Das Beauty-Regime der europäischen Royals

Das Beauty-Regime der europäischen Royals

Über die tägliche Pflege europäischer Royals ist öffentlich fast nichts belegt. Nachprüfbar sind drei Dinge: welche Kosmetikfirmen einen britischen Royal Warrant halten, wer bei den großen royalen Hochzeiten das Make-up gemacht hat, und dass fast jede Meldung über ein royales Lieblingsprodukt selbst in großen Magazinen ausdrücklich als Vermutung gekennzeichnet ist. Dieser Artikel trennt beides.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Royal Warrant belegt eine Lieferbeziehung zum königlichen Haushalt, kein persönliches Lieblingsprodukt. Laut royal.uk gibt es derzeit über 800 Warrant-Halter.
  • Voraussetzung für einen Warrant ist die regelmäßige Belieferung des Haushalts in mindestens fünf von sieben Jahren, davon auch in den zwölf Monaten vor dem Antrag.
  • Ein Warrant wird zunächst für bis zu fünf Jahre an eine namentlich benannte Person im Unternehmen vergeben, nicht an ein einzelnes Produkt.
  • Seit Mai 2024 vergeben König Charles III. und Königin Camilla eigene Warrants. Der König hat zusätzlich den Prinzen und die Prinzessin von Wales zu Grantors ernannt.
  • Yardley London erhielt 1955 von Elizabeth II. einen Warrant als „Manufacturers of soap“ und 1995 einen von Charles III. als „Manufacturers of toilet preparations“.
  • Floris London führt Warrants als Perfumers für Elizabeth II. (1971) und für Toilettenartikel für den damaligen Prince of Wales (1984).
  • Molton Brown wurde 2012 von Elizabeth II. ein Warrant für die Lieferung von Toilettenartikeln erteilt.
  • Die am besten dokumentierten royalen Beauty-Fakten sind die Hochzeits-Make-up-Artists: Hannah Martin (Bobbi Brown) 2011 und 2018, Daniel Martin (Dior) 2018.
  • Konkrete Produktzuschreibungen an einzelne Royals sind meist Spekulation. Das britische Magazin „Hello!“ formuliert sie in seiner eigenen Übersicht offen als „said to be“ und „educated guess“.

Was über royale Beauty-Routinen tatsächlich bekannt ist

Die offiziellen Kanäle der Königshäuser veröffentlichen keine Pflegeroutinen. Auf royal.uk finden sich Angaben zu Ämtern, Terminen und institutionellen Fragen wie den Royal Warrants, aber keine Angaben dazu, welche Creme oder welches Serum ein Mitglied der königlichen Familie benutzt.

Auch das nächste Umfeld liefert diese Informationen nicht. Angela Kelly war von 1993 bis zum Tod der Königin 2022 Personal Assistant und Senior Dresser von Elizabeth II. und trug den Titel „Personal Assistant, Adviser and Curator to Her Majesty The Queen (Jewellery, Insignias and Wardrobe)“. Ihre beiden Bücher – Dressing the Queen: The Jubilee Wardrobe (2012) und The Other Side of the Coin: The Queen, the Dresser and the Wardrobe (2019) – behandeln Garderobe, Schmuck und Insignien.

Was bleibt, sind drei belastbare Quellenarten: das öffentliche Register der Royal Warrants, die namentlich bekannten Make-up-Artists großer royaler Anlässe und einzelne Aussagen der Betroffenen selbst. Alles andere ist Rekonstruktion aus Fotos.

Kosmetik- und Pflegeprodukte in einer aufgeräumten Anordnung

Royal Warrant: Was das Siegel aussagt und was nicht

Ein Royal Warrant of Appointment ist die formale Anerkennung dafür, dass ein Unternehmen den königlichen Haushalt beliefert. Er erlaubt dem Unternehmen, das königliche Wappen mit dem Zusatz „by appointment to …“ zu führen.

Die Bedingungen sind auf royal.uk nachlesbar: Ein Unternehmen muss den Haushalt in mindestens fünf von sieben Jahren regelmäßig beliefert haben, einschließlich der zwölf Monate vor der Bewerbung. Der Warrant wird dann für zunächst bis zu fünf Jahre an eine namentlich benannte Person im Unternehmen vergeben. Die Royal Warrant Holders Association, 1840 gegründet und nach eigener Auskunft „not part of the Royal Household“, nennt denselben Zeitraum und weist darauf hin, dass Anträge jedes Jahr im Mai und Juni möglich sind.

Entscheidend für die Lektüre von Beauty-Artikeln ist die Grenze dieses Siegels: Der Warrant dokumentiert eine Geschäftsbeziehung des Haushalts, nicht den persönlichen Gebrauch durch eine bestimmte Person. Auch preislich ändert er nichts – Lieferanten stellen die vollen Preise in Rechnung, der Warrant ist ein Prestigezeichen, keine Subvention.

Warrants sind außerdem an ihren Grantor gebunden. Mit dem Tod eines Grantors werden sie technisch ungültig; Halter dürfen das Wappen üblicherweise noch bis zu zwei Jahre weiterführen und müssen sich beim neuen Souverän neu bewerben. Genau das ist nach dem Tod von Elizabeth II. im September 2022 geschehen. Seit Mai 2024 vergeben König Charles III. und Königin Camilla eigene Warrants; der König hat zusätzlich den Prinzen und die Prinzessin von Wales als Grantors eingesetzt. Wer heute liest, eine Marke sei „Hoflieferant der Queen“, liest also eine Angabe, die seit 2022 nicht mehr automatisch gilt.

Welche Beauty-Marken einen dokumentierten Royal Warrant haben

Die folgende Übersicht enthält nur Warrants, die sich mit Grantor und Jahr belegen lassen. Sie sagt nichts darüber aus, wer welches Produkt benutzt hat.

MarkeWarrant fürGrantorJahr
Yardley LondonManufacturers of soapElizabeth II.1955
Yardley LondonManufacturers of toilet preparationsCharles III.1995
Floris LondonPerfumersElizabeth II.1971
Floris LondonToilet PreparationsPrince of Wales1984
Molton BrownToilettenartikelElizabeth II.2012

Yardley hält nach eigenen Angaben heute noch zwei Royal Warrants. Der Duft, mit dem das Haus bis heute identifiziert wird, ist English Lavender, 1873 eingeführt; die verwendete Sorte Lavandula angustifolia wurde in den 1930er-Jahren ausgewählt. Wer also über „Lavendel im Königshaus“ liest: Belegt ist ein handelsübliches Produkt einer Seifenfabrik, nicht eine Sonderanfertigung aus königlichen Gärten.

Ein Sonderfall ist Penhaligon’s. Das Haus wurde in den späten 1860er-Jahren gegründet; sein Gründer William Henry Penhaligon wurde „Court Barber and Perfumer to Queen Victoria“. Ein formaler Warrant mit Grantor und Jahr lässt sich daraus allein aber nicht ableiten.

Die bestbelegten royalen Beauty-Fakten: die Hochzeits-Make-up-Artists

Bei großen royalen Hochzeiten wird das Beauty-Team üblicherweise offiziell kommuniziert. Das macht diese Angaben zu den zuverlässigsten Daten im ganzen Themenfeld.

AnlassMake-upHaare
Hochzeit von Prinz William und Catherine Middleton (2011)Hannah Martin, Make-up-Artist bei Bobbi Brown
Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle (2018)Daniel Martin, Make-up-Artist bei DiorSerge Normant
Hochzeit von Prinzessin Eugenie und Jack Brooksbank (2018)Hannah Martin, Make-up-Artist bei Bobbi BrownSonny-Jo MacFarlane

Zur Hochzeit 2011 gibt es eine Korrektur, die bis heute oft übersehen wird: Zunächst wurde berichtet, Catherine habe sich selbst geschminkt. Bobbi Brown erklärte später, Hannah Martin habe das Braut-Make-up gemacht. Belegt ist außerdem, dass Catherine zuvor privaten Make-up-Unterricht bei Arabella Preston genommen hatte und die gesamte Hochzeitsgesellschaft von Hannah Martin unterstützt wurde. Arabella Preston ist damit mit Catherine verbunden – nicht mit Prinzessin Eugenie, wie es gelegentlich zu lesen ist.

Warum „Kate benutzt Produkt X“ fast immer eine Vermutung ist

Wie dünn die Beleglage ist, zeigt eine Übersicht von „Hello!“ zu den Lippenstiften der Royals besonders deutlich – weil das Magazin die eigene Unsicherheit offenlegt. Die Formulierungen dort reichen von beobachtet bis frei geraten.

PersonGenanntes ProduktWie „Hello!“ es einordnet
Catherine, Princess of WalesClarins Natural Lip PerfectorBeobachtung: beim Auftragen in Wimbledon gesehen
Elizabeth II.Elizabeth Arden Beautiful Color„was said to favour“, Farbton: „we’re hazarding a guess“
Zara TindallBobbi Brown„is said to have worn“, Farbton: „an educated guess“
Sophie, Duchess of EdinburghTrish McEvoy„is believed to be a big fan“
Grace von MonacoDior„was said to be faithful to Dior“, Farbton unbekannt

Nur zwei Angaben dieser Liste sind mehr als eine Vermutung: Meghan Markle trug zur Hochzeit statt Lippenstift ein Duo mit Dior Lip Glow – was zum dokumentierten Dior-Make-up-Artist Daniel Martin passt. Und für Diana ist eine Farbe konkret belegbar: Max Factor Tint of Pink bei einem Shooting für die Vogue anlässlich ihrer Verlobung.

Ein zweiter Test führt zum selben Ergebnis. Das Rosehip Oil von Trilogy gilt seit Jahren als „Kates Geheimnis“. Auf den offiziellen Produktseiten des Herstellers – sowohl international als auch für Großbritannien – findet sich zu Certified Organic Rosehip Oil kein einziger Hinweis auf Catherine oder das Königshaus. Die Marke selbst erhebt diesen Anspruch also nicht. Damit gibt es für die Zuschreibung keine belastbare Grundlage, und dieser Artikel nennt sie nicht als Fakt.

Was sich aus royalen Auftritten wirklich ablesen lässt

Produkte lassen sich aus Fotos nicht bestimmen, Arbeitsweisen schon eher. Sichtbar und beschreibbar sind bei offiziellen Terminen europäischer Königshäuser vor allem drei Dinge, die nichts mit Marken zu tun haben:

  • Ein zurückhaltendes Farbniveau. Bei Terminen mit Bürgerkontakt dominieren gedeckte Lippen- und Wangentöne; starke Farbakzente bleiben Abendanlässen vorbehalten.
  • Haltbarkeit als Anforderung. Öffentliche Termine dauern Stunden und finden bei jedem Wetter statt. Das spricht für wenige, gut fixierte Schichten statt für aufwendigen Aufbau.
  • Wiedererkennbarkeit statt Trend. Bei Königshäusern ist das Erscheinungsbild Teil einer Funktion. Konstanz über Jahre ist dort eher ein Ziel als saisonale Veränderung.

Das sind Beobachtungen, keine Belege für Routinen. Wer eine „royale Pflegeroutine“ liest, die Schritt für Schritt Produkte auflistet, liest in aller Regel eine Empfehlung der Redaktion, nicht eine Auskunft aus dem Palast.

Wie Sie Produktmeldungen über Prominente selbst prüfen

  1. Suchen Sie den Ursprung. Gibt es ein Interview, ein Zitat mit Datum, eine offizielle Mitteilung? Oder verweist jeder Artikel nur auf den nächsten?
  2. Achten Sie auf Signalwörter. „Soll“, „reportedly“, „said to be“, „Insider berichten“ markieren eine Vermutung, keinen Beleg.
  3. Prüfen Sie die Marke selbst. Eine echte Verbindung – Vertrag, Botschafterin, Warrant – steht fast immer auch auf der Website des Herstellers.
  4. Trennen Sie Anlass und Alltag. Ein Produkt bei einer Hochzeit oder einem Shooting belegt einen Termin, keine tägliche Routine.
  5. Prüfen Sie das Datum. Royal Warrants und Werbeverträge laufen aus. Eine Angabe von 2018 kann heute schlicht überholt sein.

Häufige Fragen

Bedeutet ein Royal Warrant, dass ein Royal das Produkt persönlich benutzt?

Nein. Der Warrant bescheinigt, dass ein Unternehmen den königlichen Haushalt regelmäßig beliefert hat, mindestens fünf von sieben Jahren. Er wird an eine benannte Person im Unternehmen vergeben und bezieht sich auf eine Warengruppe, nicht auf ein einzelnes Produkt oder einen einzelnen Nutzer.

Gelten die Warrants von Elizabeth II. noch?

Nein. Mit dem Tod eines Grantors werden dessen Warrants ungültig. Halter durften das Wappen üblicherweise noch bis zu zwei Jahre weiterführen und mussten sich neu bewerben. König Charles III. und Königin Camilla vergeben seit Mai 2024 eigene Warrants.

Wer hat Catherine, Meghan und Eugenie zu ihren Hochzeiten geschminkt?

Bei Catherine (2011) und Prinzessin Eugenie (2018) war es Hannah Martin, Make-up-Artist bei Bobbi Brown. Meghan Markle wurde 2018 von Daniel Martin geschminkt, einem Make-up-Artist von Dior. Catherine hatte zuvor privaten Make-up-Unterricht bei Arabella Preston.

Benutzt Catherine wirklich Trilogy Rosehip Oil?

Dafür gibt es keine Bestätigung. Weder Catherine noch der Palast haben sich dazu geäußert, und die Produktseiten von Trilogy nennen weder sie noch das Königshaus. Die Zuschreibung stammt aus Medienberichten, die sich gegenseitig zitieren.

Welche Anti-Aging-Routine hatte Elizabeth II.?

Dazu gibt es keine belegten Angaben. Weder der Palast noch ihre langjährige Assistentin Angela Kelly haben eine Pflegeroutine öffentlich gemacht. Kursierende Produktlisten und Zitate angeblicher Hofkosmetikerinnen lassen sich nicht auf eine Primärquelle zurückführen.

Wie viele Royal Warrants gibt es insgesamt?

Laut royal.uk sind derzeit über 800 Royal Warrants in Kraft, verteilt auf alle Warengruppen von Lebensmitteln bis Handwerk. Kosmetik und Parfümerie stellen davon nur einen kleinen Teil.

Quellen

  • https://www.royal.uk/royal-warrants
  • https://www.royalwarrant.org/
  • https://en.wikipedia.org/wiki/Royal_warrant_of_appointment_(United_Kingdom)
  • https://en.wikipedia.org/wiki/Yardley_of_London
  • https://en.wikipedia.org/wiki/Floris_of_London
  • https://en.wikipedia.org/wiki/Molton_Brown
  • https://en.wikipedia.org/wiki/Penhaligon%27s
  • https://en.wikipedia.org/wiki/Wedding_of_Prince_William_and_Catherine_Middleton
  • https://en.wikipedia.org/wiki/Wedding_of_Prince_Harry_and_Meghan_Markle
  • https://en.wikipedia.org/wiki/Wedding_of_Princess_Eugenie_and_Jack_Brooksbank
  • https://en.wikipedia.org/wiki/Angela_Kelly
  • https://www.hellomagazine.com/healthandbeauty/709681/lipsticks-the-royals-wear/
  • https://trilogyproducts.co.uk/products/certified-organic-rosehip-oil

Das könnte Sie auch interessieren