Sidney Poitier: Filmografie und Biografie – Leben und Filme

Sidney Poitier Filmografie und Biografie

Kurz beantwortet

Sidney Poitier (20. Februar 1927 bis 6. Januar 2022) war ein bahamaisch-amerikanischer Schauspieler und Regisseur. Bei der Oscar-Verleihung am 13. April 1964 wurde er für den Film „Lilien auf dem Felde“ (1963) als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet und war damit der erste schwarze Schauspieler, der den Oscar in einer Hauptrollen-Kategorie gewann. 2002 erhielt er den Ehrenoscar, 2009 die Presidential Medal of Freedom.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sidney Poitier wurde am 20. Februar 1927 in Miami geboren, während seine bahamaischen Eltern sich dort aufhielten, und wuchs auf den Bahamas auf.
  • Er starb am 6. Januar 2022 im Alter von 94 Jahren in Kalifornien.
  • Sein Kinodebüt gab er 1950 in „Der Haß ist blind“ (No Way Out).
  • Für „Flucht in Ketten“ (1958) erhielt er den Silbernen Bären der Berlinale 1958 und als erster Afroamerikaner eine Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller.
  • Den Oscar als bester Hauptdarsteller gewann er am 13. April 1964 für „Lilien auf dem Felde“; er spielte darin den Handwerker Homer Smith.
  • 1967 kamen mit „In der Hitze der Nacht“, „Junge Dornen“ und „Rat mal, wer zum Essen kommt“ drei seiner bekanntesten Filme in die Kinos.
  • 1972 gab er mit „Der Weg der Verdammten“ (Buck and the Preacher) sein Regiedebüt; sein Film „Stir Crazy“ (1980) war der dritterfolgreichste US-Kinofilm des Jahres.
  • Von 1997 bis 2007 war er Botschafter der Bahamas in Japan, von 2002 bis 2007 zusätzlich Botschafter bei der UNESCO.
  • 1974 wurde er von Königin Elisabeth II. in den Ritterstand erhoben (Ehren-KBE).

Herkunft, Kindheit und der Weg ans Theater

Sidney Poitier kam am 20. Februar 1927 in Miami zur Welt. Seine Eltern stammten von den Bahamas und hielten sich zum Zeitpunkt der Geburt in Florida auf; das Kind kam mehrere Wochen zu früh. Aufgewachsen ist Poitier auf den Bahamas unter einfachen Verhältnissen. Als Jugendlicher zog er in die USA, wo er zum ersten Mal mit der Rassentrennung im Süden konfrontiert wurde.

In New York schlug er sich mit Gelegenheitsarbeiten durch und sprach beim American Negro Theatre vor. Beim ersten Versuch wurde er wegen seines bahamaischen Akzents abgelehnt; er arbeitete daraufhin gezielt an seiner Aussprache und wurde angenommen. 1946 stand er in der Broadway-Inszenierung von Aristophanes’ „Lysistrata“ auf der Bühne – die Produktion lief nur wenige Tage. Anschließend war er an der Produktion von „Anna Lucasta“ beteiligt.

Der Durchbruch im Kino: von „Der Haß ist blind“ bis „Flucht in Ketten“

1950 gab Poitier sein Kinodebüt in „Der Haß ist blind“ (No Way Out). 1955 folgte das Schuldrama „Die Saat der Gewalt“ (Blackboard Jungle), das seinen Bekanntheitsgrad deutlich erhöhte.

Der entscheidende Schritt kam 1958 mit Stanley Kramers „Flucht in Ketten“ (The Defiant Ones). Poitier spielte den Häftling Noah Cullen, der aneinandergekettet mit einem weißen Mitgefangenen (Tony Curtis) flieht. Bei der Berlinale 1958 erhielt er dafür den Silbernen Bären als bester Darsteller. Bei der Oscar-Verleihung 1959 war er für die Rolle als bester Hauptdarsteller nominiert – als erster Afroamerikaner in dieser Kategorie. Gewonnen hat er den Preis damals nicht.

Der Oscar für „Lilien auf dem Felde“ – und was daran historisch war

In Ralph Nelsons Film „Lilien auf dem Felde“ (Lilies of the Field, 1963) spielt Poitier den umherziehenden Handwerker Homer Smith, der in der Wüste Arizonas auf eine Gruppe aus Deutschland stammender Ordensschwestern trifft und für die dortige mexikanisch-amerikanische Gemeinde eine Kapelle baut.

Für diese Rolle wurde Poitier bei der 36. Oscar-Verleihung am 13. April 1964 als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Der Film stammt aus dem Jahr 1963, die Verleihung fand im Frühjahr 1964 statt – beide Jahreszahlen werden häufig verwechselt. Für dieselbe Rolle erhielt er außerdem den Golden Globe als bester Hauptdarsteller in einem Drama sowie 1963 erneut den Silbernen Bären der Berlinale.

Die historische Einordnung sollte präzise erfolgen: Poitier war nicht der erste schwarze Oscar-Gewinner überhaupt – Hattie McDaniel wurde bereits 1940 als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet. Poitier war der erste schwarze Schauspieler, der den Oscar in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ gewann, und der erste schwarze Mann, der einen Wettbewerbs-Oscar erhielt.

1967: drei prägende Filme in einem Jahr

1967 war Poitiers erfolgreichstes Kinojahr. In Norman Jewisons „In der Hitze der Nacht“ spielte er den Mordermittler Virgil Tibbs aus Philadelphia, der in einer Kleinstadt in Mississippi ermittelt. Der Film gewann bei der Oscar-Verleihung 1968 fünf Oscars, darunter den für den besten Film; ausgezeichnet als bester Hauptdarsteller wurde Rod Steiger. Poitier selbst war für diesen Film nicht nominiert.

In „Junge Dornen“ (To Sir, with Love) von James Clavell verkörperte er den Lehrer Mark Thackeray, der an einer Schule im Londoner East End unterrichtet. Der Film wurde ein großer Kassenerfolg; der Titelsong von Lulu erreichte Platz eins der Billboard Hot 100.

In Stanley Kramers „Rat mal, wer zum Essen kommt“ (Guess Who’s Coming to Dinner) spielte Poitier den Arzt Dr. John Wade Prentice, der sich mit einer weißen Frau verlobt und deren liberalen Eltern gegenübertritt. Der Film gewann zwei Oscars – für Katharine Hepburn als beste Hauptdarstellerin und für das Originaldrehbuch von William Rose. Für Spencer Tracy war es die letzte Filmrolle; er starb wenige Wochen nach Abschluss seiner Dreharbeiten.

Sidney Poitier Hauptrollen

Sidney Poitier: Filmografie im chronologischen Überblick

Die folgende Übersicht enthält belegte Stationen aus Poitiers Arbeit vor und hinter der Kamera. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; aufgenommen sind Titel, deren Jahr, Rolle und Einordnung nachprüfbar sind.

JahrWerk (Originaltitel)Rolle bzw. FunktionEinordnung
1950Der Haß ist blind (No Way Out)DarstellerKinodebüt
1955Die Saat der Gewalt (Blackboard Jungle)DarstellerSchuldrama, früher Erfolg
1958Flucht in Ketten (The Defiant Ones)Noah CullenSilberner Bär 1958; Oscar-Nominierung (Verleihung 1959)
1963Lilien auf dem Felde (Lilies of the Field)Homer SmithOscar als bester Hauptdarsteller, Verleihung 13.4.1964; Golden Globe
1967In der Hitze der Nacht (In the Heat of the Night)Virgil TibbsFilm gewann fünf Oscars, u. a. bester Film
1967Junge Dornen (To Sir, with Love)Mark ThackerayGroßer Kassenerfolg
1967Rat mal, wer zum Essen kommt (Guess Who’s Coming to Dinner)Dr. John Wade PrenticeZwei Oscars; letzter Film von Spencer Tracy
1972Der Weg der Verdammten (Buck and the Preacher)Hauptrolle und RegieRegiedebüt, mit Harry Belafonte und Ruby Dee
1980Stir CrazyRegieDritterfolgreichster US-Kinofilm des Jahres 1980
1988Mörderischer Vorsprung (Shoot to Kill)FBI-Agent Warren StantinErste Filmrolle nach elf Jahren
1991Separate but Equal (TV-Zweiteiler)Thurgood MarshallAusgezeichnet als beste Miniserie (Emmy)
1992SneakersDonald CreaseEnsemblefilm mit Robert Redford
1997Mandela and de Klerk (TV)Nelson MandelaEmmy-Nominierung

Poitier als Regisseur

1972 führte Poitier erstmals Regie: In dem Western „Der Weg der Verdammten“ (Buck and the Preacher) spielte er neben Harry Belafonte und Ruby Dee zugleich die Hauptrolle. Die Handlung setzt in den späten 1860er Jahren ein und folgt Trecks afroamerikanischer Siedler auf ihrem Weg nach Westen.

Es folgten weitere Regiearbeiten: „A Warm December“ (1973), „Uptown Saturday Night“ (1974), „Let’s Do It Again“ (1975), „A Piece of the Action“ (1977), „Stir Crazy“ (1980), „Fast Forward“ (1985) und „Ghost Dad“ (1990). Der kommerziell erfolgreichste davon war die Komödie „Stir Crazy“ mit Gene Wilder und Richard Pryor: Sie spielte rund 101 Millionen US-Dollar ein, war damit der dritterfolgreichste US-Kinofilm des Jahres 1980 und der erste von einem Afroamerikaner inszenierte Film, der die Marke von 100 Millionen US-Dollar überschritt.

Späte Rollen und Fernseharbeiten

Nach einer längeren Pause vor der Kamera kehrte Poitier 1988 mit dem Thriller „Mörderischer Vorsprung“ (Shoot to Kill) als Schauspieler zurück; er spielte den FBI-Agenten Warren Stantin an der Seite von Tom Berenger und Kirstie Alley. Es war seine erste Filmrolle seit elf Jahren. 1992 war er in dem Ensemblefilm „Sneakers“ als früherer CIA-Mann Donald Crease zu sehen.

Im Fernsehen übernahm er zwei historische Rollen: 1991 spielte er in dem ABC-Zweiteiler „Separate but Equal“ den Bürgerrechtsanwalt und späteren Verfassungsrichter Thurgood Marshall, der vor dem Supreme Court das Verfahren Brown v. Board of Education führte. Die Produktion wurde mit dem Emmy als beste Miniserie ausgezeichnet. 1997 verkörperte Poitier in „Mandela and de Klerk“ Nelson Mandela.

Sidney Poitier späte Karriere

Botschafter der Bahamas

Poitier besaß neben der US-amerikanischen auch die bahamaische Staatsbürgerschaft und übernahm für sein Herkunftsland diplomatische Aufgaben. Von 1997 bis 2007 war er Botschafter der Bahamas in Japan. Von 2002 bis 2007 vertrat er die Bahamas zusätzlich als Botschafter bei der UNESCO.

Auszeichnungen und Tod

1974 erhob Königin Elisabeth II. Poitier in den Ritterstand; da er kein britischer Staatsbürger war, handelte es sich um eine Ehrenernennung zum Knight Commander of the Order of the British Empire. Bei der 74. Oscar-Verleihung am 24. März 2002 erhielt er den Ehrenoscar für sein Lebenswerk. 2009 zeichnete US-Präsident Barack Obama ihn mit der Presidential Medal of Freedom aus, der höchsten zivilen Auszeichnung der Vereinigten Staaten.

Sidney Poitier starb am 6. Januar 2022 im Alter von 94 Jahren in Kalifornien.

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Häufige Fragen

Wann und für welchen Film gewann Sidney Poitier den Oscar?

Er gewann den Oscar als bester Hauptdarsteller für „Lilien auf dem Felde“. Der Film erschien 1963, die Verleihung fand am 13. April 1964 statt. Beide Jahreszahlen werden oft verwechselt.

War Poitier der erste schwarze Oscar-Gewinner?

Nein. Hattie McDaniel gewann bereits 1940 den Oscar als beste Nebendarstellerin. Poitier war der erste schwarze Schauspieler, der in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ gewann, und der erste schwarze Mann mit einem Wettbewerbs-Oscar.

Wann ist Sidney Poitier gestorben?

Sidney Poitier starb am 6. Januar 2022 im Alter von 94 Jahren in Kalifornien. Geboren wurde er am 20. Februar 1927 in Miami.

Welche Filme hat Sidney Poitier selbst inszeniert?

Sein Regiedebüt war „Der Weg der Verdammten“ (1972). Es folgten unter anderem „A Warm December“ (1973), „Uptown Saturday Night“ (1974), „Let’s Do It Again“ (1975), „A Piece of the Action“ (1977), „Stir Crazy“ (1980), „Fast Forward“ (1985) und „Ghost Dad“ (1990).

Wen spielte Poitier in „Separate but Equal“?

In dem ABC-Zweiteiler von 1991 spielte er den Anwalt Thurgood Marshall, nicht Nelson Mandela. Mandela verkörperte er 1997 in dem Fernsehfilm „Mandela and de Klerk“.

War Sidney Poitier auch Diplomat?

Ja. Von 1997 bis 2007 war er Botschafter der Bahamas in Japan und von 2002 bis 2007 zugleich Botschafter der Bahamas bei der UNESCO.

Quellen

Stand: 22. August 2026.