Kurz beantwortet
Philip Seymour Hoffman (23. Juli 1967 bis 2. Februar 2014) war ein US-amerikanischer Film- und Theaterschauspieler. Für die Titelrolle in „Capote“ erhielt er bei der Oscarverleihung am 5. März 2006 den Preis als bester Hauptdarsteller. Dreimal war er zusätzlich als bester Nebendarsteller nominiert, dreimal für einen Tony Award. Er starb mit 46 Jahren in New York.
Das Wichtigste in Kürze
- Geboren am 23. Juli 1967 in Fairport im Bundesstaat New York, einem Vorort von Rochester.
- Zur Schauspielerei kam er in der Highschool, nachdem eine Ringerverletzung seine sportlichen Pläne beendet hatte.
- Ausbildung: Sommerkurs an der Circle in the Square Theater School, danach Abschluss an der Tisch School of the Arts der New York University.
- Oscar als bester Hauptdarsteller für „Capote“ – verliehen bei der 78. Academy-Awards-Zeremonie am 5. März 2006 für den Kinojahrgang 2005.
- Drei weitere Oscar-Nominierungen als bester Nebendarsteller: „Der Krieg des Charlie Wilson“ (2008), „Glaubensfrage“ (2009) und „The Master“ (2013).
- Drei Tony-Nominierungen für „True West“ (2000), „Long Day’s Journey into Night“ (2003) und „Death of a Salesman“ (2012) – gewonnen hat er keine.
- Als Regisseur arbeitete er vor allem Off-Broadway für die LAByrinth Theater Company; sein Kino-Regiedebüt war „Jack in Love“ (2010).
- Er starb am 2. Februar 2014 in New York im Alter von 46 Jahren; die Polizei sprach noch am selben Tag von einer mutmaßlichen Überdosis.
Herkunft, Ausbildung und erste Rollen
Philip Seymour Hoffman wurde am 23. Juli 1967 in Fairport geboren, einem Vorort von Rochester im Bundesstaat New York. Seine Mutter Marilyn arbeitete als Familienrichterin, sein Vater Gordon war bei der Xerox Corporation beschäftigt; die Eltern trennten sich, als Hoffman noch ein Kind war. In seiner Dankesrede bei der Oscarverleihung 2006 hob er hervor, dass seine Mutter ihn und seine drei Geschwister allein großgezogen und ihn zu seinem ersten Theaterstück mitgenommen hatte.
Zum Schauspiel kam er in der Highschool, nachdem eine Verletzung beim Ringen seine sportlichen Ambitionen beendet hatte. 1984, im Abschlussjahr, spielte er in einer Schulaufführung den Willy Loman aus Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ – dieselbe Rolle, mit der er 28 Jahre später am Broadway stehen sollte. Nach der Schule besuchte er einen Sommerkurs an der Circle in the Square Theater School in Manhattan und schloss anschließend die Tisch School of the Arts der New York University ab.
Seine ersten Kinoauftritte hatte er Anfang der 1990er Jahre in kleinen Nebenrollen. In „Der Duft der Frauen“ (1992) spielte er George Willis, einen Internatsschüler und Mitschüler der Figur von Chris O’Donnell.

Der Durchbruch im Independentkino
Bekannt wurde Hoffman als Charakterdarsteller in Nebenrollen. In Paul Thomas Andersons „Boogie Nights“ (1997) spielte er den Scotty J., in „The Big Lebowski“ (1998) der Coen-Brüder den unterwürfigen Assistenten Brandt. Es folgten Phil Parma in „Magnolia“ (1999), Freddie Miles in „Der talentierte Mr. Ripley“ (1999) und der Rockkritiker Lester Bangs in „Almost Famous – Fast berühmt“ (2000).
Die New York Times zählte in ihrem Nachruf mehr als 50 Filme in einer Karriere von weniger als 25 Jahren. Anders als gelegentlich behauptet sind es also nicht mehrere hundert Titel.
Der Oscar für „Capote“
In Bennett Millers „Capote“ (2005) verkörperte Hoffman den Schriftsteller Truman Capote während der Arbeit an dessen Tatsachenroman „Kaltblütig“. Bei der 78. Oscarverleihung am 5. März 2006 im Kodak Theatre setzte er sich in der Kategorie bester Hauptdarsteller gegen Terrence Howard, Heath Ledger, Joaquin Phoenix und David Strathairn durch. Der Film war in jenem Jahr außerdem als bester Film und für die Regie (Bennett Miller) nominiert; Catherine Keener war als beste Nebendarstellerin nominiert.
| Verleihung | Kategorie | Film | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 78. Academy Awards, 5. März 2006 | Bester Hauptdarsteller | Capote | Auszeichnung |
| 80. Academy Awards, 24. Februar 2008 | Bester Nebendarsteller | Der Krieg des Charlie Wilson | Nominierung |
| 81. Academy Awards, 22. Februar 2009 | Bester Nebendarsteller | Glaubensfrage (Doubt) | Nominierung |
| 85. Academy Awards, 24. Februar 2013 | Bester Nebendarsteller | The Master | Nominierung |
Große Rollen nach dem Oscar
Nach „Capote“ wechselte Hoffman weiter zwischen Studioproduktion und Autorenkino. 2006 war er in „Mission: Impossible 3“ der Gegenspieler Owen Davian, 2007 in „Der Krieg des Charlie Wilson“ der CIA-Mann Gust Avrakotos und in „Die Geschwister Savage“ Jon Savage, der sich gemeinsam mit seiner Schwester (Laura Linney) um den pflegebedürftigen Vater kümmert. 2008 spielte er in „Glaubensfrage“ den unter Verdacht geratenen Priester Brendan Flynn an der Seite von Meryl Streep.
Es folgten Art Howe in „Die Kunst zu gewinnen – Moneyball“ (2011), der Wahlkampfleiter Paul Zara in „The Ides of March – Tage des Verrats“ (2011) und der Sektenführer Lancaster Dodd in „The Master“ (2012). Zu seinen letzten abgedrehten Arbeiten zählt die Rolle des Günther Bachmann in „A Most Wanted Man“, der im Januar 2014 – wenige Tage vor Hoffmans Tod – beim Sundance Film Festival Premiere hatte.
„Die Tribute von Panem“: Plutarch Heavensbee
In der Verfilmungsreihe „Die Tribute von Panem“ spielte Hoffman den Spielmacher Plutarch Heavensbee. Er wirkte in drei der vier Filme mit: „Catching Fire“ (2013), „Mockingjay: Teil 1“ (2014) und „Mockingjay: Teil 2“ (2015). Am ersten Film der Reihe aus dem Jahr 2012 war er nicht beteiligt.
Zum Zeitpunkt seines Todes waren die Dreharbeiten zu „Mockingjay: Teil 1“ nach Angaben der New York Times weitgehend abgeschlossen; für „Teil 2“ standen noch sieben Drehtage aus. Der Film kam im November 2015 und damit posthum in die Kinos. In „Mission: Impossible – The Final Reckoning“ (2025) ist Hoffman nach Angaben der Deutschen Synchronkartei erneut als Owen Davian zu sehen – in Archivaufnahmen aus dem dritten Teil.
Theater: LAByrinth Theater Company und Broadway
Hoffman gehörte über Jahre zur New Yorker LAByrinth Theater Company und war zeitweise deren künstlerischer Leiter. Als Regisseur brachte er dort gemeinsam mit dem Autor Stephen Adly Guirgis mehrere Off-Broadway-Produktionen heraus, darunter „Jesus Hopped the A Train“, „Our Lady of 121st Street“ und „The Last Days of Judas Iscariot“.
Am Broadway stand er dreimal in Stücken, für die er jeweils für einen Tony Award nominiert wurde. Gewonnen hat er den Preis nicht.
| Jahr | Kategorie | Produktion | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 2000 | Best Performance by an Actor in a Leading Role in a Play | True West | Nominierung |
| 2003 | Best Performance by an Actor in a Featured Role in a Play | Long Day’s Journey into Night | Nominierung |
| 2012 | Best Performance by an Actor in a Leading Role in a Play | Death of a Salesman | Nominierung |
In „True West“ von Sam Shepard teilte er sich 2000 mit John C. Reilly beide Hauptrollen: In der Inszenierung von Matthew Warchus tauschten die beiden Darsteller die Parts von Vorstellung zu Vorstellung. 2003 spielte er James Tyrone junior in Eugene O’Neills „Long Day’s Journey into Night“, 2012 den Willy Loman in „Death of a Salesman“. Die Titelrolle in Robert Glaudinis Stück „Jack Goes Boating“ übernahm er zunächst am LAByrinth Theater; die Kinofassung von 2010, in Deutschland unter dem Titel „Jack in Love“ gestartet, war sein Regiedebüt.
Suchterkrankung und Tod im Februar 2014
Hoffman hat sich zu seiner Suchterkrankung selbst geäußert. In einem Interview für die Sendung „60 Minutes“ sagte er 2006, er habe Drogen und Alkohol mit 22 Jahren aufgegeben. 2013 begab er sich nach einem Rückfall für rund zehn Tage in eine Entzugsbehandlung; vorausgegangen war nach Darstellung der New York Times eine Abhängigkeit von verschreibungspflichtigen Medikamenten.
Am 2. Februar 2014 wurde er in New York tot aufgefunden. Er wurde 46 Jahre alt. Die Polizei bestätigte am selben Tag eine mutmaßliche Überdosis als Todesursache. Hoffman hinterließ seine langjährige Partnerin, die Kostümbildnerin Mimi O’Donnell, und drei gemeinsame Kinder.

Filmografie in Auswahl
| Jahr | Deutscher Titel | Rolle |
|---|---|---|
| 1992 | Der Duft der Frauen | George Willis |
| 1997 | Boogie Nights | Scotty J. |
| 1998 | The Big Lebowski | Brandt |
| 1999 | Magnolia | Phil Parma |
| 1999 | Der talentierte Mr. Ripley | Freddie Miles |
| 2000 | Almost Famous – Fast berühmt | Lester Bangs |
| 2002 | Roter Drache | Freddy Lounds |
| 2003 | Unterwegs nach Cold Mountain | Reverend Veasey |
| 2005 | Capote | Truman Capote |
| 2006 | Mission: Impossible 3 | Owen Davian |
| 2007 | Der Krieg des Charlie Wilson | Gust Avrakotos |
| 2007 | Die Geschwister Savage | Jon Savage |
| 2008 | Glaubensfrage | Vater Brendan Flynn |
| 2011 | Die Kunst zu gewinnen – Moneyball | Art Howe |
| 2012 | The Master | Lancaster Dodd |
| 2013 | Die Tribute von Panem – Catching Fire | Plutarch Heavensbee |
| 2014 | A Most Wanted Man | Günther Bachmann |
| 2015 | Die Tribute von Panem – Mockingjay: Teil 2 | Plutarch Heavensbee |
Das folgende Video stammt vom offiziellen YouTube-Kanal der Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Es trägt den Titel „Sean Penn Wins Best Actor: 2004 Oscars“ und dokumentiert die Bekanntgabe des Hauptdarsteller-Oscars bei der Verleihung 2004 – zwei Jahre vor Hoffmans eigenem Sieg in derselben Kategorie.
Häufige Fragen
Wofür bekam Philip Seymour Hoffman den Oscar?
Für die Titelrolle in „Capote“. Der Film lief 2005 an, die Auszeichnung als bester Hauptdarsteller wurde bei der 78. Oscarverleihung am 5. März 2006 vergeben. Beide Jahreszahlen sind also richtig – sie bezeichnen nur Verschiedenes.
Wie viele Oscar-Nominierungen hatte er insgesamt?
Vier. Neben dem Sieg für „Capote“ war er dreimal als bester Nebendarsteller nominiert: 2008 für „Der Krieg des Charlie Wilson“, 2009 für „Glaubensfrage“ und 2013 für „The Master“.
Hat Philip Seymour Hoffman einen Tony Award gewonnen?
Nein. Er war dreimal nominiert – 2000 für „True West“, 2003 für „Long Day’s Journey into Night“ und 2012 für „Death of a Salesman“ –, gewonnen hat er den Preis nicht.
War „Mockingjay: Teil 2“ seine letzte Rolle?
Es war der letzte Film, der mit ihm in die Kinos kam. Fertig gedreht hatte er ihn nicht: Zum Zeitpunkt seines Todes standen laut New York Times noch sieben Drehtage aus. Vollständig abgedreht waren dagegen „A Most Wanted Man“ und „Leben und sterben in God’s Pocket“, die beide 2014 erschienen.
Hat er auch Regie geführt?
Ja, vor allem am Theater. Für die LAByrinth Theater Company inszenierte er mehrere Off-Broadway-Stücke von Stephen Adly Guirgis. Sein einziger Kinofilm als Regisseur war „Jack in Love“ (Originaltitel „Jack Goes Boating“) aus dem Jahr 2010, in dem er auch die Titelrolle spielte.
Quellen
- Academy of Motion Picture Arts and Sciences: The 78th Academy Awards, 2006 (Archivfassung)
- The New York Times: „Philip Seymour Hoffman, Actor of Depth, Dies at 46“ von Bruce Weber, 2. Februar 2014 (Archivfassung)
- Deutsche Synchronkartei: Philip Seymour Hoffman – Rollen und deutsche Filmtitel
- BroadwayWorld Tony Awards Database: Nominierungen für Philip Seymour Hoffman
- Academy of Motion Picture Arts and Sciences: The 85th Academy Awards, 2013