Wem gehört Cartier – Luxusmarke im Überblick

Wem gehört Cartier

Kurz beantwortet

Cartier gehört vollständig zur Compagnie Financière Richemont SA mit Sitz in Bellevue bei Genf. Richemont ist an der SIX Swiss Exchange notiert, kontrolliert wird der Konzern aber von der Familie Rupert: Die Compagnie Financière Rupert hält sämtliche B-Aktien und damit 50 Prozent der Stimmrechte bei 9,1 Prozent des Kapitals. Cartier selbst ist keine Aktiengesellschaft und nicht börsennotiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Cartier ist eine Maison der Compagnie Financière Richemont SA und dort dem Geschäftsbereich Jewellery Maisons zugeordnet.
  • Richemont nennt auf seiner eigenen Maison-Seite Gründungsjahr und Gründungsort: 1847 in Paris, gegründet von Louis-François Cartier.
  • Richemont entstand 1988 durch die Abspaltung der internationalen Beteiligungen der südafrikanischen Rembrandt Group; Gründer ist Johann Rupert.
  • 1993 bündelte Richemont sein Luxusgeschäft in der in London notierten Vendôme Luxury Group, zu der auch Cartier gehörte; 1998 kaufte Richemont die Minderheitsaktionäre heraus und hält seither 100 Prozent.
  • Chief Executive Officer von Cartier ist Louis Ferla; Richemont führt ihn im Geschäftsbericht 2026 und auf der Maison-Seite in dieser Funktion.
  • Im Geschäftsjahr bis 31. März 2026 erzielte Richemont 22,42 Milliarden Euro Umsatz; auf die Sparte Jewellery Maisons entfielen 16,54 Milliarden Euro.
  • Einen eigenen Umsatz für Cartier veröffentlicht Richemont nicht – die Marke wird nur innerhalb der Sparte ausgewiesen.
  • Richemont beziffert das Boutiquen-Netz von Cartier auf 273 Standorte; konzernweit arbeiten mehr als 40.000 Menschen für die Gruppe.

Die Eigentumskette: von Paris nach Genf

Cartier war bis 1964 in Familienbesitz, wurde danach zerschlagen, wieder zusammengeführt und ging erst am Ende dieses Wegs an Richemont. Deshalb kursieren zu der Frage, seit wann Cartier zu Richemont gehört, drei verschiedene Jahreszahlen – 1988, 1993 und 1998. Alle drei markieren einen Schritt, keine ist für sich genommen die ganze Antwort.

JahrSchritt
1847Louis-François Cartier gründet das Unternehmen in Paris
1874Sein Sohn Alfred Cartier übernimmt die Firma
1964Nach dem Tod von Pierre Cartier verkaufen die Erben die Gesellschaften – das Ende der Familienkontrolle
1972Robert Hocq kauft mit einer Investorengruppe um Joseph Kanoui Cartier Paris
1974 / 1976Dieselbe Gruppe erwirbt Cartier London und Cartier New York zurück
1979Die drei Häuser werden unter dem Dach „Cartier Monde“ wieder vereinigt
1988Johann Rupert gründet Richemont durch Abspaltung der internationalen Beteiligungen der Rembrandt Group – darunter deren Luxusgüter-Investments
1993Richemont bündelt das Luxusgeschäft in der in Großbritannien börsennotierten Vendôme Luxury Group, zu der Cartier gehört
1998Richemont kauft die Minderheitsaktionäre von Vendôme heraus und hält 100 Prozent

Die Vendôme Luxury Group von 1993 fasste neben Cartier auch Dunhill, Montblanc, Piaget, Baume & Mercier, Karl Lagerfeld, Chloé, Sulka, Hackett und Seeger zusammen. Wer liest, Richemont habe Cartier 1988 „gekauft“, verkürzt also: Cartier kam über die Rembrandt-Beteiligungen in den Einflussbereich des neu gegründeten Konzerns, die vollständige Kontrolle folgte erst zehn Jahre später.

Wie die Familie Rupert Richemont kontrolliert

Richemont ist börsennotiert, wird aber nicht von der Börse kontrolliert. Der Grund ist eine Zwei-Klassen-Aktienstruktur, die der Konzern selbst offenlegt und die auch für die Schwestermarken gilt – ausführlich erklärt haben wir sie im Beitrag Wem gehört Montblanc.

Kurz gefasst: Neben den frei handelbaren A-Namenaktien existiert dieselbe Zahl an B-Namenaktien mit einem Zehntel des Nennwerts. Jede Aktie hat unabhängig vom Nennwert eine Stimme. Die B-Aktien liegen nach Angaben von Richemont zu 100 Prozent bei der Compagnie Financière Rupert. Daraus ergibt sich der Hebel: 9,1 Prozent des Kapitals stehen 50 Prozent der Stimmrechte gegenüber.

AktiengattungAnteil am KapitalStimmrechteHalter
A-Namenaktien90,9 Prozent50 ProzentPublikum; kotiert an der SIX, Zweitkotierung in Johannesburg
B-Namenaktien9,1 Prozent50 ProzentCompagnie Financière Rupert (100 Prozent)

Wichtig für die Titelfrage: Diese Quoten beziehen sich auf Richemont, nicht auf Cartier. An Cartier selbst gibt es keine Minderheitsbeteiligung und keine gesplittete Stimmrechtsstruktur – die Maison gehört dem Konzern vollständig.

Was Richemont über Cartier veröffentlicht – und was nicht

Cartier ist die größte Marke des Konzerns. Belegen lässt sich das allerdings nur indirekt, denn Richemont weist Cartier nicht einzeln aus, sondern nur die Sparte Jewellery Maisons, zu der außerdem Van Cleef & Arpels, Buccellati und Vhernier gehören. Eine Umsatzzahl „für Cartier“ ist deshalb aus den Geschäftsberichten nicht abzuleiten – wer eine nennt, schätzt.

GeschäftsbereichUmsatz 2025/26VeränderungBetriebsmarge
Jewellery Maisons (mit Cartier)16.539 Mio. Euro+8 Prozent30,5 Prozent
Specialist Watchmakers3.149 Mio. Euro−4 Prozent3,4 Prozent
Other2.732 Mio. Euro−2 Prozent−3,5 Prozent
Konzern gesamt22.420 Mio. Euro+5 Prozent20,0 Prozent

Richemont bilanziert zum 31. März. Für das am 31. März 2026 abgeschlossene Geschäftsjahr meldete der Konzern 22,42 Milliarden Euro Umsatz, einen Betriebsgewinn von 4,49 Milliarden Euro und einen Reingewinn von 3,48 Milliarden Euro. Die Schmucksparte trug rund drei Viertel des Konzernumsatzes und mehr als den gesamten Betriebsgewinn bei – der Bereich „Other“ schrieb im selben Jahr einen Verlust von 96 Millionen Euro.

Ein weiterer belastbarer Größenvergleich sind die Verkaufsstellen. Richemont beziffert das Netz von Cartier auf 273 Boutiquen, gefolgt von Van Cleef & Arpels mit 175, Buccellati mit 57 und Vhernier mit 19. Cartier ist damit auch nach Standorten die mit Abstand größte Maison der Gruppe.

Wer Cartier und Richemont führt

Cartier wird von Louis Ferla geführt. Richemont nennt ihn auf der Maison-Seite als President & CEO und im Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2026 als Chief Executive Officer von Cartier. Häufig kursiert stattdessen der Name Laurent Feniou – der aber die britische Landesgesellschaft verantwortet, nicht die Maison.

An der Konzernspitze steht seit dem 1. Juni 2024 Nicolas Bos als Group Chief Executive Officer; er kam von Van Cleef & Arpels. Verwaltungsratspräsident ist unverändert Johann Rupert, der Richemont 1988 gegründet hat und über die Compagnie Financière Rupert die Stimmenmehrheit sichert.

Die Zersplitterung 1964 bis 1979

Der interessanteste Teil der Cartier-Geschichte ist der, den die Marke selbst selten erzählt. Louis-François Cartier gründete das Geschäft 1847 in Paris, 1874 übernahm sein Sohn Alfred. International bekannt wurde der Name erst durch Alfreds Söhne Louis, Pierre und Jacques: Louis führte das Pariser Haus und zog 1899 an die Rue de la Paix, Jacques baute das Londoner Geschäft auf, Pierre eröffnete 1909 die New Yorker Niederlassung und bezog 1917 das Haus an der 653 Fifth Avenue. 1904 stellte Edward VII. dem Haus einen königlichen Hoflieferantenbrief aus.

Nach Pierres Tod 1964 verkauften die Erben – Jean-Jacques Cartier, Claude Cartier und Marion Cartier Claudel – ihre Gesellschaften. Cartier existierte danach mehrere Jahre als drei voneinander getrennte Unternehmen in Paris, London und New York. 1972 kaufte Robert Hocq mit einer Investorengruppe um Joseph Kanoui Cartier Paris, 1974 folgte Cartier London, 1976 Cartier New York. Erst 1979 wurden die Interessen unter dem Dach „Cartier Monde“ wieder zusammengeführt. In diese Phase fällt auch die Diffusionslinie „Les Must de Cartier“, deren Geschäft Alain Dominique Perrin ab 1976 verantwortete.

Was Cartier heute herstellt

Richemont führt für Cartier sechs Produktbereiche auf: High Jewellery, Schmuck, Uhrmacherei, Düfte, Lederwaren und Accessoires. Als wiedererkennbare Klassiker nennt der Konzern die Uhrenlinien Santos de Cartier und Tank, den Trinity-Ring, das Armband Juste un Clou sowie Panthère de Cartier und Ballon Bleu.

  • Santos – geht auf das Jahr 1904 zurück, als sich der Flugpionier Alberto Santos-Dumont bei Louis Cartier über die Unhandlichkeit von Taschenuhren beim Fliegen beklagte.
  • Tank – 1919 eingeführt, inspiriert von den damals neuen Panzern an der Westfront.
  • Love – das Armband entstand 1969.
  • Ballon Bleu – 2007 eingeführt.

Der Sitz der Maison ist Paris geblieben. Die Konzernmutter sitzt in Bellevue bei Genf; von dort steuert Richemont nach eigenen Angaben mehr als 150 Standorte mit über 40.000 Beschäftigten.

Häufige Fragen

Wem gehört Cartier?

Cartier gehört zu 100 Prozent der Compagnie Financière Richemont SA mit Sitz in Bellevue bei Genf. Richemont führt Cartier als eigene Maison im Geschäftsbereich Jewellery Maisons. Die Marke ist selbst nicht börsennotiert.

Hält Richemont nur 51 Prozent an Cartier?

Nein. Diese Angabe verwechselt zwei Ebenen. Richemont hält Cartier vollständig. Die viel zitierte Minderheitsquote betrifft die Konzernmutter selbst: Dort hält die Compagnie Financière Rupert 9,1 Prozent des Kapitals und 50 Prozent der Stimmrechte.

Seit wann gehört Cartier zu Richemont?

Vollständig seit 1998. Cartier kam 1988 mit der Abspaltung der internationalen Rembrandt-Beteiligungen in den Einflussbereich des neu gegründeten Konzerns, 1993 in die börsennotierte Vendôme Luxury Group. 1998 kaufte Richemont deren Minderheitsaktionäre heraus.

Wie hoch ist der Umsatz von Cartier?

Richemont veröffentlicht dazu keine Zahl. Cartier steckt in der Sparte Jewellery Maisons, die im Geschäftsjahr 2025/26 insgesamt 16,54 Milliarden Euro erlöste. Wie viel davon auf Cartier entfällt, ist nicht offengelegt.

Wer ist der Chef von Cartier?

Louis Ferla. Richemont führt ihn als President & CEO der Maison und im Geschäftsbericht 2026 als Chief Executive Officer von Cartier. Über ihm stehen Group-CEO Nicolas Bos und Verwaltungsratspräsident Johann Rupert.

Ist Cartier an der Börse notiert?

Nein. Handelbar ist ausschließlich die A-Aktie der Muttergesellschaft Richemont an der SIX Swiss Exchange, mit einer Zweitkotierung in Johannesburg. Eine Cartier-Aktie gibt es nicht.

Quellen