
Ein Vermögensvergleich der Bundeskanzler seit 1990 ist mit öffentlichen Daten nicht möglich: Regierungsmitglieder müssen in Deutschland kein Vermögen offenlegen. Vergleichbar sind nur Amtsbezüge, Übergangsgeld, Ruhegehalt und einzelne dokumentierte Einkünfte nach dem Amt. Fünf Personen hatten das Amt seit 1990 inne: Kohl, Schröder, Merkel, Scholz und seit dem 6. Mai 2025 Friedrich Merz.

Das Wichtigste in Kürze
- Seit 1990 haben fünf Personen das Kanzleramt geführt: Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Angela Merkel, Olaf Scholz und Friedrich Merz.
- Es gibt keine Vermögenserklärung für Bundeskanzler. Jede kursierende Vermögenssumme ist eine Schätzung Dritter ohne amtliche Grundlage.
- Zwei offizielle Stellen nennen unterschiedliche Beträge für das Amtsgehalt: Ein Regierungssprecher bezifferte es im Juli 2026 auf 20.675,42 Euro monatlich, der Bund der Steuerzahler auf rund 22.083 Euro.
- Hinzu kommen laut Regierungsangaben eine Stellenzulage von 30,68 Euro monatlich, ein Ortszuschlag von mindestens 1.187,26 Euro und eine steuerfreie Dienstaufwandsentschädigung von 12.271,01 Euro im Jahr.
- Nach vier Amtsjahren entsteht lediglich der Mindestruhegehaltssatz. Der Bund der Steuerzahler beziffert ihn auf 4.990 Euro monatlich; der Höchstbetrag von 12.908 Euro wird erst nach vielen weiteren Amtsjahren erreicht.
- Das Übergangsgeld nach dem Ausscheiden reicht laut Bund der Steuerzahler von rund 81.000 Euro bis knapp 243.000 Euro, gestreckt über maximal zwei Jahre.
- Gerhard Schröders Wechsel zu Nord Stream im März 2006 unterlag keiner Karenzzeit. Die 18-monatige Karenzzeit nach § 6b Bundesministergesetz gilt erst seit dem 25. Juli 2015.
- Helmut Kohls Ermittlungsverfahren in der CDU-Spendenaffäre wurde im März 2001 nach § 153a StPO gegen eine Geldauflage von 300.000 DM eingestellt. Das war keine Zahlung an die CDU.
- Angela Merkels Memoiren „Freiheit“ erschienen am 26. November 2024 bei Kiepenheuer & Witsch, gemeinsam mit Beate Baumann; die Erstauflage betrug 400.000 Exemplare.
Fünf Bundeskanzler seit 1990 im Überblick
Wer die Kanzler seit 1990 vergleichen will, kann Amtszeiten und dokumentierte Einkünfte gegenüberstellen, nicht aber Vermögen. Die folgende Tabelle enthält ausschließlich belegte Angaben.
| Bundeskanzler | Partei | Amtszeit | Dokumentierte Einkünfte nach dem Amt | Vermögensangabe |
|---|---|---|---|---|
| Helmut Kohl | CDU | 1982 bis Oktober 1998 | Memoiren und Vorträge; keine bezifferten Angaben öffentlich | keine |
| Gerhard Schröder | SPD | 27. Oktober 1998 bis 22. November 2005 | Nord Stream AG 250.000 Euro pro Jahr; Rosneft rund 600.000 Euro pro Jahr; Beratung für den Ringier-Verlag | keine |
| Angela Merkel | CDU | 22. November 2005 bis 8. Dezember 2021 | Memoiren „Freiheit“ (2024); Höhe der Honorare nicht veröffentlicht | keine |
| Olaf Scholz | SPD | 8. Dezember 2021 bis 6. Mai 2025 | keine öffentlichen Angaben | keine |
| Friedrich Merz | CDU | seit 6. Mai 2025, im Amt | vor dem Amt Kanzleitätigkeit und Aufsichtsratsmandate | keine |
Warum es zum Vermögen der Bundeskanzler keine Zahlen gibt
Deutschland kennt keine Vermögenserklärung für Amtsträger. Bundestagsabgeordnete müssen Tätigkeiten und Einkünfte neben dem Mandat anzeigen, sobald diese 1.000 Euro im Monat oder 3.000 Euro im Kalenderjahr übersteigen. Besitz – Immobilien, Depots, Erbschaften – fällt nicht darunter. Für Mitglieder der Bundesregierung gilt diese Anzeigepflicht ohnehin nicht; ihre Amtsbezüge sind stattdessen gesetzlich geregelt und damit öffentlich.
Daraus folgt: Wer eine Rangliste der reichsten Kanzler liest, liest fremde Schätzungen. Auch bei Amtsinhabern und Ehemaligen, über die viel berichtet wurde, hat keine Behörde jemals eine Vermögenssumme veröffentlicht. Belegbar sind nur drei Dinge: was das Amt zahlt, was die Versorgung zahlt und welche Einkünfte nach dem Amt dokumentiert sind.
Was der Bundeskanzler verdient – und warum zwei offizielle Zahlen kursieren
Das Amtsgehalt richtet sich nach dem Bundesministergesetz. Bemerkenswert ist, dass zwei seriöse Quellen unterschiedliche Beträge nennen. Ein Regierungssprecher bezifferte das monatliche Amtsgehalt des Bundeskanzlers im Juli 2026 auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur auf 20.675,42 Euro. Der Bund der Steuerzahler gibt auf seiner Seite zur Politikfinanzierung rund 22.083 Euro monatlich an. Beide Angaben sind hier mit ihrer Herkunft genannt, weil sich der Widerspruch nicht auflösen lässt.
- Amtsgehalt: 20.675,42 Euro monatlich (Regierungssprecher, Juli 2026) oder rund 22.083 Euro (Bund der Steuerzahler)
- Allgemeine Stellenzulage: 30,68 Euro monatlich
- Ortszuschlag: mindestens 1.187,26 Euro monatlich, entfällt bei Nutzung der Amtswohnung
- Dienstaufwandsentschädigung: 12.271,01 Euro im Jahr, steuerfrei
- Trennungsentschädigung: 153,39 Euro, falls der Hausstand nicht nach Berlin verlegt wird
Zum Vergleich: Ein Bundesminister erhält nach Angaben des Bunds der Steuerzahler rund 17.990 Euro monatlich.
Übergangsgeld und Ruhegehalt: die Vier-Jahres-Regel richtig gelesen
Häufig ist zu lesen, nach vier Amtsjahren bestehe Anspruch auf die volle Pension. Das ist falsch. Vier Jahre sind die Mindestamtszeit, ab der überhaupt ein Ruhegehaltsanspruch entsteht – und zwar zum Mindestsatz. Der Bund der Steuerzahler beziffert dieses Mindestruhegehalt auf 4.990 Euro monatlich. Mit jedem weiteren Jahr als Regierungsmitglied steigt es demnach um 430 Euro, bis zu einem Höchstbetrag von 12.908 Euro.
Rechnet man diese Angaben durch, wären vom Mindest- bis zum Höchstbetrag rund 18 zusätzliche Amtsjahre nötig. Der Höchstsatz ist damit auch für sehr lange Kanzlerschaften kaum erreichbar. Das Ruhegehalt wird regulär ab der Altersgrenze der Bundesbeamten gezahlt, kann aber ab 60 in Anspruch genommen werden.
Vor dem Ruhegehalt greift das Übergangsgeld. Es beträgt nach denselben Angaben mindestens rund 81.000 Euro und höchstens knapp 243.000 Euro, ausgezahlt über längstens zwei Jahre. Eine oft zitierte Kanzlerpension von rund 15.000 Euro monatlich, angeblich nach Angaben des Bundesfinanzministeriums, lässt sich in dieser Form nicht belegen. Die kursierenden Größenordnungen stammen aus Berechnungen des Bunds der Steuerzahler, nicht aus einer Veröffentlichung des Ministeriums.
Was nach dem Amt dokumentiert ist – Kohl, Schröder, Merkel, Scholz
Gerhard Schröder ist der einzige Kanzler seit 1990, für den Einkünfte nach dem Amt betragsmäßig dokumentiert sind. Am 30. März 2006 wurde er Mitglied und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Nord Stream AG, belegt ist eine Jahresvergütung von 250.000 Euro. Am 29. September 2017 wählte der russische Ölkonzern Rosneft ihn zum Aufsichtsratsvorsitzenden; die Vergütung wird auf rund 600.000 Euro im Jahr beziffert. Von diesem Amt trat er am 20. Mai 2022 zurück. Für den Ringier-Verlag war er von 2005 bis Februar 2022 als Berater tätig; für Vorträge wurden 2013 Honorare zwischen 50.000 und 75.000 Euro pro Auftritt berichtet.
Zu Gazprom kursiert eine falsche Zuschreibung: Schröder war dort nie Aufsichtsrat. Er wurde im Februar 2022 für einen Aufsichtsratsposten nominiert, trat ihn aber nicht an und erklärte, darauf bereits zuvor verzichtet zu haben.
Angela Merkel veröffentlichte am 26. November 2024 gemeinsam mit ihrer langjährigen Büroleiterin Beate Baumann die Memoiren „Freiheit. Erinnerungen 1954–2021“ bei Kiepenheuer & Witsch, 736 Seiten. Die Erstauflage lag bei 400.000 Exemplaren, Anfang Dezember 2024 folgte ein Nachdruck von 200.000. Über Höhe von Vorschuss oder Honorar hat sich weder Merkel noch der Verlag geäußert. Ein häufiger Fehler in älteren Darstellungen: Merkel und ihr Mann Joachim Sauer haben keine gemeinsamen Kinder, Sauer brachte jedoch zwei Söhne aus erster Ehe mit in die Ehe.
Olaf Scholz war vor seiner politischen Laufbahn Fachanwalt für Arbeitsrecht. Bekannt ist, dass er seit 2018 kleine Anteile an der Tageszeitung taz hält. Zu Einkünften nach dem Ende seiner Kanzlerschaft am 6. Mai 2025 liegen keine öffentlichen Angaben vor.
Friedrich Merz ist seit dem 6. Mai 2025 im Amt und unterliegt damit keiner Anzeigepflicht für Nebeneinkünfte. Vor seiner Rückkehr in die Bundespolitik war er ab 2005 Partner und ab 2014 Senior Counsel der Kanzlei Mayer Brown sowie von 2016 bis Ende März 2020 Aufsichtsratsvorsitzender der BlackRock Asset Management Deutschland AG – ein Kontrollmandat, kein operativer Managementposten. Eine Vermögenssumme ist auch für ihn nicht amtlich belegt.
Helmut Kohl und die Spendenaffäre: was tatsächlich gezahlt wurde
Helmut Kohl räumte 1999 ein, in seiner Amtszeit Barspenden in Millionenhöhe entgegengenommen zu haben, ohne die Spender zu nennen. Der Bundestagspräsident verhängte im Februar 2000 gegen die CDU eine Geldbuße von 41,3 Millionen DM.
Das Ermittlungsverfahren gegen Kohl persönlich endete Anfang März 2001: Das Landgericht Bonn stimmte der Einstellung nach § 153a StPO gegen eine Geldauflage von 300.000 DM zu, mit der Begründung, die Rechtslage sei unklar und eine etwaige Strafe würde die Auflage nicht übersteigen. Diese Geldauflage war ein strafprozessuales Instrument, keine Zahlung an die CDU – eine Verwechslung, die sich bis heute hält. Unabhängig davon sammelte Kohl privat Spenden zur Wiedergutmachung des Parteischadens ein.
Karenzzeit: warum Schröders Wechsel 2006 keine Regel verletzte
Der Wechsel eines Kanzlers in die Wirtschaft wird oft an einer Karenzzeit gemessen. Für Schröder galt 2006 keine. Eine Karenzzeitregelung für Mitglieder der Bundesregierung und Parlamentarische Staatssekretäre wurde erst mit § 6b Bundesministergesetz eingeführt, in Kraft seit dem 25. Juli 2015. Sie sieht eine Anzeigepflicht für Anschlusstätigkeiten außerhalb des öffentlichen Dienstes vor und ermöglicht ein Verbot von bis zu 18 Monaten, wenn öffentliche Interessen beeinträchtigt würden.
Der Fall Schröder war einer der Auslöser dieser Debatte, aber die Regel galt rückwirkend nicht für ihn. Wer schreibt, sein Wechsel sei „nach Ablauf der damals geltenden Karenzzeit“ erfolgt, beschreibt eine Vorschrift, die es 2006 nicht gab.
Häufige Fragen
Wie viele Bundeskanzler gab es seit 1990?
Fünf: Helmut Kohl (bis 1998), Gerhard Schröder (1998 bis 2005), Angela Merkel (2005 bis 2021), Olaf Scholz (2021 bis 2025) und Friedrich Merz, der seit dem 6. Mai 2025 im Amt ist und eine Koalition aus Union und SPD führt.
Welcher Bundeskanzler war der reichste?
Das lässt sich nicht beantworten. Es existiert keine Vermögenserklärungspflicht für Regierungsmitglieder, und keine Behörde hat je Vermögenszahlen zu einem Bundeskanzler veröffentlicht. Jede Rangliste mit konkreten Summen beruht auf Schätzungen Dritter.
Wie hoch ist die Pension eines Ex-Bundeskanzlers?
Eine amtlich veröffentlichte Zahl gibt es nicht. Der Bund der Steuerzahler beziffert das Mindestruhegehalt eines Regierungsmitglieds nach vier Amtsjahren auf 4.990 Euro monatlich, mit einer Steigerung von 430 Euro je weiterem Amtsjahr bis zu höchstens 12.908 Euro. Vier Amtsjahre begründen also nur den Mindestsatz, nicht die volle Versorgung.
War Gerhard Schröder Aufsichtsrat bei Gazprom?
Nein. Er war Aufsichtsratsvorsitzender bei der Nord Stream AG und bei Rosneft. Für den Gazprom-Aufsichtsrat wurde er im Februar 2022 nominiert, trat das Mandat aber nicht an. Von Rosneft trat er am 20. Mai 2022 zurück.
Hat Angela Merkel Kinder?
Angela Merkel und Joachim Sauer haben keine gemeinsamen Kinder. Sauer hat zwei Söhne aus seiner ersten Ehe. Die Formulierung, das Paar habe „keine Kinder“, ist in dieser Pauschalität unzutreffend.
Musste Helmut Kohl eine Strafe an die CDU zahlen?
Nein. Die 300.000 DM waren eine Geldauflage nach § 153a StPO, mit der das Ermittlungsverfahren gegen ihn im März 2001 eingestellt wurde. Die Geldbuße von 41,3 Millionen DM traf dagegen die CDU als Partei und wurde im Februar 2000 vom Bundestagspräsidenten verhängt.
Quellen
- https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/bundeskabinett/friedrich-merz-2342660
- https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw28-de-regierungserklaerung-1193984
- https://dpa-factchecking.com/germany/260707-99-987069/
- https://steuerzahler.de/aktion-position/politikfinanzierung/bundesminister/
- https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/karenzzeitgesetz-politiker-anschlusstaetigkeit-wirtschaft-18-monate
- https://www.bundestag.de/abgeordnete/nebentaetigkeit
- https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Schr%C3%B6der
- https://de.wikipedia.org/wiki/Angela_Merkel
- https://de.wikipedia.org/wiki/Freiheit._Erinnerungen_1954%E2%80%932021
- https://de.wikipedia.org/wiki/CDU-Spendenaff%C3%A4re
- https://www.tagesspiegel.de/politik/helmut-kohl-ermittlungen-werden-eingestellt-767260.html
- https://de.wikipedia.org/wiki/Olaf_Scholz
- https://lobbypedia.de/wiki/Friedrich_Merz