Kurz beantwortet
Gucci gehört dem französischen Luxuskonzern Kering SA. Kering übernahm die Marke schrittweise zwischen 1999 und 2004 und hält seither praktisch alle Anteile. Größter Einzelaktionär von Kering wiederum ist die Groupe Artémis, die Familienholding der Familie Pinault. Gucci selbst ist damit nicht mehr börsennotiert und kein Familienunternehmen der Guccis.
Das Wichtigste in Kürze
- Gucci wurde 1921 von Guccio Gucci in Florenz gegründet.
- Eigentümer ist die Kering SA mit Sitz in Paris; die Übernahme wurde 2004 mit rund 99,4 Prozent der Anteile abgeschlossen.
- Größter Aktionär von Kering ist die Groupe Artémis der Familie Pinault mit 42,23 Prozent des Kapitals (Stand 2024).
- François-Henri Pinault ist Verwaltungsratsvorsitzender von Kering, seit September 2025 ist Luca de Meo Konzernchef.
- Künstlerischer Leiter von Gucci ist seit Juli 2025 Demna, zuvor zehn Jahre lang Kreativdirektor von Balenciaga.
- Kering erzielte 2025 einen Konzernumsatz von 14,67 Milliarden Euro.
- Im Oktober 2025 vereinbarten Kering und L’Oréal eine Beauty-Allianz; die übernommenen Marken werden seit April 2026 bei L’Oréal konsolidiert.
- Am 7. Juli 2026 gab L’Oréal eine exklusive weltweite Beauty-Lizenz für Gucci über 50 Jahre bekannt, wirksam ab 1. Juli 2027.
- Die bisherige Gucci-Duftlizenz lag bei Coty; sie endet vorzeitig am 30. Juni 2027.
Die Eigentumskette: Gucci, Kering, Artémis
Wer wissen will, wem Gucci gehört, muss drei Stufen betrachten. Die erste ist die Marke selbst: Gucci ist eine Tochtergesellschaft der Kering SA und wird im Konzern dem Segment für Mode und Lederwaren zugerechnet. Eine eigene Börsennotierung hat Gucci seit dem Abschluss der Übernahme nicht mehr.
Die zweite Stufe ist Kering. Der Konzern ist an der Euronext Paris notiert und gehört damit rechnerisch seinen Aktionären. Zum Portfolio zählen neben Gucci unter anderem Saint Laurent, Bottega Veneta, Balenciaga, Alexander McQueen, Boucheron, Pomellato, Qeelin sowie Kering Eyewear.
Die dritte Stufe ist die Groupe Artémis, die Beteiligungsholding der Familie Pinault. Sie hält nach den zuletzt öffentlich dokumentierten Angaben 42,23 Prozent des Kering-Kapitals; der Streubesitz lag bei 56,89 Prozent (Stand 2024). Zur Höhe der Stimmrechte, die wegen Mehrstimmrechten von der Kapitalquote abweichen kann, machen die für diesen Artikel geprüften Quellen keine belastbare Angabe — die verbindliche Zahl steht in den Governance-Unterlagen von Kering.
Wie Kering die Kontrolle über Gucci erlangte
Die Familie Gucci verlor die Kontrolle über das Unternehmen bereits in den 1980er- und 1990er-Jahren. Der Einstieg von Kering — damals noch unter dem Namen PPR — erfolgte 1999 und endete fünf Jahre später mit der praktisch vollständigen Übernahme.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1921 | Guccio Gucci gründet das Unternehmen in Florenz. |
| 1999 | PPR (heute Kering) steigt bei der börsennotierten Gucci Group ein. |
| 2004 | Übernahme abgeschlossen, Kering hält rund 99,4 Prozent; Gucci verlässt die Börse. |
| 2013 | PPR benennt sich in Kering um. |
| 2025 | Luca de Meo wird im September Konzernchef von Kering. |
Wichtig für das Verständnis: Kering kaufte nicht ein Familienunternehmen, sondern eine bereits börsennotierte Gesellschaft. Die dramatische Familiengeschichte der Guccis, die 2021 den Kinofilm „House of Gucci“ inspirierte, war zum Zeitpunkt des Einstiegs längst Geschichte.
Wer Kering und Gucci 2026 führt
An der Spitze von Kering steht als Verwaltungsratsvorsitzender François-Henri Pinault, der Sohn des Firmengründers François Pinault. Die operative Führung liegt seit September 2025 bei Luca de Meo, der zuvor von Juli 2020 bis Juni 2025 Vorstandsvorsitzender der Renault Group war. Sein erklärtes Ziel ist es, die Abhängigkeit des Konzerns von der Ertragskraft einer einzigen Marke — Gucci — zu verringern. Der Verkauf der Beauty-Sparte an L’Oréal war eine seiner ersten großen Entscheidungen.
Beim Posten des Gucci-CEO ist die Quellenlage uneinheitlich. Stefano Cantino übernahm ihn im Oktober 2024. Ob er ihn im August 2026 noch innehat, lässt sich anhand der frei zugänglichen Quellen nicht zweifelsfrei klären: Sie widersprechen sich an dieser Stelle. Wir nennen deshalb keinen Namen als gesichert — maßgeblich ist die Governance-Seite von Kering.
Eindeutig belegt ist dagegen die kreative Leitung. Sie wurde seit 2022 zweimal neu besetzt.
| Zeitraum | Kreativdirektion Gucci |
|---|---|
| 2015–2022 | Alessandro Michele |
| 2023 – Februar 2025 | Sabato De Sarno |
| seit Juli 2025 | Demna (Demna Gvasalia), Ankündigung am 13. März 2025 |
Demna war zuvor zehn Jahre lang Kreativdirektor von Balenciaga, ebenfalls einer Kering-Marke. Seine erste Gucci-Kampagne trug den Titel „La Famiglia“ und erschien Anfang 2026.
Der Wechsel im Duft- und Beauty-Geschäft: von Coty zu L’Oréal
Das ist die wichtigste Veränderung rund um Gucci in den vergangenen Monaten — und sie betrifft ausgerechnet das Geschäft, mit dem die meisten Menschen die Marke im Alltag berühren: Parfum und Kosmetik.
Luxusmarken produzieren ihre Düfte in aller Regel nicht selbst, sondern vergeben Lizenzen. Die Gucci-Beauty-Lizenz hielt seit 2016 der US-Konzern Coty. Am 19. Oktober 2025 kündigten Kering und L’Oréal eine umfassende Allianz an, in deren Rahmen L’Oréal die Sparte Kering Beauté übernahm. Die Marken Creed, Bottega Veneta und Balenciaga werden seit Anfang April 2026 in den Abschlüssen von L’Oréal konsolidiert.
Der Gucci-Teil folgte später und getrennt. Am 7. Juli 2026 gab L’Oréal eine exklusive weltweite Beauty-Lizenz für die Marke Gucci mit einer Laufzeit von 50 Jahren bekannt. Sie umfasst Kreation, Entwicklung und Vertrieb von Düften und Kosmetik und wird zum 1. Juli 2027 wirksam, vorbehaltlich der behördlichen Freigaben. Bis dahin arbeiten Kering und L’Oréal an einem geordneten Übergang.
Am selben Tag teilte Coty mit, sich mit Kering auf einen vorzeitigen Übergang der Gucci-Beauty-Lizenz geeinigt zu haben. Die Lizenz endet demnach am 30. Juni 2027 und damit rund ein Jahr früher als ursprünglich vorgesehen. Coty erhält dafür eine Gegenleistung von insgesamt etwa 400 Millionen US-Dollar: 250 Millionen bei Vertragsunterzeichnung, weitere 150 Millionen bis zum 30. September 2027, davon bis zu 30 Millionen an Bedingungen geknüpft. Zusätzlich verkauft Coty Warenbestände zur Unterstützung des Übergangs. Anhängige Rechtsstreitigkeiten rund um die Lizenz wurden mit der Einigung beigelegt.
| Datum | Schritt |
|---|---|
| 2016 | Coty erwirbt die Gucci-Beauty-Lizenz. |
| 19. Oktober 2025 | Kering und L’Oréal kündigen ihre Beauty-Allianz an. |
| April 2026 | Creed, Bottega Veneta und Balenciaga werden bei L’Oréal konsolidiert. |
| 7. Juli 2026 | L’Oréal meldet die 50-Jahres-Lizenz für Gucci; Coty meldet den vorzeitigen Ausstieg. |
| 30. Juni 2027 | Coty-Lizenz endet. |
| 1. Juli 2027 | L’Oréal-Lizenz wird wirksam (vorbehaltlich Freigaben). |
Für Käuferinnen und Käufer heißt das: Bis Mitte 2027 stammen Gucci-Düfte weiterhin aus der Produktion und dem Vertrieb von Coty. Erst danach verantwortet L’Oréal Luxe das Sortiment. An der Markeninhaberschaft ändert das nichts — die Marke Gucci bleibt bei Kering, vergeben wird lediglich das Nutzungsrecht für Beauty-Produkte.
Was Gucci wirtschaftlich für Kering bedeutet
Gucci ist seit Jahren die mit Abstand umsatzstärkste Marke des Konzerns — und genau darin liegt das Problem, das de Meo adressieren soll. Läuft es bei Gucci schlecht, spürt es der gesamte Konzern.
| Jahr | Umsatz Gucci | Umsatz Kering (Konzern) |
|---|---|---|
| 2023 | 9,87 Mrd. Euro | keine geprüfte Angabe |
| 2024 | 7,65 Mrd. Euro | keine geprüfte Angabe |
| 2025 | keine geprüfte Angabe | 14,67 Mrd. Euro |
Der Rückgang von 9,87 auf 7,65 Milliarden Euro zwischen 2023 und 2024 entspricht einem Minus von gut 22 Prozent. Er war der Auslöser für die Wechsel an der Spitze der Marke. Eine separat ausgewiesene Gucci-Umsatzzahl für 2025 haben wir in den geprüften Quellen nicht gefunden; sie steht im Geschäftsbericht von Kering. Zum Filialnetz ist für 2024 eine Zahl von 529 Gucci-Geschäften weltweit dokumentiert; Kering insgesamt kam 2025 auf 1.719 Läden und 43.731 Beschäftigte.
Gucci im Vergleich zu anderen Luxuskonzernen
Gucci ist eine Marke innerhalb eines Konzerns — anders als etwa Chanel oder Hermès, die eigenständig geführt werden. Das ist in der Branche der Normalfall: Auch Dior ist keine eigenständige Gesellschaft, sondern Teil eines größeren Verbunds. Wer nach dem Eigentümer einer Luxusmarke fragt, landet deshalb fast immer bei einer Holding und dahinter bei einer Familie.
Bei Kering ist diese Familie die Familie Pinault, bei Gucci führt der Weg also von der Marke über die Kering SA zur Groupe Artémis. Dass ein einzelner Aktionär mit gut 42 Prozent des Kapitals faktisch die Kontrolle ausübt, ist bei europäischen Luxuskonzernen ebenfalls üblich und einer der Gründe, warum sie langfristiger planen können als reine Publikumsgesellschaften.
Häufige Fragen
Wem gehört Gucci heute?
Gucci gehört der Kering SA, einem börsennotierten französischen Luxuskonzern mit Sitz in Paris. Kering schloss die Übernahme 2004 mit rund 99,4 Prozent der Anteile ab. Größter Aktionär von Kering ist die Groupe Artémis der Familie Pinault mit 42,23 Prozent des Kapitals (Stand 2024).
Gehört Gucci noch der Familie Gucci?
Nein. Die Familie Gucci hat keine Beteiligung mehr am Unternehmen. Die Kontrolle ging bereits in den 1980er- und 1990er-Jahren verloren, lange bevor Kering 1999 einstieg. Der Familienname lebt nur noch in der Marke weiter.
Wer stellt Gucci-Parfums her?
Bis zum 30. Juni 2027 der US-Konzern Coty, der die Lizenz 2016 erworben hat. Ab dem 1. Juli 2027 übernimmt L’Oréal auf Grundlage einer am 7. Juli 2026 bekannt gegebenen exklusiven Beauty-Lizenz mit 50 Jahren Laufzeit, vorbehaltlich behördlicher Freigaben.
Wer ist Kreativdirektor von Gucci?
Seit Juli 2025 leitet Demna die Kreation. Kering gab die Personalie am 13. März 2025 bekannt. Vorgänger waren Sabato De Sarno (2023 bis Februar 2025) und Alessandro Michele (2015 bis 2022).
Welche Marken gehören außer Gucci noch zu Kering?
Unter anderem Saint Laurent, Bottega Veneta, Balenciaga, Alexander McQueen, Boucheron, Pomellato und Qeelin sowie die Beteiligung Kering Eyewear. Die Beauty-Sparte Kering Beauté mit der Marke Creed ging 2026 an L’Oréal.
Ist Gucci an der Börse handelbar?
Nein. Eine eigene Gucci-Aktie gibt es seit dem Abschluss der Übernahme 2004 nicht mehr. Wer indirekt in Gucci investieren möchte, kauft Aktien der Kering SA, die an der Euronext Paris notiert sind.
Quellen
- L’Oréal: „L’Oréal enters a 50-year exclusive worldwide beauty licence with Kering for the Gucci brand“, Pressemitteilung vom 7. Juli 2026
- L’Oréal: Halbjahresergebnis 2026, Pressemitteilung vom 29. Juli 2026 (Konsolidierung von Creed, Bottega Veneta und Balenciaga seit April 2026)
- Coty: „Coty announces agreement with Kering for early transition of Gucci Beauty license“, Pressemitteilung vom 7. Juli 2026
- Wikipedia (englisch): Kering — Eigentümerstruktur, Konzernumsatz 2025, Markenportfolio
- Wikipedia (englisch): Gucci — Gründung, Umsatzzahlen 2023 und 2024, Filialzahl, Wechsel in der Kreativdirektion
- Wikipedia (englisch): Luca de Meo — Amtsantritt als Kering-CEO im September 2025
- Wikipedia (englisch): Demna Gvasalia — Berufung zu Gucci am 13. März 2025, Kampagne „La Famiglia“