
Kurz beantwortet
Laurence Olivier (22. Mai 1907 in Dorking, Surrey – 11. Juli 1989 in Steyning, West Sussex) war Bühnen- und Filmschauspieler, Regisseur und Theaterleiter. Seinen einzigen Darsteller-Oscar gewann er 1949 für „Hamlet“, bei dem er auch Regie führte. Hinzu kamen zwei Ehrenoscars (1947 und 1979) sowie elf Nominierungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Olivier wurde am 22. Mai 1907 in Dorking (Surrey) geboren und starb am 11. Juli 1989 in Steyning (West Sussex).
- Er studierte an der Central School of Speech Training and Dramatic Art in London und ging 1926 zur Birmingham Repertory Company.
- 1947 wurde er zum Knight Bachelor geschlagen, 1970 zum Life Peer erhoben – als Baron Olivier, of Brighton in the County of Sussex.
- Von 1963 bis 1973 war er Gründungsdirektor des britischen National Theatre.
- Er inszenierte drei Shakespeare-Verfilmungen, in denen er auch die Titelrolle spielte: „Heinrich V.“ (1944), „Hamlet“ (1948) und „Richard III.“ (1955).
- Sein Oscar als bester Hauptdarsteller kam 1949 für „Hamlet“; derselbe Film gewann auch als bester Film – die Statuette ging dabei an die Produktionsfirma J. Arthur Rank–Two Cities Films.
- Ehrenoscars erhielt er 1947 für „Heinrich V.“ und 1979 für sein Gesamtwerk.
- Die 1976 gegründeten Theaterpreise der Society of London Theatre wurden 1984 in Laurence Olivier Awards umbenannt.
Herkunft, Ausbildung und erste Bühnenjahre
Laurence Kerr Olivier kam am 22. Mai 1907 in Dorking in der Grafschaft Surrey zur Welt; sein Vater Gerard Kerr Olivier war anglikanischer Geistlicher. 1916 bestand er eine Aufnahmeprüfung für die Chorschule von All Saints, Margaret Street, in London. Dort spielte er 1922 die Katharina in „Der Widerspenstigen Zähmung“ – eine Frauenrolle, wie im Schultheater der Zeit üblich. Von 1921 bis 1924 besuchte er die St Edward’s School in Oxford.
1924 erhielt er ein Stipendium an der Central School of Speech Training and Dramatic Art und wurde dort von der Gründerin Elsie Fogerty unterrichtet. Sein erster Bühnenauftritt außerhalb der Schule fand im August 1925 im Brighton Hippodrome statt. 1926 ging er zur Birmingham Repertory Company. Den Durchbruch im Londoner West End brachte ihm im September 1930 die Rolle des Victor Prynne in Noël Cowards „Private Lives“ am Phoenix Theatre.
Ende 1936 schloss er sich der Truppe des Old Vic an. Von 1944 bis 1948 leitete er das Haus gemeinsam mit Ralph Richardson und John Burrell. Die im Umlauf befindliche Anekdote, ein Bühnensturz habe ihm den größten Applaus seines Lebens eingebracht, lässt sich nicht belegen und ist hier deshalb nicht wiedergegeben.
Filmografie in chronologischer Übersicht
Sein Filmdebüt gab Olivier 1930 in „The Temporary Widow“. Die folgende Auswahl führt seine wichtigsten Kinofilme auf und trennt dabei die Darstellerrollen von den Arbeiten, bei denen er zugleich Regie führte und produzierte.
| Jahr | Deutscher Titel | Originaltitel | Rolle bzw. Funktion | Regie |
|---|---|---|---|---|
| 1936 | Wie es euch gefällt | As You Like It | Orlando | Paul Czinner |
| 1937 | Feuer über England | Fire Over England | Michael Ingolby | William K. Howard |
| 1939 | Sturmhöhe | Wuthering Heights | Heathcliff | William Wyler |
| 1940 | Rebecca | Rebecca | Maxim de Winter | Alfred Hitchcock |
| 1940 | Stolz und Vorurteil | Pride and Prejudice | Mr. Darcy | Robert Z. Leonard |
| 1941 | Lord Nelsons letzte Liebe | That Hamilton Woman | Horatio Nelson | Alexander Korda |
| 1941 | – | 49th Parallel | Johnnie, der Trapper | Michael Powell |
| 1944 | Heinrich V. | Henry V | Regie, Produktion, Titelrolle | Laurence Olivier |
| 1948 | Hamlet | Hamlet | Regie, Produktion, Titelrolle | Laurence Olivier |
| 1952 | Carrie | Carrie | George Hurstwood | William Wyler |
| 1955 | Richard III. | Richard III | Regie, Produktion, Titelrolle | Laurence Olivier |
| 1957 | Der Prinz und die Tänzerin | The Prince and the Showgirl | Regie, Produktion, Rolle Großherzog Charles | Laurence Olivier |
| 1960 | Der Komödiant | The Entertainer | Archie Rice | Tony Richardson |
| 1960 | Spartacus | Spartacus | Marcus Licinius Crassus | Stanley Kubrick |
| 1962 | Spiel mit dem Schicksal | Term of Trial | Graham Weir | Peter Glenville |
| 1965 | Bunny Lake ist verschwunden | Bunny Lake Is Missing | Superintendent Newhouse | Otto Preminger |
| 1965 | Othello | Othello | Titelrolle | Stuart Burge |
| 1966 | Khartoum | Khartoum | Muhammad Ahmad, der Mahdi | Basil Dearden |
| 1968 | In den Schuhen des Fischers | The Shoes of the Fisherman | Pjotr Iljitsch Kamenew | Michael Anderson |
| 1969 | Luftschlacht um England | Battle of Britain | Air Chief Marshal Hugh Dowding | Guy Hamilton |
| 1971 | Nikolaus und Alexandra | Nicholas and Alexandra | Graf Sergei Witte | Franklin J. Schaffner |
| 1972 | Mord mit kleinen Fehlern | Sleuth | Andrew Wyke | Joseph L. Mankiewicz |
| 1976 | Der Marathon-Mann | Marathon Man | Dr. Christian Szell | John Schlesinger |
| 1977 | Die Brücke von Arnheim | A Bridge Too Far | Dr. Jan Spaander | Richard Attenborough |
| 1978 | The Boys from Brazil | The Boys from Brazil | Ezra Lieberman | Franklin J. Schaffner |
| 1981 | Kampf der Titanen | Clash of the Titans | Zeus | Desmond Davis |
| 1989 | War Requiem | War Requiem | Der alte Soldat | Derek Jarman |
Der deutsche Verleihtitel von „Marathon Man“ lautet „Der Marathon-Mann“. Olivier spielte darin den flüchtigen NS-Kriegsverbrecher und ehemaligen Lagerzahnarzt Christian Szell an der Seite von Dustin Hoffman; die Vorlage stammte von William Goldman.
Die drei Shakespeare-Verfilmungen
Bei „Heinrich V.“ (1944), „Hamlet“ (1948) und „Richard III.“ (1955) war Olivier Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller in einer Person. „Heinrich V.“ brachte ihm 1947 einen Ehrenpreis der Academy und eine Nominierung als bester Hauptdarsteller ein; der Film selbst war als bester Film nominiert, wobei die Nominierung nach damaliger Praxis auf die Produktionsfirma J. Arthur Rank–Two Cities Films lief.
„Hamlet“ war sein größter Erfolg bei den Academy Awards: Bei der 21. Oscarverleihung 1949 gewann Olivier den Preis als bester Hauptdarsteller, der Film gewann als bester Film, und in der Kategorie Regie blieb es bei einer Nominierung – den Regie-Oscar erhielt John Huston für „Der Schatz der Sierra Madre“. Für „Richard III.“ folgte 1957 eine weitere Nominierung als bester Hauptdarsteller.
Oscars und Nominierungen im Einzelnen
Die Zahl seiner Oscar-Auszeichnungen wird häufig unsauber wiedergegeben. Persönlich erhielt Olivier einen Wettbewerbs-Oscar (bester Hauptdarsteller für „Hamlet“) und zwei Ehrenoscars. Der vierte Oscar, der ihm oft zugerechnet wird, ist der Preis für den besten Film 1949, der an die Produktionsfirma ging. Auf seinen Namen liefen elf Nominierungen.
| Jahr der Verleihung | Kategorie | Film | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 1940 | Bester Hauptdarsteller | Sturmhöhe | nominiert |
| 1941 | Bester Hauptdarsteller | Rebecca | nominiert |
| 1947 | Ehrenpreis (Special Award) | Heinrich V. | gewonnen |
| 1947 | Bester Hauptdarsteller | Heinrich V. | nominiert |
| 1949 | Bester Hauptdarsteller | Hamlet | gewonnen |
| 1949 | Beste Regie | Hamlet | nominiert |
| 1957 | Bester Hauptdarsteller | Richard III. | nominiert |
| 1961 | Bester Hauptdarsteller | Der Komödiant | nominiert |
| 1966 | Bester Hauptdarsteller | Othello | nominiert |
| 1973 | Bester Hauptdarsteller | Mord mit kleinen Fehlern | nominiert |
| 1977 | Bester Nebendarsteller | Der Marathon-Mann | nominiert |
| 1979 | Ehrenoscar | Gesamtwerk | gewonnen |
| 1979 | Bester Hauptdarsteller | The Boys from Brazil | nominiert |
National Theatre, Adelstitel und die Olivier Awards
Von 1963 bis 1973 leitete Olivier als erster Direktor das neu gegründete britische National Theatre und baute dort ein festes Ensemble auf. 1947 wurde er zum Knight Bachelor geschlagen und führte fortan den Titel „Sir“. 1970 folgte die Erhebung zum Life Peer; die Verleihung als Baron Olivier, of Brighton in the County of Sussex datiert auf den 5. März 1971. Damit gehörte er dem House of Lords an.
Die Society of London Theatre richtete 1976 Theaterpreise unter dem Namen Society of West End Theatre Awards ein. 1984 wurden sie ihm zu Ehren in Laurence Olivier Awards umbenannt. Sie werden bis heute jährlich für Produktionen im Londoner West End vergeben.

Ehen und Privatleben
Olivier war dreimal verheiratet. Die Schauspielerin Jill Esmond heiratete er am 25. Juli 1930; die Scheidung erfolgte im Januar 1940. Aus der Ehe ging ein Sohn hervor.
Im August 1940 heiratete er in Santa Barbara, Kalifornien, die Schauspielerin Vivien Leigh. Die Ehe wurde im Dezember 1960 geschieden. Leighs Erkrankung ist kein Gerücht, sondern von Olivier selbst öffentlich beschrieben worden: In seinen Lebenserinnerungen hielt er fest, dass Ärzte ihm ihre Krankheit als manisch-depressive Erkrankung erklärten – heute als bipolare Störung bezeichnet. Eine Krise während der Dreharbeiten zu „Elephant Walk“ im Jahr 1953 wurde damals öffentlich.
Im März 1961 heiratete Olivier die Schauspielerin Joan Plowright. Diese Ehe bestand bis zu seinem Tod. Im Zweiten Weltkrieg absolvierte er eine Flugausbildung von annähernd 250 Stunden und diente beim Fleet Air Arm der Royal Navy; daneben wirkte er an Propagandafilmen wie „49th Parallel“ und „The Demi-Paradise“ mit.
Späte Jahre und Nachwirkung
In den 1970er und 1980er Jahren arbeitete Olivier trotz gesundheitlicher Einschränkungen weiter, zunehmend in Fernsehproduktionen wie „Wiedersehen mit Brideshead“ (1981) und „King Lear“ (1983). Sein letzter Kinoauftritt war die stumme Rolle des alten Soldaten in Derek Jarmans „War Requiem“ (1989).
Laurence Olivier starb am 11. Juli 1989 im Alter von 82 Jahren in Steyning, West Sussex. 2004 wurde Archivmaterial von ihm im Science-Fiction-Film „Sky Captain and the World of Tomorrow“ digital weiterverwendet.
Häufige Fragen
Wie viele Oscars gewann Laurence Olivier wirklich?
Persönlich erhielt er drei: den Darsteller-Oscar für „Hamlet“ 1949 sowie Ehrenoscars 1947 und 1979. Der oft mitgezählte vierte ist der Oscar für den besten Film 1949, den nach damaliger Praxis die Produktionsfirma J. Arthur Rank–Two Cities Films erhielt.
Wie oft war Olivier für einen Oscar nominiert?
Auf seinen Namen liefen elf Nominierungen: neun als bester Hauptdarsteller, eine als bester Nebendarsteller für „Der Marathon-Mann“ und eine für die Regie von „Hamlet“. Die beiden Ehrenoscars zählen nicht als Nominierungen.
Wann wurde Laurence Olivier geadelt?
Zum Knight Bachelor wurde er 1947 geschlagen. Die Erhebung zum Life Peer erfolgte 1970, die Verleihung als Baron Olivier, of Brighton in the County of Sussex, am 5. März 1971.
Wie lange leitete er das National Theatre?
Olivier war von 1963 bis 1973 erster Direktor des britischen National Theatre. Zuvor hatte er von 1944 bis 1948 gemeinsam mit Ralph Richardson und John Burrell das Old Vic geleitet.
Wie heißt „Marathon Man“ auf Deutsch?
Der deutsche Verleihtitel lautet „Der Marathon-Mann“. Der Film von John Schlesinger kam 1976 heraus; Olivier spielte Dr. Christian Szell und wurde dafür 1977 als bester Nebendarsteller für den Oscar nominiert.
Quellen
- Wikipedia (deutsch): Laurence Olivier – Filmografie, Ehen, Adelstitel
- Wikipedia (englisch): Laurence Olivier – Ausbildung, Old Vic, National Theatre
- Academy of Motion Picture Arts and Sciences: 19. Oscarverleihung 1947 – Ehrenpreis für „Henry V“
- Academy of Motion Picture Arts and Sciences: 21. Oscarverleihung 1949 – „Hamlet“
- Academy of Motion Picture Arts and Sciences: 49. Oscarverleihung 1977 – Bester Nebendarsteller
- Academy of Motion Picture Arts and Sciences: 51. Oscarverleihung 1979 – Ehrenoscar
- Wikipedia (englisch): Laurence Olivier Awards – Gründung 1976, Umbenennung 1984