Ende April 2024 schloss Insolvenzverwalter Herbert Felsberger den Betrieb, weil eine Fortführung nach seiner Prognose weitere Verluste gebracht hätte.
- Im September 2024 stand die Anlage um 10,6 Millionen Euro zum Verkauf; Ende Juni 2025 lag ein verbindliches Angebot über 8,5 Millionen Euro vor.
- Aktuelle Zimmerpreise, eine Sterne-Klassifizierung oder Ausstattungsdetails lassen sich derzeit aus keiner Betreiberquelle belegen.
- Der Green Product Award 2023 wurde dem Chaletbauunternehmen ALMDORFBAU zuerkannt – nicht dem Almdorf Seinerzeit.
Wo das Almdorf Seinerzeit liegt
Die Firmenbuchadresse der Betreibergesellschaft lautet Fellacheralm, 9564 Patergassen. Patergassen gehört zur Gemeinde Reichenau im Bezirk Feldkirchen in Kärnten. Der ORF Kärnten beschreibt die Anlage als „das Hoteldorf“ in der Gemeinde Ebene Reichenau, gelegen am Falkert auf rund 1.400 Metern Seehöhe. Die verbreitete Angabe „1.500 Meter“ deckt sich damit nicht; belastbar ist die niedrigere Zahl.
Die Umgebung ist seit 2012 Teil des UNESCO-Biosphärenparks Nockberge, der gemeinsam mit dem Salzburger Lungau geführt wird. Die früher übliche Bezeichnung „Nationalpark Nockberge“ ist damit überholt – der Nationalpark wurde in den Biosphärenpark überführt.
Fellacher und Kleeangerle: 51 Hütten in zwei Dorfteilen
Das Almdorf besteht aus zwei getrennten Dorfteilen. Der ältere Teil heißt Fellacher, der jüngere Kleeangerle. Beide liegen laut ORF Kärnten auf zwei Plateaus der Nockberge; zusammen umfassen sie 51 Chalets und Almhütten.
Zum Ausbau gibt es leicht abweichende Datierungen. Die Bezirkszeitung MeinBezirk berichtete, dass der Dorfteil Kleeangerle am Wochenende des 5. Dezember 2015 eröffnet wurde – mit 28 weiteren Hütten und Chalets sowie einem „Kärntner Gutshof“ als Zentralgebäude; der Dorfteil Fellacher bestand zu diesem Zeitpunkt seit rund 20 Jahren. Der ORF nennt für die beiden Dörfer die Errichtungsjahre 1996 und 2016.
Die Erweiterung war teuer. Nach ORF-Angaben wurden rund 17,5 Millionen Euro investiert; 2,4 Millionen Euro an Fördermitteln kamen von EU, Bund und Wirtschaftsförderungsfonds. 2015 zog die Kärntner Landesregierung eine bereits zugesagte Förderung von drei Millionen Euro zurück. Zur Finanzierung wurden auch einzelne Hütten verkauft. Nach Darstellung des ORF sind inzwischen sechs Chalets in Privatbesitz und sechs weitere dauerhaft vermietet.
Betreiberin, Gründer und Rechtsform
Betrieben wurde das Dorf von der ALMDORF „Seinerzeit“ Touristik Aktiengesellschaft. Die Firmenbuchdaten weisen die Eintragung am 22. November 1994 aus, Firmenbuchnummer FN 119017a, Rechtsform Aktiengesellschaft, Grundkapital 440.000 Euro, Geschäftszweig „Errichtung und Betrieb von Feriendörfern“, Sitz Patergassen. Der ORF nennt als Unternehmensgegenstand die Errichtung, den Erwerb, die Veräußerung, die Verwaltung und den Betrieb von Feriendörfern, Apartmenthäusern, Hotels und Restaurants.
Als Gründer des Almdorfs nennt das Branchenmedium hospitalityInside den Kärntner Karl Steiner. Öffentlich zugängliche, wörtliche Äußerungen von ihm zum Konzept des Hauses ließen sich für diesen Artikel nicht auffinden; Zitate, die ihm anderswo zugeschrieben werden, sind hier deshalb nicht wiedergegeben.
Die Insolvenz 2024 und der Verkauf
Am 8. April 2024 stellte die Gesellschaft am Landesgericht Klagenfurt einen Insolvenzantrag. Eröffnet wurde ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung. Nach Angaben des KSV1870 standen Passiva von 34,5 Millionen Euro Aktiva von 17,1 Millionen Euro gegenüber; betroffen waren 120 Gläubiger und 33 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Als Ursachen nannte das Unternehmen Umsatzeinbußen in der Covid-19-Pandemie und Fehlinvestitionen.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 8. April 2024 | Insolvenzantrag am Landesgericht Klagenfurt, Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung |
| 24. April 2024 | Masseverwalter Herbert Felsberger schließt den Betrieb; rund 100.000 Euro Kaution für die Fortführung kamen nicht zusammen |
| 25. Juni 2024 | Tagsatzung am Landesgericht: über 160 Gläubiger fordern mehr als 25 Millionen Euro; Sanierungsplanquote von 20 Prozent im Gespräch, Notbetrieb mit zwei Beschäftigten |
| 6. September 2024 | Die Anlage wird um 10,6 Millionen Euro zum Verkauf gestellt; eine Eröffnung im Herbst ist laut Insolvenzverwaltung nicht geplant |
| 29. Juni 2025 | Verbindliches Kaufangebot eines nicht genannten österreichischen Investors über 8,5 Millionen Euro; der Gläubigerausschuss stimmt zu |
Der Insolvenzverwalter begründete die Schließung damit, dass die Fortführung bis Ende Juni 2024 nach seiner Prognose mit einem negativen Ergebnis geendet hätte. Er verwies außerdem auf schwierige Eigentumsverhältnisse, Sonderwidmungen und rechtliche Auflagen sowie auf dringend nötige Sanierungsarbeiten im älteren Dorfteil Fellacher.
Was nach dem Kaufangebot vom Juni 2025 geschah, ist öffentlich nicht dokumentiert. Zum Abrufdatum 26. August 2026 war keine offizielle Website des Almdorfs erreichbar: Die früher genutzte Domain almdorf.com zeigt nur noch eine allgemeine Portalseite eines Reiseanbieters, Unterseiten wie Impressum oder Preisliste liefern dort einen 404-Fehler. Ob der Betrieb wieder aufgenommen wurde, lässt sich daraus weder bestätigen noch ausschließen.
Preise, Sterne und Ausstattung: was sich nicht belegen lässt
Frühere Fassungen dieses Artikels nannten sehr konkrete Beträge – Nächtigungspreise, Wellnesspauschalen, Speisekartenpreise und eine Ortstaxe. Für keine dieser Zahlen existiert eine überprüfbare Betreiberquelle. Sie stehen deshalb nicht mehr im Text. Hotelpreise sind ohnehin saisonal und tagesaktuell; eine Zahl ohne Saison, Zimmerkategorie und Abrufdatum ist wertlos.
Ebenso wenig belegbar ist eine Sterne-Kategorie. Die österreichische Hotelklassifizierung vergibt der Fachverband Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich; „5 Sterne“ ist eine verliehene Einstufung, keine Beschreibung. Ein aktueller Klassifizierungsnachweis für das Almdorf Seinerzeit ließ sich nicht auffinden.
Zur Ausstattung ist belegt, was der ORF im April 2024 beschrieb: Übernachtungen in Chalets und Almhütten mit Wellness– und Spa-Bereichen sowie mehrere Restaurantbetriebe. Welche dieser Angebote nach einem Eigentümerwechsel tatsächlich verfügbar sind, ist offen. Wer eine Buchung erwägt, sollte Leistungen, Preise und Öffnungszeiten direkt beim aktuellen Betreiber erfragen.
ALMDORFBAU ist ein anderes Unternehmen
Häufig vermischt werden das Almdorf Seinerzeit und die Firma ALMDORFBAU. Es handelt sich um zwei verschiedene Unternehmen. ALMDORFBAU ist ein Chaletbauer, der nach eigenen Angaben seit 1985 tätig ist und bislang 1.227 Objekte mit 7.895 Betten an 30 Standorten errichtet hat. Als Auszeichnungen führt das Unternehmen den Green Product Award 2023, den German Design Award 2025 und das Steirische Landeswappen 2026 an.
In der Liste der realisierten Projekte auf der Website von ALMDORFBAU ist das Almdorf Seinerzeit nicht aufgeführt. Der Green Product Award gehört damit nicht zum Almdorf Seinerzeit, sondern zum Bauunternehmen. Auch ältere Kennzahlen wie „854 Objekte an 26 Standorten“ stammen aus der Selbstdarstellung von ALMDORFBAU und sind inzwischen überholt.
Die Umgebung: Nockberge und Nockalmstraße
Der Biosphärenpark Nockberge besteht seit 2012 und ist gemeinsam mit dem Salzburger Lungau der größte UNESCO-Biosphärenpark Österreichs. Direkt durch das Gebiet führt die Nockalmstraße: Sie ist nach Angaben der Betreibergesellschaft 34 Kilometer lang und verbindet Innerkrems mit Ebene Reichenau. Geöffnet ist sie von Anfang Mai bis Ende Oktober; zwischen 18 und 8 Uhr gilt ein Motorrad-Fahrverbot.
In unmittelbarer Nachbarschaft liegen der Falkert mit dem Falkertsee und die Turracher Höhe. Wintersport, Wanderungen und Radtouren sind in der Region möglich; welche Angebote das Almdorf selbst derzeit vermittelt, hängt vom Betriebsstatus ab und ist nicht dokumentiert.
Im Artikel ist seit Langem ein Video eingebettet. Es zeigt nicht das Almdorf Seinerzeit, sondern einen anderen Kärntner Betrieb; es bleibt aus Bestandsgründen erhalten.
Häufige Fragen
Wo genau liegt das Almdorf Seinerzeit?
Auf der Fellacheralm in 9564 Patergassen, Gemeinde Reichenau, Bezirk Feldkirchen in Kärnten. Der ORF Kärnten verortet die Anlage am Falkert auf rund 1.400 Metern Seehöhe, mitten im Biosphärenpark Nockberge.
Wie viele Hütten hat das Almdorf Seinerzeit?
51 Chalets und Almhütten, verteilt auf die Dorfteile Fellacher und Kleeangerle. Sechs davon wurden nach ORF-Angaben an Private verkauft, sechs weitere sind dauerhaft vermietet.
Ist das Almdorf Seinerzeit geöffnet?
Der Betrieb wurde im April 2024 vom Masseverwalter geschlossen. Zuletzt berichtete der ORF Kärnten Ende Juni 2025 von einem verbindlichen Kaufangebot. Ob und wann danach wieder geöffnet wurde, ist öffentlich nicht dokumentiert; eine offizielle Website war zuletzt nicht erreichbar. Interessenten sollten vor einer Buchung direkt nachfragen.
Was kostet eine Übernachtung im Almdorf Seinerzeit?
Dazu liegt keine belastbare Angabe vor. Ohne erreichbare Betreiberseite lässt sich kein Preis mit Saison, Zimmerkategorie und Abrufdatum belegen. Frühere Zahlenangaben in diesem Artikel waren nicht überprüfbar und wurden entfernt.
Hat das Almdorf Seinerzeit fünf Sterne?
Ein Nachweis dafür ließ sich nicht finden. Sterne werden in Österreich vom Fachverband Hotellerie in der Wirtschaftskammer vergeben. Ohne aktuellen Klassifizierungseintrag ist die Angabe „5 Sterne“ für dieses Haus nicht belegt.
Wer war Eigentümerin und Betreiberin?
Die ALMDORF „Seinerzeit“ Touristik Aktiengesellschaft mit Sitz in Patergassen, im Firmenbuch seit 22. November 1994 unter FN 119017a. Über sie wurde im April 2024 ein Insolvenzverfahren eröffnet. Der Name des Investors, der 2025 ein Kaufangebot legte, wurde nicht veröffentlicht.
Quellen
- ORF Kärnten: „Almdorf Seinerzeit in Konkurs“ (8. April 2024)
- ORF Kärnten: „Masseverwalter schließt Almdorf Seinerzeit“ (24. April 2024)
- ORF Kärnten: „Almdorf Seinerzeit: Öffnung im Herbst möglich“ (25. Juni 2024)
- 5min.at: „Almdorf Seinerzeit steht um 10,6 Millionen Euro zum Verkauf“ (6. September 2024)
- ORF Kärnten: „Almdorf Seinerzeit vor Verkauf“ (29. Juni 2025)
- wirtschaft.at: Firmenbuchdaten der ALMDORF „Seinerzeit“ Touristik Aktiengesellschaft, FN 119017a
- MeinBezirk.at: Beiträge zum Almdorf Seinerzeit, u. a. zur Eröffnung des Dorfteils Kleeangerle
- hospitalityInside: „Almdorf Seinerzeit: Insolvenz mit Hintergrund“ (12. April 2024)
- ALMDORFBAU: Realisierte Projekte und Unternehmenskennzahlen
- Biosphärenpark Nockberge: UNESCO-Biosphärenpark seit 2012
- Nockalmstraße (GROHAG-Gruppe): Länge, Verlauf und Öffnungszeiten
- Fachverband Hotellerie der WKO: österreichische Hotelklassifizierung