Wem gehört Rolls-Royce – Eigentümerstruktur & Geschichte

Wem gehört Rolls-Royce

Kurz beantwortet

Es gibt zwei verschiedene Unternehmen dieses Namens. Der Autohersteller Rolls-Royce Motor Cars ist eine hundertprozentige Tochter der BMW Group; BMW erwarb die Marke im Juli 1998, die Produktion in Goodwood startete am 1. Januar 2003. Der Triebwerks- und Energiekonzern Rolls-Royce Holdings plc ist davon unabhängig und börsennotiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rolls-Royce Motor Cars bezeichnet sich in eigenen Unterlagen als hundertprozentige Tochter der BMW Group und als völlig unabhängig vom Triebwerkshersteller Rolls-Royce plc.
  • Die BMW Group erwarb die Automarke im Juli 1998 – nicht 2000 und nicht 2003.
  • Am 1. Januar 2003 wurde der erste Phantom VII übergeben; damit begann die Produktion in Goodwood, West Sussex.
  • Volkswagen übernahm 1998 Bentley samt dem Werk Crewe. Bentley und Rolls-Royce wurden dadurch nach 67 Jahren wieder getrennte Unternehmen.
  • Getrennt wurden Auto- und Triebwerksgeschäft bereits 1971; im selben Jahr ging der Triebwerkskonzern nach Problemen mit dem RB211 in Staatsbesitz über und kehrte 1987 an die Börse zurück.
  • Rolls-Royce Holdings plc erzielte 2025 einen bereinigten Umsatz von 20.059 Mio. Pfund (ausgewiesen: 21.207 Mio. Pfund) – diese Zahl gehört nicht zur Automarke.
  • Chief Executive von Rolls-Royce Motor Cars ist Chris Brownridge, CEO von Rolls-Royce Holdings plc ist Tufan Erginbilgiç.
  • In Goodwood arbeiten nach Unternehmensangaben mehr als 2.500 Menschen, rund 7.500 weitere in der britischen Zulieferkette.
  • Die einzige belegte Verbindung zwischen BMW und dem Triebwerkskonzern vor 1998 war ein Joint Venture von 1990, aus dem Rolls-Royce Deutschland hervorging.

Zwei Unternehmen, ein Name: die entscheidende Unterscheidung

Der häufigste Fehler in Texten über Rolls-Royce besteht darin, Umsätze, Mitarbeiterzahlen, Aktionäre und Vorstandschefs des einen Unternehmens dem anderen zuzuschreiben. Rolls-Royce Motor Cars formuliert es in seiner eigenen Presseunterlage unmissverständlich: Das Unternehmen ist eine hundertprozentige Tochter der BMW Group und steht in keiner Verbindung zum Flugtriebwerkshersteller Rolls-Royce plc.

MerkmalRolls-Royce Motor CarsRolls-Royce Holdings plc
GeschäftLuxusautomobileAntriebe für Luftfahrt und Verteidigung, Power Systems, Kernkraft
Eigentümerhundertprozentige Tochter der BMW Groupbörsennotiert, Streubesitz
StandortGoodwood, West SussexVereinigtes Königreich, Werke weltweit
FührungChris Brownridge, Chief ExecutiveTufan Erginbilgiç, CEO
Umsatzwird von BMW nicht separat ausgewiesen20.059 Mio. £ bereinigt, Geschäftsjahr 2025
Beschäftigteüber 2.500 in Goodwoodkonzernweit, im Geschäftsbericht ausgewiesen

Rolls-Royce Motor Cars: Eigentümer ist die BMW Group

Die Automarke gehört vollständig zur BMW Group. Gefertigt wird ausschließlich in Goodwood in Südengland – dem einzigen Ort weltweit, an dem Rolls-Royce-Automobile entworfen und von Hand gebaut werden. Als das Werk 2003 eröffnete, bauten dort nach Unternehmensangaben rund 300 Beschäftigte ein Auto pro Tag. Heute arbeiten dort mehr als 2.500 Menschen, hinzu kommen etwa 7.500 Arbeitsplätze in der britischen Zulieferkette. Eine 2023 veröffentlichte Untersuchung der London School of Economics beziffert den jährlichen Beitrag des Unternehmens zur britischen Wirtschaft auf rund eine halbe Milliarde Pfund.

2024 kündigte Rolls-Royce eine Erweiterung des Standorts mit einem Investitionsvolumen von mehr als 300 Millionen Pfund an – die größte Einzelinvestition seit der Eröffnung 2003. Sie soll Platz für aufwendigere Bespoke- und Coachbuild-Projekte schaffen.

Zum Modellprogramm gehörten nach Unternehmensangaben für 2025 Phantom VIII Series II, Ghost Series II, Black Badge Ghost Series II, Cullinan Series II, Black Badge Cullinan Series II sowie Spectre und Black Badge Spectre. Der 2022 vorgestellte Spectre war das erste vollelektrische Serienmodell der Marke. Wraith und Dawn, die in älteren Übersichten häufig noch als aktuelle Modelle auftauchen, gehören nicht mehr zum laufenden Programm.

Weiterführendes Bildmaterial zur Marke bietet dieses Video:

Wie BMW und Volkswagen die Marke 1998 untereinander aufteilten

Die Aufteilung von 1998 wird oft falsch erzählt. Die belegten Eckpunkte lauten:

  • Im Juli 1998 erwarb die BMW Group nach eigener Darstellung die Marke Rolls-Royce. Sie kündigte an, ein neues Unternehmen zu gründen, ein neues Werk in Großbritannien zu bauen und ein neues Auto auf den Markt zu bringen – alles bis zum 1. Januar 2003.
  • Ebenfalls 1998 übernahm der Volkswagen-Konzern Bentley mit dem Werk in Crewe. Bentley teilt dazu mit, damit seien Bentley und Rolls-Royce nach 67 gemeinsamen Jahren wieder getrennte Unternehmen geworden.
  • Volkswagen kündigte an, 500 Millionen Pfund in die Marke Bentley, das Werk Crewe und ein völlig neues Bentley-Modell zu investieren.
  • Am 1. Januar 2003 um 00:01 Uhr wurde der erste Phantom VII an seinen Käufer übergeben – der offizielle Start der Fertigung in Goodwood.

Die 67 gemeinsamen Jahre gehen auf das Jahr 1931 zurück: Damals kaufte Rolls-Royce das in finanzielle Schwierigkeiten geratene Unternehmen Bentley Motors. Bentley beziffert den Kaufpreis in eigenen Unterlagen auf 125.275 Pfund. Die Autoproduktion in Crewe begann 1946; das Werk an der Pyms Lane ist bis heute Bentleys Sitz, mit rund 4.000 Beschäftigten.

Häufig kursierende Kaufpreise für die Markenrechte oder für das gesamte Paket lassen sich in den Unternehmensquellen nicht belegen und stehen deshalb nicht in diesem Text.

Rolls-Royce Holdings plc: der unabhängige Triebwerkskonzern

Rolls-Royce Holdings plc entwickelt und fertigt Antriebssysteme für die Luftfahrt, für Verteidigung, für Schiffe und für die Energieerzeugung. Das Unternehmen ist an der Londoner Börse notiert und gehört nicht zur BMW Group. Alles, was zu Aktienkursen, Dividenden, Aktienrückkäufen oder Großaktionären über Rolls-Royce berichtet wird, betrifft dieses Unternehmen – nicht die Automarke.

Kennzahl (Rolls-Royce Holdings plc)20252024
Umsatz, bereinigt20.059 Mio. £17.848 Mio. £
Umsatz, ausgewiesen21.207 Mio. £18.909 Mio. £
Betriebsergebnis, bereinigt3.462 Mio. £2.464 Mio. £
Operative Marge, bereinigt17,3 %13,8 %
Freier Mittelzufluss3.270 Mio. £2.425 Mio. £

Im ersten Halbjahr 2026 meldete der Konzern einen bereinigten Umsatz von 11.279 Mio. Pfund und ein bereinigtes Betriebsergebnis von 2.534 Mio. Pfund; die Prognose für das Gesamtjahr 2026 wurde auf 4,7 bis 4,9 Milliarden Pfund bereinigtes Betriebsergebnis angehoben. Zu den Geschäftsfeldern zählen zivile Großtriebwerke der Trent-Familie, Militärantriebe, die Sparte Power Systems mit den mtu-Motoren sowie kleine modulare Kernreaktoren (Rolls-Royce SMR).

Wie es zur Trennung kam: 1971 und 1987

Rolls-Royce hatte sein Automobil- und sein Flugmotorengeschäft bereits in den späten 1930er Jahren in getrennte Bereiche gegliedert. Der entscheidende Schnitt kam 1971: In diesem Jahr trennte Rolls-Royce die beiden Aktivitäten in zwei eigenständige Gesellschaften – eine Trennung, die bis heute besteht.

Auslöser war die wirtschaftliche Schieflage rund um das Großraumtriebwerk RB211. Der Triebwerkskonzern wurde 1971 in Staatsbesitz überführt, was die Fertigstellung der Triebwerksentwicklung ermöglichte. Nach 16 Jahren unter staatlicher Kontrolle kehrte das Unternehmen 1987 in den privaten Sektor zurück.

1990 gründete der Triebwerkskonzern ein Gemeinschaftsunternehmen mit BMW, aus dem später Rolls-Royce Deutschland Ltd & Co KG hervorging. Das war acht Jahre vor dem Markenerwerb – und betraf ausschließlich Flugtriebwerke, nicht Automobile.

Die Geschichte der Automarke von 1904 bis Goodwood

JahrEreignis
1904Am 4. Mai treffen sich Henry Royce und Charles Rolls im Midland Hotel in Manchester.
1906Am 15. März wird Rolls-Royce Limited förmlich gegründet.
1907Der 40/50 H.P. kommt in den Verkauf; ein frühes Exemplar erhält den Namen Silver Ghost.
1911Die Kühlerfigur Spirit of Ecstasy von Charles Robinson Sykes wird eingeführt.
1925Das erste Modell mit dem Namen Phantom erscheint.
1931Rolls-Royce kauft Bentley Motors für 125.275 Pfund.
1949Mit dem Silver Dawn baut Rolls-Royce erstmals ein komplettes Auto statt eines Fahrgestells.
1971Auto- und Triebwerksgeschäft werden in zwei eigenständige Gesellschaften getrennt.
1998BMW erwirbt die Marke Rolls-Royce, Volkswagen übernimmt Bentley und das Werk Crewe.
2003Am 1. Januar startet die Produktion in Goodwood mit dem Phantom VII.
2022Der Spectre ist das erste vollelektrische Serienmodell der Marke.

Charles Rolls kam 1910 bei einem Flugunfall ums Leben – weniger als zwei Monate nach seinem Nonstop-Hin-und-Rückflug über den Ärmelkanal. Er und Henry Royce hatten zu diesem Zeitpunkt gerade einmal sechs Jahre zusammengearbeitet.

Was in Artikeln über Rolls-Royce regelmäßig vermischt wird

  • Umsatz und Mitarbeiterzahl: Werte im zweistelligen Milliarden-Pfund-Bereich und Beschäftigtenzahlen in Zehntausenden gehören zu Rolls-Royce Holdings plc, nicht zum Autohersteller. BMW weist für Rolls-Royce Motor Cars keinen eigenen Umsatz aus.
  • Aktionärslisten: Die Automarke ist nicht börsennotiert und hat keine Aktionäre. Wer für Rolls-Royce Beteiligungsquoten nennt, meint entweder Rolls-Royce Holdings plc – oder verwechselt das Unternehmen mit einem ganz anderen Autokonzern.
  • Tochtergesellschaften: Firmen wie Rolls-Royce Solutions oder Rolls-Royce Power Systems gehören zum Triebwerks- und Energiekonzern, nicht zur BMW-Tochter.
  • Vorstandschefs: Chris Brownridge führt die Automarke, Tufan Erginbilgiç den Industriekonzern. Beide werden regelmäßig füreinander gehalten.
  • Stellenabbau, Brennstoffzellen, Kernreaktoren: Solche Meldungen betreffen Rolls-Royce Holdings plc und sagen nichts über Goodwood aus.

Häufige Fragen

Wem gehört Rolls-Royce Motor Cars?

Rolls-Royce Motor Cars ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der BMW Group. Die BMW Group erwarb die Marke im Juli 1998; die Produktion in Goodwood begann am 1. Januar 2003.

Gehört Rolls-Royce Holdings plc zu BMW?

Nein. Rolls-Royce Holdings plc ist ein eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen für Antriebs- und Energietechnik. Rolls-Royce Motor Cars bezeichnet sich selbst als völlig unabhängig von diesem Konzern.

Warum wurden Auto- und Triebwerksgeschäft getrennt?

1971 geriet Rolls-Royce durch die Entwicklungsprobleme des Triebwerks RB211 in eine Krise. Im selben Jahr wurden Auto- und Triebwerksgeschäft in zwei eigenständige Gesellschaften getrennt, und der Triebwerkskonzern ging in Staatsbesitz über. 1987 kehrte er an die Börse zurück.

Wie kam Volkswagen zu Bentley?

Volkswagen erwarb Bentley 1998 einschließlich des Werks Crewe und kündigte an, 500 Millionen Pfund in Marke, Werk und ein neues Modell zu investieren. Bentley und Rolls-Royce, die seit 1931 zusammengehört hatten, wurden damit wieder getrennte Unternehmen.

Welche Modelle baut Rolls-Royce aktuell?

Für 2025 nennt das Unternehmen Phantom VIII Series II, Ghost Series II, Black Badge Ghost Series II, Cullinan Series II, Black Badge Cullinan Series II, Spectre und Black Badge Spectre.

Wie viele Autos baut Rolls-Royce?

Die BMW Group veröffentlicht die Absatzzahlen der Marke in ihrer Konzernberichterstattung; Rolls-Royce Motor Cars selbst nennt keine laufende Tagesproduktion. Belegt ist der Ausgangspunkt: Bei der Werkseröffnung 2003 bauten rund 300 Beschäftigte ein Auto pro Tag.

Quellen