Kurz beantwortet
Eau de Toilette und Eau de Parfum unterscheiden sich im Anteil des Duftöls in der alkoholischen Lösung: Ein Eau de Parfum ist in aller Regel höher dosiert. Verbindlich definiert sind die Begriffe jedoch nicht. Weder die EU-Kosmetikverordnung noch die IFRA-Standards legen fest, wie viel Duftöl ein Eau de Toilette enthalten muss. Die kursierenden Prozentzahlen sind Branchenkonvention, keine Norm.
Das Wichtigste in Kürze
- Für die Bezeichnungen Eau de Toilette, Eau de Parfum und Extrait de Parfum existiert im EU-Recht keine festgelegte Mindest- oder Höchstkonzentration.
- Die Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel regelt Sicherheit, Kennzeichnung und Werbeaussagen – nicht die Einteilung in Konzentrationsklassen.
- Die IFRA-Standards begrenzen einzelne Riechstoffe je nach Anwendungsart. Sie definieren keine Produktkategorie über den Duftölanteil.
- Wie unverbindlich die Spannen sind, zeigt schon der Vergleich zweier Nachschlagewerke: Die deutschsprachige Wikipedia nennt für Eau de Toilette 6–9 Prozent, die englischsprachige 5–15 Prozent.
- Ein Eau de Toilette der einen Marke kann daher mehr Duftöl enthalten als ein Eau de Parfum einer anderen.
- Seit dem 31. Juli 2026 müssen neu in Verkehr gebrachte Kosmetika bis zu 80 allergene Riechstoffe einzeln auf dem Etikett ausweisen – eine Folge der Verordnung (EU) 2023/1545.
- Wie lange ein Duft auf der Haut bleibt, lässt sich nicht in festen Stundenwerten angeben. Hauttyp, Duftfamilie, Auftragsmenge und Umgebung bestimmen das mit.
- Der Preis folgt nicht allein der Konzentration: Rohstoffe, Flakon, Lizenzgebühren und Marketing gehen ebenfalls ein.
Warum es keine gesetzliche Definition von Eau de Toilette und Eau de Parfum gibt
Die meisten Ratgeber zum Thema beginnen mit einer Tabelle voller Prozentzahlen und erwecken damit den Eindruck, es handle sich um eine amtliche Einteilung. Das ist sie nicht. Der maßgebliche Rechtsakt für Kosmetik in der Europäischen Union ist die Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel. Sie beschreibt, welche Stoffe verboten oder beschränkt sind, wer für ein Produkt verantwortlich ist, welche Sicherheitsbewertung vorliegen muss und was auf die Packung gehört. Eine Definition der Begriffe „Eau de Toilette“ oder „Eau de Parfum“ enthält sie nicht – und auch keine Vorgabe, ab welchem Duftölanteil ein Produkt so heißen darf.
Damit liegt die Einstufung beim Hersteller. Ob eine Marke ihre Neuheit als Eau de Toilette oder als Eau de Parfum in den Handel bringt, ist eine Entscheidung über Positionierung, Preis und Duftcharakter – keine Rechtsfolge einer gemessenen Konzentration. Der englischsprachige Wikipedia-Artikel zu Parfüm fasst das nüchtern zusammen: Die Spannen seien so weit, dass die Begriffe „extrait, EdP, EdT und EdC“ hinsichtlich der Ölkonzentration „ziemlich ungenau“ seien, und verschiedene Parfümhäuser ordneten ihren Düften unterschiedliche Ölmengen zu.
Die üblichen Spannen: Konvention statt Norm
Die folgenden Werte kursieren in der Branche und in Nachschlagewerken. Sie sind als Orientierung brauchbar und als Messgröße wertlos. Der direkte Vergleich zweier Wikipedia-Sprachversionen macht das deutlich: Für dieselbe Produktkategorie stehen dort deutlich verschiedene Zahlen.
| Kategorie | Angabe deutschsprachige Wikipedia | Angabe englischsprachige Wikipedia |
|---|---|---|
| Eau de Cologne (EdC) | 3–5 % | 2–3 % |
| Eau de Toilette (EdT) | 6–9 %, bei Intense-Varianten mehr | 5–15 % |
| Eau de Parfum (EdP) | 10–14 %, Intense bis 20 % | 15–20 % |
| Extrait de Parfum / Parfum | 15–30 %, Intense bis 40 % | 15–30 % |
Der deutschsprachige Artikel stellt seiner Auflistung selbst den Hinweis voran, es gebe „eine Vielzahl von unterschiedlichen Auffassungen und Beschreibungen, die zum Teil deutlich voneinander abweichen“. Praktisch heißt das: Ein Eau de Toilette einer Marke, die großzügig dosiert, kann mehr Duftöl enthalten als ein Eau de Parfum einer Marke, die knapp kalkuliert. Wer zwei Flakons vergleichen will, kommt um das Riechen nicht herum.
Was tatsächlich geregelt ist – und wo es nachzulesen steht
Geregelt ist bei Parfüm eine ganze Menge, nur eben nicht die Konzentrationsklasse. Die EU-Kosmetikverordnung verpflichtet unter anderem zur Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums; bei einer Haltbarkeit von mehr als 30 Monaten tritt an dessen Stelle die Angabe des Verwendungszeitraums nach dem Öffnen, erkennbar am geöffneten Tiegelsymbol. Dazu kommen die Bestandteilsliste nach INCI-Nomenklatur, Nennfüllmenge, Chargennummer und die Angaben zur verantwortlichen Person.
Für Werbeaussagen gilt zusätzlich die Verordnung (EU) Nr. 655/2013 mit sechs gemeinsamen Kriterien. Eines davon ist die Belegbarkeit: Aussagen über kosmetische Mittel müssen, ob ausdrücklich oder sinngemäß, „durch hinreichende und überprüfbare Nachweise belegt werden“. Ein Werbeversprechen wie „hält zwölf Stunden“ ist damit nicht verboten, aber belegpflichtig. Für eine Aussage über die Kategorie an sich – etwa „jedes Eau de Parfum hält acht Stunden“ – gibt es keine solche Grundlage.
Neu seit dem 31. Juli 2026: bis zu 80 Duftstoffallergene auf dem Etikett
Die praktisch wichtigste Änderung für Duftkäufer betrifft nicht die Konzentration, sondern die Deklaration. Mit der Verordnung (EU) 2023/1545 wurde Anhang III der Kosmetikverordnung erweitert: Statt bislang 24 müssen nun insgesamt 80 allergene Riechstoffe einzeln in der Bestandteilsliste genannt werden. Die Schwellen dafür liegen bei 0,001 Prozent für Produkte, die auf der Haut verbleiben – dazu zählen Parfüms – und bei 0,01 Prozent für abzuspülende Produkte.
Die Übergangsfristen laufen zweistufig: Seit dem 31. Juli 2026 dürfen nur noch Produkte neu in Verkehr gebracht werden, die der erweiterten Kennzeichnung entsprechen. Bereits im Handel befindliche Ware darf noch bis zum 31. Juli 2028 abverkauft werden. Wer auf bestimmte Riechstoffe reagiert, findet ab sofort also deutlich mehr Namen auf dem Karton – und sollte bei älterer Ware im Regal damit rechnen, dass die längere Liste dort noch fehlt.
Was IFRA regelt – und was nicht
Die International Fragrance Association (IFRA) wird in Duftratgebern häufig als Beleg für Konzentrationsklassen zitiert. Das ist ein Missverständnis. Die IFRA-Standards sind ein Risikomanagement-System für den sicheren Einsatz einzelner Riechstoffe. Sie legen fest, in welcher Höchstmenge ein bestimmter Stoff in einer bestimmten Anwendungsart eingesetzt werden darf – etwa in einem Produkt, das großflächig auf der Haut verbleibt, gegenüber einem, das kurz einwirkt und abgespült wird.
Diese Beschränkungen betreffen also den einzelnen Inhaltsstoff, nicht den Gesamtanteil des Duftöls im Flakon. Ein Eau de Toilette und ein Eau de Parfum derselben Duftlinie fallen bei IFRA in dieselbe Anwendungskategorie. Eine Aussage darüber, ab wie viel Prozent ein Produkt „Eau de Parfum“ heißen darf, treffen die Standards nicht.
Warum sich die Haltbarkeit auf der Haut nicht in Stunden angeben lässt
„Eau de Toilette hält zwei bis drei Stunden, Eau de Parfum sechs bis acht“ – solche Sätze stehen in vielen Texten und lassen sich nicht belegen. Sie unterstellen, dass die Konzentration die einzige Variable wäre. Tatsächlich hängt die wahrgenommene Dauer von mehreren Faktoren ab, die von Person zu Person und von Tag zu Tag verschieden sind.
- Duftfamilie: Schwere Basisnoten wie Hölzer, Harze, Vanille oder Moschus verdunsten langsamer als Zitrusnoten und leichte Kopfnoten. Ein zitrisches Eau de Parfum kann schneller verfliegen als ein holziges Eau de Toilette.
- Hautbeschaffenheit: Auf trockener Haut verflüchtigt sich Duft schneller als auf fettigerer, weil weniger Sebum als Träger zur Verfügung steht.
- Auftragsmenge und Stelle: Zwei Sprühstöße halten anders als sechs; warme Körperstellen setzen Duft schneller frei.
- Umgebung: Wärme, Luftfeuchtigkeit und Bewegung beschleunigen die Verdunstung.
- Gewöhnung: Die eigene Nase nimmt einen vertrauten Duft nach kurzer Zeit kaum noch wahr, während andere ihn weiterhin riechen.
Belastbar ist deshalb nur die relative Aussage: Innerhalb derselben Duftlinie einer Marke hält die höher konzentrierte Variante in der Regel länger und wirkt dichter. Ein Vergleich über Marken hinweg trägt diese Aussage nicht.
Warum Eau de Parfum meist mehr kostet – und wann nicht
In den allermeisten Sortimenten kostet die Eau-de-Parfum-Variante eines Duftes bei gleicher Flakongröße mehr als das Eau de Toilette. Der höhere Duftölanteil ist dabei ein Grund, aber nicht der einzige. Rohstoffkosten unterscheiden sich erheblich – ein Duft mit natürlichem Iriswurzel- oder Oud-Anteil ist in der Herstellung um ein Vielfaches teurer als eine überwiegend synthetische Komposition gleicher Konzentration. Dazu kommen Flakon und Verpackung, bei Modemarken Lizenzgebühren an den Namensgeber sowie Werbe- und Handelsmargen.
Deshalb gibt es keine feste Regel, wie groß der Preisabstand ausfällt, und es gibt Gegenbeispiele: Sondereditionen, limitierte Konzentrationen und Nischenlinien können ein Eau de Toilette teurer machen als ein Eau de Parfum aus dem Standardsortiment. Wer Preise vergleicht, rechnet sinnvollerweise auf den Milliliterpreis um, statt Flakonpreise gegeneinanderzustellen.
Wie Sie beim Kauf konkret vorgehen
- Vergleichen Sie beide Konzentrationen derselben Duftlinie direkt nebeneinander. Nur dann ist der Unterschied überhaupt aussagekräftig.
- Testen Sie auf der Haut, nicht nur auf dem Papierstreifen, und geben Sie dem Duft mindestens eine Stunde. Kopfnoten täuschen.
- Prüfen Sie die Bestandteilsliste, wenn Sie zu Kontaktallergien neigen. Seit Sommer 2026 ist sie deutlich aussagekräftiger als früher.
- Rechnen Sie auf den Milliliterpreis um. Der größere Flakon ist häufig, aber nicht immer der günstigere.
- Lagern Sie Flakons kühl, dunkel und verschlossen. Licht und Wärme verändern die Komposition schneller als das Alter allein.
- Verlassen Sie sich nicht auf Prozentangaben in Produktbeschreibungen Dritter. Belastbar ist nur, was der Hersteller selbst angibt – und viele geben nichts an.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Eau de Toilette und Eau de Parfum?
Beide bestehen aus Duftöl, Alkohol und Wasser; das Eau de Parfum enthält üblicherweise mehr Duftöl und wirkt dadurch dichter und länger präsent. Verbindlich festgelegt ist das aber nicht. Die Zuordnung trifft der Hersteller, und die Grenzen unterscheiden sich von Haus zu Haus.
Gibt es eine Norm, die die Prozentwerte festlegt?
Nein. Die EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 regelt Sicherheit, Kennzeichnung und Werbeaussagen, nicht die Konzentrationsklassen. Die IFRA-Standards begrenzen einzelne Riechstoffe, nicht den Gesamtduftölanteil. Die üblichen Prozentspannen sind Branchenkonvention.
Wie lange hält ein Eau de Parfum auf der Haut?
Dafür gibt es keine seriöse Stundenzahl. Duftfamilie, Hautbeschaffenheit, Auftragsmenge, Temperatur und Luftfeuchtigkeit wirken zusammen. Belastbar ist nur die relative Aussage, dass die höher konzentrierte Variante derselben Duftlinie in der Regel länger wahrnehmbar bleibt.
Ist Eau de Toilette teurer als Eau de Parfum?
In der Regel nicht. Innerhalb einer Duftlinie ist das Eau de Parfum bei gleicher Füllmenge meist das teurere Produkt. Ausnahmen gibt es bei Sondereditionen und Nischenlinien. Der Preis hängt zudem an Rohstoffen, Flakon, Lizenzen und Marketing, nicht allein an der Konzentration.
Was hat sich 2026 bei der Kennzeichnung geändert?
Seit dem 31. Juli 2026 müssen neu in Verkehr gebrachte Kosmetika insgesamt 80 allergene Riechstoffe einzeln in der Bestandteilsliste ausweisen, bei Leave-on-Produkten ab 0,001 Prozent. Für bereits im Handel befindliche Ware läuft die Frist bis zum 31. Juli 2028.
Wie lange ist ein Parfum im Flakon haltbar?
Die Packung gibt darüber Auskunft: Bei einer Haltbarkeit bis 30 Monate steht ein Mindesthaltbarkeitsdatum darauf, bei längerer Haltbarkeit stattdessen der Verwendungszeitraum nach dem Öffnen im Tiegelsymbol. Kühle, dunkle Lagerung verlängert die Zeit, in der ein Duft unverändert riecht.
Quellen
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel – EUR-Lex
- Verordnung (EU) 2023/1545 zur Kennzeichnung allergener Duftstoffe – EUR-Lex
- Verordnung (EU) Nr. 655/2013: Kriterien für Werbeaussagen über Kosmetika – EUR-Lex
- IFRA: Safe Use of Fragrance Ingredients – die IFRA-Standards
- Wikipedia (deutsch): Parfüm – Konzentrationsstufen
- Wikipedia (englisch): Perfume – Concentration levels
Titelbild von Linda Dunn auf Pixabay