Amazon Analytics: Welche Berichte es wirklich gibt – und was sie zeigen

Datenbasierte Entscheidungen treffen: Amazon Analytics, die Ihnen zeigen, wo Ihr Geld wirklich verdient wird

Kurz beantwortet

„Amazon Analytics“ ist kein Produktname von Amazon. Amazon liefert Verkäufern den Sales-and-Traffic-Business-Report und – bei Markenregistrierung – die Brand-Analytics-Berichte. Alle zeigen Umsatz, Traffic und Suchleistung, keinen Gewinn. Wer Profitabilität je Artikel sehen will, muss die Gebühren aus Amazons Gebührenordnung selbst gegenrechnen oder ein Drittanbieter-Tool anbinden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der zentrale Verkaufsbericht heißt bei Amazon Sales and Traffic Business Report; in der Selling-Partner-API trägt er den Typ GET_SALES_AND_TRAFFIC_REPORT.
  • Brand Analytics umfasst laut Amazons Entwicklerdokumentation unter anderem Search Query Performance, Search Catalog Performance, Search Terms, Market Basket Analysis und Repeat Purchase.
  • Der professionelle Verkaufstarif kostet auf amazon.de 39 € pro Monat (exkl. USt.); Einzelanbieter zahlen 0,99 € je verkauftem Artikel.
  • Die Verkaufsgebühren sind kategorieabhängig und liegen laut Amazon zwischen 5 % und 45 %.
  • Monatliche FBA-Lagergebühren nennt Amazon mit 27,54 € pro Kubikmeter (Januar bis September) und 52,20 € pro Kubikmeter (Oktober bis Dezember).
  • Der Aufschlag für Altbestand greift laut Amazon bei Einheiten, die länger als 241 Tage im Logistikzentrum liegen.
  • Seit dem 17. April 2026 erhebt Amazon einen Treibstoff- und Logistikaufschlag von 1,5 % auf die Versandgebühren.
  • Amazon Ads rechnet nach dem Kosten-pro-Klick-Modell ab – Werbekosten fallen also unabhängig davon an, ob ein Klick zu einem Verkauf führt.

„Amazon Analytics“ gibt es nicht – das sind die echten Berichtsnamen

Wer nach „Amazon Analytics“ sucht, sucht nach etwas, das Amazon so nicht anbietet. Der Begriff ist eine Sammelbezeichnung aus dem Markt, kein Menüpunkt in Seller Central. Wer mit Berichten arbeitet, sollte die tatsächlichen Namen kennen – schon deshalb, weil Anleitungen im Netz häufig veraltete oder frei erfundene Bezeichnungen verwenden.

Amazons Entwicklerdokumentation zur Selling Partner API listet die Berichte mit ihren offiziellen Typkennungen. Der wichtigste Verkaufsbericht für Händler ist der Sales and Traffic Business Report (GET_SALES_AND_TRAFFIC_REPORT). Amazon beschreibt ihn als Bericht über zentrale Verkaufskennzahlen wie bestellte Produktumsätze, Erlöse und bestellte Einheiten. Was er nicht enthält: Ihre Einkaufspreise, Ihre Werbekosten und damit Ihre Marge.

Brand Analytics: was Markeninhaber zusätzlich sehen

Verkäufer mit registrierter Marke erhalten zusätzliche Auswertungen. Amazons Dokumentation führt sie einzeln auf – und die Namen sind spezifischer, als es in vielen Ratgebern steht.

BerichtAPI-TypWas Amazon dazu angibt
Search Query PerformanceGET_BRAND_ANALYTICS_SEARCH_QUERY_PERFORMANCE_REPORTLeistung einzelner Suchanfragen: Impressionen, Klicks, Warenkorb-Hinzufügungen, Käufe
Search Catalog PerformanceGET_BRAND_ANALYTICS_SEARCH_CATALOG_PERFORMANCE_REPORTSuch-Engagement-Kennzahlen wie Impressionen, Klicks, Warenkorb-Hinzufügungen, Käufe
Search TermsGET_BRAND_ANALYTICS_SEARCH_TERMS_REPORTDie meistgeklickten ASINs je Suchbegriff und Abteilung
Market Basket AnalysisGET_BRAND_ANALYTICS_MARKET_BASKET_REPORTArtikel, die am häufigsten zusammen gekauft werden
Repeat PurchaseGET_BRAND_ANALYTICS_REPEAT_PURCHASE_REPORTMenge der Wiederholungskäufe

Auch diese Berichte beantworten Sichtbarkeits- und Nachfragefragen, keine Gewinnfragen. Search Query Performance zeigt, ob Sie bei einer Suchanfrage gesehen und geklickt werden – nicht, ob der daraus folgende Verkauf für Sie rentabel war.

Warum Umsatz und Gewinn bei Amazon so weit auseinanderliegen

Zwischen dem Betrag, den ein Kunde zahlt, und dem, was bei Ihnen ankommt, liegen mehrere Gebührenarten, die Amazon getrennt ausweist. Sie stehen in der Gebührenübersicht auf sell.amazon.de – und sie sind der Grund, warum ein Blick in den Verkaufsbericht allein nichts über Profitabilität aussagt.

KostenartWas Amazon nennt
Professioneller Verkaufstarif39 € pro Monat (exkl. USt.)
Einzelanbieter-Tarif0,99 € je verkauftem Artikel (zzgl. MwSt.)
Verkaufsgebühr (Provision)Kategorieabhängig zwischen 5 % und 45 %; Beispiele: Elektronik 7 %, allgemeiner Satz 15 %
FBA-Lagergebühr Januar–September27,54 € pro Kubikmeter und Monat
FBA-Lagergebühr Oktober–Dezember52,20 € pro Kubikmeter und Monat
Aufschlag für AltbestandFür Einheiten mit mehr als 241 Tagen Lagerdauer
Treibstoff- und Logistikaufschlag1,5 % auf die Versandgebühren, seit 17. April 2026

Zwei Punkte fallen an dieser Liste auf. Erstens: Die Lagergebühr verdoppelt sich im Weihnachtsquartal nahezu – wer im Oktober zu viel einlagert, zahlt für dieselbe Ware fast das Doppelte. Zweitens: Der Aufschlag für Altbestand ist keine Strafe nach sechs Monaten, wie oft behauptet wird, sondern greift nach der von Amazon genannten Schwelle von 241 Tagen. Wer mit falschen Fristen plant, räumt entweder zu früh ab oder zu spät.

Ein Rechenbeispiel aus Amazons eigener Darstellung zeigt die Größenordnung: Für ein 300-Gramm-Mobiltelefon nennt Amazon 35,00 € Vermittlungsgebühr, 0,02 € Lagerkosten und 4,54 € Abwicklungsgebühr je Einheit – zusammen 7,91 % des Verkaufspreises. Für einen 5,76 Kilogramm schweren Holzschrank sind es 50,00 € Vermittlungsgebühr, 3,32 € Lagerkosten und 15,39 € Abwicklungsgebühr, zusammen 17,18 %. Gewicht und Volumen entscheiden also mit darüber, wie viel vom Umsatz übrig bleibt.

Werbekosten: warum sie je Produkt zugeordnet werden müssen

Amazon Ads rechnet nach dem Kosten-pro-Klick-Modell ab: Sie zahlen für Klicks auf Ihre Anzeigen, nicht für Verkäufe. Das ist der Grund, warum Werbekosten in der Gewinnrechnung eine eigene Position brauchen. Ein Produkt kann in der Verkaufsübersicht gut aussehen und trotzdem defizitär sein, wenn ein großer Teil der Klicks nicht in Bestellungen mündet.

Die Werbeberichte liegen in der Amazon-Ads-Konsole, die Verkaufsdaten in Seller Central. Beide Systeme sind getrennt. Die Zusammenführung – Werbekosten je ASIN gegen Deckungsbeitrag je ASIN – müssen Sie selbst herstellen, per Export und Tabellenkalkulation oder über ein angebundenes Tool.

Zu Kennzahlen wie ACOS und TACOS kursieren im Netz viele Faustregeln („ein guter ACOS liegt bei X Prozent“). Solche Schwellenwerte gibt Amazon nicht vor. Sie hängen von Marge, Kategorie und Ziel der Kampagne ab – ein Zielwert, der für ein Produkt mit 40 Prozent Rohmarge sinnvoll ist, ruiniert ein Produkt mit 12 Prozent.

Welche Zahlen Sie selbst zusammenführen müssen

Für eine belastbare Deckungsbeitragsrechnung je Artikel brauchen Sie Daten aus mehreren Quellen. Keine davon liefert Amazon fertig verrechnet.

  • Umsatz und Einheiten je ASIN – aus dem Sales and Traffic Business Report.
  • Verkaufsgebühren und Versandgebühren – aus den Abrechnungen, nach dem in der Gebührenübersicht genannten Satz Ihrer Kategorie.
  • Lagerkosten – abhängig vom belegten Volumen und vom Monat, mit dem höheren Satz im vierten Quartal.
  • Aufschläge – Altbestand ab 241 Tagen, Treibstoff- und Logistikaufschlag von 1,5 %.
  • Werbekosten je ASIN – aus der Amazon-Ads-Konsole, nach dem Kosten-pro-Klick-Modell abgerechnet.
  • Ihre eigenen Kosten – Einkaufspreis, Anlieferung, Verpackung, Retourenaufbereitung. Diese kennt Amazon nicht und kann sie deshalb auch nicht ausweisen.

Erst wenn diese sechs Blöcke auf derselben Ebene stehen – je ASIN, je Zeitraum, in derselben Währung –, lässt sich sagen, welcher Artikel Geld verdient. Alles davor ist Umsatzbetrachtung.

Worauf Sie bei Drittanbieter-Tools achten sollten

Es gibt einen großen Markt für Software, die genau diese Zusammenführung automatisiert; ein amazon analytics tool zieht die Daten in der Regel über die Selling Partner API und die Advertising API. Ob ein bestimmtes Produkt hält, was es verspricht, lässt sich nur am konkreten Angebot prüfen – dieser Artikel spricht keine Empfehlung für einen einzelnen Anbieter aus.

Sinnvolle Prüffragen vor einem Abschluss: Werden alle Gebührenarten abgebildet, einschließlich Altbestandsaufschlag und Treibstoff- und Logistikaufschlag? Lassen sich eigene Einkaufs- und Nebenkosten je ASIN hinterlegen? Werden Werbekosten je ASIN zugeordnet oder nur als Kampagnensumme angezeigt? Und mit welchem Zeitverzug kommen die Daten an – Berichte über die Selling Partner API werden angefordert und erzeugt, sie stehen nicht in Echtzeit bereit.

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Häufige Fragen

Gibt es ein Amazon-Produkt namens „Amazon Analytics“?

Nein. Amazon führt seine Auswertungen unter eigenen Namen: den Sales and Traffic Business Report für Verkaufs- und Traffic-Daten sowie die Brand-Analytics-Berichte für Markeninhaber. „Amazon Analytics“ ist eine Sammelbezeichnung aus dem Markt, kein Menüpunkt und kein Produkt.

Zeigt Amazon Verkäufern den Gewinn je Produkt?

Nein. Amazon beschreibt den Sales and Traffic Business Report als Bericht über Verkaufskennzahlen wie Produktumsätze, Erlöse und bestellte Einheiten. Ihre Einkaufspreise und Nebenkosten kennt Amazon nicht, deshalb kann kein Amazon-Bericht eine Marge ausweisen.

Ab wann fällt der Aufschlag für Altbestand an?

Amazon nennt in der Gebührenübersicht für amazon.de eine Schwelle von mehr als 241 Tagen Lagerdauer im Logistikzentrum. Die verbreitete Angabe „nach sechs Monaten“ trifft nicht zu. Prüfen Sie die Übersicht vor jeder Nachbestellung, da Amazon Gebühren und Schwellen anpasst.

Was kostet der Verkauf auf Amazon monatlich?

Der professionelle Verkaufstarif kostet auf amazon.de 39 € pro Monat exklusive Umsatzsteuer. Alternativ zahlen Einzelanbieter 0,99 € je verkauftem Artikel zuzüglich Mehrwertsteuer. Hinzu kommen in beiden Fällen die kategorieabhängigen Verkaufsgebühren zwischen 5 % und 45 % sowie bei FBA die Versand- und Lagergebühren.

Wie hoch ist der Treibstoff- und Logistikaufschlag?

Amazon erhebt seit dem 17. April 2026 einen Aufschlag von 1,5 % auf die Versandgebühren. Er kommt zu den regulären Abwicklungsgebühren hinzu und sollte in jeder Margenrechnung als eigene Position geführt werden.

Quellen