
Kurz beantwortet
Ein bezifferbares Vermögen „der Band Boney M.“ gibt es nicht. Boney M. war ein Studioprojekt des Produzenten Frank Farian, die Rechte lagen bei ihm. Zu keinem Mitglied und zur Gruppe selbst liegt eine belegte Vermögensschätzung vor. Belegbar sind acht Nummer-eins-Singles in Deutschland und über 150 Millionen verkaufte Tonträger.
Das Wichtigste in Kürze
- Boney M. entstand ab Dezember 1974 als Studioprojekt von Frank Farian; die feste Besetzung bestand ab Februar 1976 aus Liz Mitchell, Marcia Barrett, Maizie Williams und Bobby Farrell.
- Acht Singles erreichten Platz 1 der offiziellen deutschen Charts: „Daddy Cool“, „Sunny“, „Ma Baker“, „Belfast“, „Rivers of Babylon“, „Rasputin“, „Mary’s Boy Child“ und „El Lute“.
- Drei Studioalben standen in Deutschland auf Platz 1: „Love for Sale“ (1977), „Nightflight to Venus“ (1978) und „Oceans of Fantasy“ (1979).
- Weltweit wurden über 150 Millionen Tonträger verkauft, davon mehr als 60 Millionen Singles.
- Auf den Studioaufnahmen sangen Liz Mitchell und Marcia Barrett, ab 1982 zusätzlich Reggie Tsiboe. Bobby Farrell war Tänzer und Frontmann.
- Bobby Farrell starb am 30. Dezember 2010 im Alter von 61 Jahren, Frank Farian am 23. Januar 2024 in Miami im Alter von 82 Jahren.
- Ein Hamburger Gericht entschied 2010, dass jedes Originalmitglied mit dem Namenszusatz „Boney M.“ auftreten darf. Seither treten mehrere Formationen parallel auf.
- Konkrete Euro-Beträge zum Vermögen von Boney M. oder von Frank Farian sind in keiner benennbaren Quelle dokumentiert.
Warum es kein „Vermögen von Boney M.“ gibt
Die Frage nach dem Vermögen von Boney M. lässt sich nicht so beantworten, wie man es bei einer klassischen Band erwarten würde – und zwar aus einem strukturellen Grund. Boney M. war keine Band, die sich gegründet hat und sich selbst gehörte. Das Projekt ging von Frank Farian aus: Er produzierte im Europa-Sound-Studio in Offenbach, er sang auf den frühen Aufnahmen selbst mit, er stellte die Besetzung zusammen, und die Rechte am Namen lagen bei ihm.
Daraus folgt: Es gibt kein gemeinsames Vermögen, das sich einer Gruppe zurechnen ließe. Was die vier Mitglieder verdient haben, richtete sich nach ihren Verträgen mit Farian und seinen Firmen. Diese Verträge sind nicht öffentlich. Weder für Liz Mitchell, Marcia Barrett und Maizie Williams noch für den 2010 verstorbenen Bobby Farrell liegt eine benennbare Vermögensschätzung vor – und auch nicht für Frank Farian selbst.
Zahlen, die im Netz zu diesem Thema kursieren, lassen sich auf keine überprüfbare Quelle zurückführen. Wir nennen sie deshalb nicht. Was sich belegen lässt, ist die wirtschaftliche Basis des Projekts: Chartplatzierungen, Verkaufszahlen und Erscheinungsjahre. Diese Größen stehen unten.
Acht Nummer-eins-Singles in Deutschland
Die Offiziellen Deutschen Charts führen für Boney M. 28 Single-Einträge. Zwischen 1976 und 1979 erreichten acht davon Platz 1 – eine Serie, die in dieser Dichte nur wenige Acts vorweisen können.
| Single | Jahr | Höchstplatzierung DE |
|---|---|---|
| Daddy Cool | 1976 | 1 |
| Sunny | 1976 | 1 |
| Ma Baker | 1977 | 1 |
| Belfast | 1977 | 1 |
| Rivers of Babylon | 1978 | 1 |
| Rasputin | 1978 | 1 |
| Mary’s Boy Child / Oh My Lord | 1978 | 1 |
| El Lute | 1979 | 1 |
| Hooray! Hooray! It’s A Holi-Holiday | 1979 | 4 |
| I See A Boat On The River | 1980 | 5 |
| Felicidad | 1980 | 6 |
| Happy Song | 1984 | 7 |
Auch danach blieb das Repertoire chartfähig: Der „Mega Mix“ kam 1993 auf Platz 26, die Version von „Ma Baker“ mit Sash! 1999 auf Platz 28, und die Bearbeitung von „Rasputin“ durch Majestic erreichte 2021 noch Platz 38.
Alben, Verkaufszahlen und Auszeichnungen
Zwischen 1976 und 1985 erschienen neun Studioalben. Drei davon standen in Deutschland auf Platz 1, das Debüt „Take the Heat Off Me“ auf Platz 2.
| Album | Jahr | Höchstplatzierung DE |
|---|---|---|
| Take the Heat Off Me | 1976 | 2 |
| Love for Sale | 1977 | 1 |
| Nightflight to Venus | 1978 | 1 |
| Oceans of Fantasy | 1979 | 1 |
| Boonoonoonoos | 1981 | 15 |
| Ten Thousand Lightyears | 1984 | 23 |
| The Magic of Boney M. | 2006 | 7 |
| Diamonds | 2015 | 20 |
Weltweit werden über 150 Millionen verkaufte Tonträger angegeben, darunter mehr als 60 Millionen Singles. An belegten Auszeichnungen sind unter anderem die Goldene Schallplatte für „Daddy Cool“ (1976), die Goldene Europa (1977 und 1981), die Goldene Stimmgabel (1983) und RSH-Gold (1990) dokumentiert.
„Rivers of Babylon“ und „Daddy Cool“: die wirtschaftliche Basis
Zwei Titel tragen den kommerziellen Erfolg des Projekts bis heute. „Daddy Cool“ erschien im Mai 1976, stand zwölf Wochen auf Platz 1 und verkaufte sich in Deutschland rund 800.000 Mal – die erfolgreichste Single des Jahres 1976 in Deutschland.
„Rivers of Babylon“ folgte im April 1978 und blieb vier Monate auf Platz 1. In Deutschland war die Millionengrenze nach vier Wochen überschritten. In Großbritannien stand die Doppel-A-Seite mit „Brown Girl in the Ring“ fünf Wochen auf Platz 1 und zählt mit rund 1,985 Millionen verkauften Exemplaren zu den zehn meistverkauften Singles der britischen Chartgeschichte. „Mary’s Boy Child / Oh My Lord“ wurde im selben Jahr britische Weihnachtsnummer eins und kommt auf rund 1,79 Millionen Exemplare.
Wer bei Boney M. tatsächlich gesungen hat
Die Rollenverteilung war von Anfang an eine andere, als das Bühnenbild vermuten ließ. Auf den Studioaufnahmen sangen Liz Mitchell und Marcia Barrett, ab 1982 kam Reggie Tsiboe hinzu. Maizie Williams sang nach Farians Darstellung im Studio nicht, weil ihre Stimme aus seiner Sicht nicht zu dieser Musik passte. Bobby Farrell war Tänzer und Frontmann; er sang bis Ende der 1970er Jahre live und trat danach zur Playback-Einspielung auf.
Anders als beim späteren Skandal um Milli Vanilli wurde daraus kein Geheimnis gemacht. 1981 trennte sich Farian von Bobby Farrell, 1982 ersetzte ihn Reggie Tsiboe. 1986 fiel die Gruppe endgültig auseinander.
Frank Farian: der Eigentümer des Projekts
Frank Farian, geboren am 18. Juli 1941 in Kirn als Franz Reuther, war der wirtschaftliche und kreative Kopf hinter Boney M. Für seine Produktionen insgesamt werden weltweit über 800 Millionen verkaufte Tonträger angegeben. Neben Boney M. gehen unter anderem Eruption (1977–1980), Far Corporation, Milli Vanilli (ab 1988), No Mercy und La Bouche auf ihn zurück. 1997 erhielt er den Echo Pop für sein Lebenswerk.
Farian starb am 23. Januar 2024 in Miami im Alter von 82 Jahren. Seine Gesundheit hatte sich nach einer Herzklappenoperation im Jahr 2022 verschlechtert. Zu seinem Nachlass, zur Verteilung der Rechte an seinem Katalog und zu einer Vermögenssumme liegen keine öffentlich belegten Angaben vor. Im September 2024 wurde eine Dokumentarserie über sein Leben angekündigt, die sich zu diesem Zeitpunkt in Vorproduktion befand.
Behauptungen über eine „Frank-Farian-Stiftung“, über Luxusimmobilien oder über konkrete Jahreseinnahmen einzelner Titel lassen sich in keiner überprüfbaren Quelle nachweisen. Sie stehen deshalb nicht in diesem Artikel.
Der Streit um den Namen Boney M.
Die eigentlich interessante Vermögensfrage bei Boney M. ist die nach dem Namen. Schon 1989 veröffentlichten Bobby Farrell, Maizie Williams, Marcia Barrett und Madeleine Davis eine Single unter dem Namen Boney M., ohne dass Farian dem zugestimmt hatte. Die bereits ausgelieferten deutschen Pressungen mussten wieder aus den Plattenläden genommen werden; in Frankreich erschien der Titel unter „Bobby Marcia Maizie Matalyne“.
Nach Darstellung der englischsprachigen Wikipedia war infolge einer Gerichtsentscheidung von 1990 die Formation um Liz Mitchell die einzige, die Farian offiziell unterstützte. Die deutschsprachige Wikipedia verweist zusätzlich auf ein Hamburger Urteil aus dem Jahr 2010, wonach jedes Originalmitglied mit dem Namenszusatz „Boney M.“ auftreten darf.
Das Ergebnis ist die heutige Lage: Es gibt mehrere Gruppen, die unter Boney-M.-nahen Namen auftreten. Offiziell von Farian berechtigt war „Boney M. feat. Liz Mitchell“. Maizie Williams betreibt eine eigene Besetzung mit wechselnden Mitgliedern, und praktisch alle ehemaligen Mitglieder sind mit dem Repertoire für Auftritte buchbar. Wer ein Ticket kauft, sieht daher nicht zwingend dieselbe Formation wie beim Konzert in der Nachbarstadt.
Häufige Fragen
Wie hoch ist das Vermögen von Boney M.?
Dazu existiert keine belegte Zahl. Boney M. war ein Studioprojekt von Frank Farian; die Mitglieder waren vertraglich gebunden, ein gemeinsames Bandvermögen gab es rechtlich nicht. Die Verträge sind nicht öffentlich, und keine benennbare Quelle hat eine Schätzung vorgelegt.
Wem gehört der Name Boney M.?
Die Rechte gingen von Frank Farian aus. Offiziell von ihm berechtigt war die Formation „Boney M. feat. Liz Mitchell“. Ein Hamburger Gericht entschied 2010, dass jedes Originalmitglied mit dem Namenszusatz „Boney M.“ auftreten darf. Deshalb treten heute mehrere Gruppen parallel auf.
Lebt Frank Farian noch?
Nein. Frank Farian starb am 23. Januar 2024 in Miami im Alter von 82 Jahren. Zuvor hatte sich sein Gesundheitszustand nach einer Herzklappenoperation im Jahr 2022 verschlechtert.
Wie viele Nummer-eins-Hits hatte Boney M. in Deutschland?
Acht Singles erreichten in den Offiziellen Deutschen Charts Platz 1: „Daddy Cool“, „Sunny“, „Ma Baker“, „Belfast“, „Rivers of Babylon“, „Rasputin“, „Mary’s Boy Child / Oh My Lord“ und „El Lute“. Dazu kommen drei Nummer-eins-Alben.
Wer von der Originalbesetzung tritt heute noch auf?
Liz Mitchell, Marcia Barrett und Maizie Williams sind weiterhin mit dem Boney-M.-Repertoire aktiv, allerdings in getrennten Formationen. Bobby Farrell starb am 30. Dezember 2010. Reggie Tsiboe, ab 1982 Bandmitglied, trat ebenfalls weiter auf.
Quellen
- Offizielle Deutsche Charts: Chart-Einträge von Boney M. (Singles und Alben)
- Wikipedia: Boney M. – Geschichte, Besetzung, Namensrechte
- Wikipedia: Boney M./Diskografie – Verkaufszahlen und Chartverläufe
- Wikipedia (englisch): Boney M. – konkurrierende Formationen und Gerichtsentscheidungen
- Wikipedia: Frank Farian – Produktionen, Auszeichnungen, Lebensdaten
- Wikipedia (englisch): Frank Farian – Tod am 23. Januar 2024 und Nachlass