Kurz beantwortet
Bentley Motors Limited in Crewe gehört der Volkswagen AG. Im britischen Handelsregister ist Volkswagen als kontrollierende Gesellschaft mit über 75 Prozent der Anteile und Stimmrechte eingetragen. Im Konzern ist Bentley der Markengruppe Progressive um Audi zugeordnet. Über der Volkswagen AG steht als größte Einzelaktionärin die Porsche Automobil Holding SE – und hinter dieser die Familien Porsche und Piëch.
Das Wichtigste in Kürze
- Bentley Motors Limited ist im britischen Companies House unter der Nummer 00992897 eingetragen, Sitz Pym’s Lane, Crewe.
- Als „person with significant control“ ist dort die Volkswagen Aktiengesellschaft eingetragen – mit mehr als 75 Prozent der Anteile und Stimmrechte sowie dem Recht, Direktoren zu bestellen und abzuberufen.
- Dieselbe Gesellschaft hieß früher „Rolls-Royce Motors“ und „Rolls-Royce & Bentley Motor Cars“: Es ist die alte Rolls-Royce-Automobilfirma, die 1998 an Volkswagen ging und umbenannt wurde.
- Im Volkswagen-Konzern arbeitet Bentley heute in der Markengruppe Progressive mit Audi, Lamborghini und Ducati zusammen.
- Zum 31. Dezember 2025 hielt die Porsche Automobil Holding SE 53,3 Prozent der VW-Stammaktien, das Land Niedersachsen 20,0 Prozent, die Qatar Holding 17,0 Prozent; 9,7 Prozent waren Streubesitz.
- Die Stammaktien der Porsche SE liegen laut deren eigener Angabe zum 31. Dezember 2025 mittelbar ausschließlich bei Mitgliedern der Familien Porsche und Piëch.
- 2025 lieferte Bentley rund 10.100 Fahrzeuge aus, 2024 waren es rund 10.600.
- Für 2025 meldete Bentley 2,6 Milliarden Euro Umsatz und 216 Millionen Euro operatives Ergebnis – das siebte profitable Jahr in Folge.
- Vorstandsvorsitzender ist Dr. Frank-Steffen Walliser, Finanzvorstand Axel Dewitz.
Die Eigentümerkette von Crewe bis Stuttgart
Wer wissen will, wem Bentley gehört, muss vier Stufen nachvollziehen. Jede einzelne davon ist öffentlich dokumentiert – im britischen Handelsregister, auf den Investorenseiten des Volkswagen-Konzerns und bei der Porsche Automobil Holding SE.
| Stufe | Gesellschaft | Beteiligung | Beleg |
|---|---|---|---|
| 1 | Bentley Motors Limited, Crewe | kontrolliert von der Volkswagen AG (über 75 % der Anteile und Stimmrechte) | Companies House, PSC-Register |
| 2 | Volkswagen AG, Wolfsburg | Porsche Automobil Holding SE hält 53,3 % der Stammaktien | Volkswagen Group, Aktionärsstruktur zum 31.12.2025 |
| 3 | Porsche Automobil Holding SE, Stuttgart | 153.125.000 Stammaktien, mittelbar ausschließlich bei den Familien Porsche und Piëch | Porsche SE, Aktionärsstruktur zum 31.12.2025 |
| 4 | Übrige VW-Stammaktionäre | Land Niedersachsen 20,0 %, Qatar Holding 17,0 %, Streubesitz 9,7 % | Volkswagen Group, Aktionärsstruktur zum 31.12.2025 |
Zwei Feinheiten sind wichtig. Erstens beziehen sich die 53,3 Prozent auf die Stammaktien der Volkswagen AG, also auf die Stimmrechte – am gesamten Grundkapital, das zusätzlich 206.205.445 stimmrechtslose Vorzugsaktien umfasst, liegt der Anteil der Porsche SE deutlich niedriger. Zweitens gilt dasselbe Prinzip eine Stufe höher: Von der Porsche SE sind an der Börse ausschließlich die stimmrechtslosen Vorzugsaktien handelbar. Die stimmberechtigten Stammaktien sind Familienbesitz. Wer also eine Bentley-Aktie kaufen möchte, kann das nicht – und wer über die Porsche-SE-Vorzugsaktie einsteigt, erwirbt kein Stimmrecht.
Wo Bentley im Volkswagen-Konzern eingeordnet ist
Volkswagen fasst seine Automobilmarken in Markengruppen zusammen. Der Konzern nennt auf seiner eigenen Unternehmensseite drei davon: Core mit Volkswagen, Volkswagen Nutzfahrzeuge, Škoda, SEAT und CUPRA, Progressive mit Audi, Bentley, Lamborghini und Ducati sowie Sport Luxury mit Porsche.
Bentley ist damit organisatorisch an Audi angebunden – das ist der Kern dessen, was seit 2022 gelegentlich als „Bentley gehört jetzt Audi“ verkürzt wird. Rechtlich stimmt das nicht: Eigentümerin von Bentley Motors Limited bleibt die Volkswagen AG. Die Markengruppe ist eine Steuerungs- und Kooperationsebene, keine Beteiligungskette.
1998: Warum Bentley zu VW ging und Rolls-Royce zu BMW
Der am häufigsten falsch erzählte Teil dieser Geschichte ist die Trennung von 1998. Bentley und Rolls-Royce waren seit 1931 ein Unternehmen; Rolls-Royce hatte den finanziell angeschlagenen Konkurrenten damals übernommen. 1980 kam die gemeinsame Automobilsparte zum Rüstungs- und Maschinenbaukonzern Vickers plc. Als Vickers sie 1997 zum Verkauf stellte, boten BMW und Volkswagen gegeneinander.
Volkswagen setzte sich mit rund 430 Millionen Pfund gegen BMWs Gebot von 340 Millionen Pfund durch – nach damaligem Kurs etwa 1,44 Milliarden D-Mark. Gekauft hat Volkswagen das Werk in Crewe, die Fahrzeugkonstruktionen, die Modellnamen, die Markenrechte an Bentley sowie die Bildmarken „Spirit of Ecstasy“ und den Rolls-Royce-Kühlergrill.
Was Volkswagen nicht kaufen konnte, war der Name Rolls-Royce selbst. Der gehörte nicht Vickers, sondern dem Triebwerkshersteller Rolls-Royce plc. BMW erwarb dort für 40 Millionen Pfund die Lizenz an Namen und Logo. Das Ergebnis war eine der kuriosesten Konstellationen der Automobilgeschichte: Volkswagen besaß die Fabrik und den Kühlergrill, BMW den Namen. Bis Ende 2002 baute Volkswagen in Crewe unter Lizenz weiter Rolls-Royce-Modelle. Zum 1. Januar 2003 endete diese Übergangsregelung: Seither fertigt BMW Rolls-Royce im neu errichteten Werk Goodwood in West Sussex, und Volkswagen ist alleiniger Hersteller von Fahrzeugen der Marke Bentley.
Eine Spur dieser Trennung steckt bis heute im Handelsregister. Die Gesellschaft, die heute Bentley Motors Limited heißt, wurde am 28. Oktober 1970 eingetragen und trug zuvor die Namen „Rolls-Royce Motors“ und „Rolls-Royce & Bentley Motor Cars“. Es ist also nicht Bentley, das aus Rolls-Royce ausgegliedert wurde – es ist die alte Rolls-Royce-Autofirma, die zu Bentley wurde.
Geschäftszahlen 2025: Was die Marke für den Konzern leistet
Bentley ist im Volkswagen-Konzern eine Kleinserienmarke mit hoher Marge. Gemessen an den Stückzahlen macht sie rund ein Tausendstel des Konzernabsatzes aus – 2025 lieferte der gesamte Volkswagen-Konzern rund 8,98 Millionen Fahrzeuge aus, Bentley davon rund 10.100.
| Kennzahl | 2024 | 2025 |
|---|---|---|
| Auslieferungen an Kunden | rund 10.600 | rund 10.100 |
| Umsatz | — | 2,6 Mrd. € |
| Operatives Ergebnis | — | 216 Mio. € |
| Operative Umsatzrendite | — | 8,3 % |
In der Jahresmitteilung vom 17. März 2026 beschrieb Bentley 2025 als siebtes profitables Jahr in Folge. Der Umsatz gab dabei nur um ein Prozent nach, obwohl die Auslieferungen um fünf Prozent zurückgingen – die Marke verkaufte also weniger, aber teurer. Bestseller blieb der Bentayga. Gleichzeitig kündigte Bentley eine organisatorische Anpassung an, von der etwa 275 Stellen betroffen sind.
Standort Crewe: Britische Marke, deutscher Eigentümer
Bentley wurde 1919 von Walter Owen Bentley gegründet und fuhr in den 1920er-Jahren fünf Le-Mans-Siege ein. Seit 1946 wird in Crewe in der Grafschaft Cheshire produziert; dort liegt bis heute der Unternehmenssitz, dort arbeiten laut Volkswagen-Konzern rund 4.000 Beschäftigte. Der Eigentümerwechsel von 1998 hat daran nichts geändert: Die Fertigung wurde nicht nach Deutschland verlagert, sondern ausgebaut.
Technisch ist die Verflechtung mit dem Konzern dagegen eng. Bentley greift auf Plattformen, Antriebe und Elektronik aus dem Volkswagen-Verbund zurück – das ist der wirtschaftliche Sinn der Zugehörigkeit zur Markengruppe Progressive. Was Bentley in Crewe hinzufügt, sind Karosserie, Innenraum und Endmontage.
Beyond100+: Der Elektrokurs unter VW-Regie
Unter dem Namen Beyond100+ hat Bentley seine Strategie neu gefasst. Der Volkswagen-Konzern beschreibt das Ziel auf seiner Markenseite so: führender Hersteller von Luxus-Elektroautos zu werden. Der ursprünglich für 2030 angepeilte Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor wurde dabei gestreckt – Plug-in-Hybride sollen bis 2035 im Programm bleiben, ab 2035 will die Marke ausschließlich elektrisch fahren.
Für die Eigentümerfrage ist das relevant, weil die Umstellung Kapital bindet, das aus Wolfsburg kommt. Eine eigenständige Bentley Motors Limited müsste eine solche Transformation aus eigener Kraft finanzieren; als Konzerntochter mit rund zehntausend Fahrzeugen im Jahr kann sie auf Plattformentwicklung zugreifen, die andernorts im Konzern bezahlt wird.
Häufige Fragen
Wem gehört Bentley Motors heute?
Der Volkswagen AG. Im britischen Handelsregister ist die Volkswagen Aktiengesellschaft als kontrollierende Gesellschaft von Bentley Motors Limited eingetragen, mit mehr als 75 Prozent der Anteile und Stimmrechte. Innerhalb des Konzerns gehört Bentley zur Markengruppe Progressive um Audi.
Gehört Bentley zu Audi?
Organisatorisch ja, gesellschaftsrechtlich nein. Bentley arbeitet in der Markengruppe Progressive mit Audi, Lamborghini und Ducati zusammen. Eigentümerin der Bentley Motors Limited ist und bleibt aber die Volkswagen AG.
Warum gehört Rolls-Royce zu BMW und Bentley zu VW?
Weil 1998 Fabrik und Name getrennt verkauft wurden. Volkswagen kaufte für rund 430 Millionen Pfund das Werk Crewe, die Konstruktionen und die Marke Bentley von Vickers. Den Namen Rolls-Royce besaß aber der Triebwerkshersteller Rolls-Royce plc, der ihn für 40 Millionen Pfund an BMW lizenzierte. Seit dem 1. Januar 2003 baut BMW Rolls-Royce in Goodwood, Volkswagen Bentley in Crewe.
Wer steht hinter der Volkswagen AG?
Größte Stammaktionärin ist die Porsche Automobil Holding SE mit 53,3 Prozent der Stimmrechte (Stand 31. Dezember 2025), gefolgt vom Land Niedersachsen mit 20,0 Prozent und der Qatar Holding mit 17,0 Prozent. Die Stammaktien der Porsche SE wiederum liegen mittelbar ausschließlich bei Mitgliedern der Familien Porsche und Piëch.
Wer führt Bentley Motors?
Vorstandsvorsitzender (Chairman and CEO) ist Dr. Frank-Steffen Walliser, der in Bentley-Mitteilungen des Jahres 2026 in dieser Funktion auftritt. Für Finanzen und IT ist Axel Dewitz zuständig. Der frühere Bentley-Chef Adrian Hallmark führt seit Oktober 2024 Aston Martin.
Wie viele Autos baut Bentley im Jahr?
Nach den Auslieferungszahlen des Volkswagen-Konzerns waren es 2025 rund 10.100 Fahrzeuge und 2024 rund 10.600. Bentley beschäftigt dafür etwa 4.000 Menschen, fast alle in Crewe.
Quellen
- Companies House: Bentley Motors Limited, Persons with significant control – Volkswagen AG als kontrollierende Gesellschaft, frühere Firmennamen
- Volkswagen Group: Aktionärsstruktur zum 31.12.2025 – Porsche SE 53,3 %, Niedersachsen 20,0 %, Qatar Holding 17,0 %, Streubesitz 9,7 %
- Porsche Automobil Holding SE: Aktionärsstruktur – Stammaktien mittelbar ausschließlich bei den Familien Porsche und Piëch
- Volkswagen Group: Marken und Markengruppen – Bentley in der Markengruppe Progressive mit Audi, Lamborghini und Ducati
- Volkswagen Group: Markenprofil Bentley – Sitz Crewe, rund 4.000 Beschäftigte, Strategie Beyond100+
- Volkswagen Group: Auslieferungen an Kunden – Bentley 2025 und 2024
- Bentley Motors, Mitteilung vom 17.03.2026: siebtes profitables Jahr in Folge – Umsatz, operatives Ergebnis, Umsatzrendite, Stellenanpassung
- Wikipedia (englisch): Bentley Motors – Verkaufsprozess 1998, Gebote von BMW und Volkswagen, Übergang zum 1. Januar 2003
- Wikipedia (deutsch): Bentley – Kaufpreis in D-Mark, Lizenz an BMW, Werk Goodwood