Kurz beantwortet
Ein Parfüm ist ein Gemisch aus Riechstoffen, gelöst in Alkohol und etwas destilliertem Wasser. Die Bezeichnungen Eau de Cologne, Eau de Toilette, Eau de Parfum und Parfum stehen für steigende Duftölanteile – gesetzlich festgelegt sind sie nicht. Rechtlich gilt Parfüm als kosmetisches Mittel und unterliegt damit der EU-Kosmetikverordnung, den brancheneigenen IFRA-Standards und einer Kennzeichnungspflicht für bestimmte Duftstoffe.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Parfüm besteht aus natürlichen, halbsynthetischen und vollsynthetischen Riechstoffen, die traditionell als Duftöl in Alkohol und etwas destilliertem Wasser gelöst werden.
- Für die Konzentrationsangaben Eau de Parfum oder Eau de Toilette gibt es keine gesetzlichen Vorschriften – es sind Branchenkonventionen, keine Rechtsbegriffe.
- Der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) nennt als Größenordnungen: Eau de Cologne drei bis acht Prozent, Eau de Toilette acht bis zehn Prozent, Parfum bis zu 40 Prozent Duftstoffanteil.
- Der klassische Duftablauf gliedert sich in Kopfnote (erste rund 15 Minuten), Herznote (bis etwa zwei Stunden) und Basis (ab etwa zwei Stunden, teils über mehrere Tage).
- Parfüm ist rechtlich ein kosmetisches Mittel. Artikel 19 der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 schreibt vor, was auf Flakon und Verpackung stehen muss.
- Riech- und Aromastoffe erscheinen in der Zutatenliste gesammelt als „Parfum“. Einzeln genannt werden nur bestimmte Duftstoffe – ab 0,001 Prozent in Mitteln, die auf der Haut verbleiben, und ab 0,01 Prozent in Mitteln, die abgespült werden.
- Diese Liste umfasste in Anhang III der Verordnung ursprünglich 26 Einträge (Nummern 67 bis 92). Die Verordnung (EU) 2023/1545 hat sie deutlich erweitert.
- Die IFRA-Standards kennen drei Typen: Verbot, Beschränkung und Spezifikation. Sie sind für alle IFRA-Mitglieder verbindlich, die nach Verbandsangaben rund 80 Prozent des weltweiten Duftstoffvolumens herstellen.
- Weltweit arbeiten laut IFRA weniger als tausend voll ausgebildete Parfümeure; ihre Ausbildung dauert sieben bis zehn Jahre.
Woraus ein Parfüm tatsächlich besteht
Der Begriff „Parfüm“ meint im Deutschen zweierlei: allgemein alles, was angenehm riechen soll – und im engeren Sinn ein Produkt der Parfümerie. Dieses Produkt besteht nach Darstellung des Fachportals haut.de meist aus einem flüssigen Gemisch verschiedener Riechstoffe, die traditionell als Duftöl in Alkohol und etwas destilliertem Wasser gelöst sind. Daneben gibt es feste Varianten, sogenannte Solid-Parfüms, die man wie eine Creme aufträgt.
Wie eine Duftmischung entsteht, beschreibt die International Fragrance Association (IFRA): Natürliche Rohstoffe wie Blüten, Hölzer, Harze, Gewürze und Zitrusschalen werden geerntet und vor Ort destilliert oder extrahiert. Parallel entwickeln Chemiker synthetische Duftstoffe, die Naturstoffe ergänzen oder seltene Noten mit geringerem Ressourceneinsatz nachbilden. Erst danach komponiert ein Parfümeur daraus eine Formel – und die fertige Rezeptur wird gegen die IFRA-Standards geprüft.
Eau de Cologne, Eau de Toilette, Eau de Parfum: Was die Stufen bedeuten
Hier steht in vielen Ratgebern mehr Präzision, als es tatsächlich gibt. Das Fachportal haut.de hält ausdrücklich fest: Für die Konzentrationsangaben von Parfüms wie Eau de Parfum oder Eau de Toilette gibt es keine gesetzlichen Vorschriften. Ein Duft mit acht Prozent Duftölanteil kann deshalb bereits als Eau de Parfum verkauft werden. Die folgenden Zahlen sind Größenordnungen aus zwei Branchenquellen, keine Norm.
| Bezeichnung | Duftstoffanteil laut IKW | Duftölanteil laut haut.de |
|---|---|---|
| Eau Fraîche | keine Angabe | rund 3 % |
| Eau de Cologne | 3–8 % | rund 5 % |
| Eau de Toilette | 8–10 % | 8–10 % |
| Eau de Parfum | zwischen Eau de Toilette und Parfum | rund 10–20 % |
| Parfum / Extrait de Parfum | bis zu 40 % | rund 20–40 % |
Wichtig ist der Zusatz, den haut.de selbst macht: Ein hoher Duftölanteil bedeutet nicht automatisch, dass ein Produkt intensiver riecht. Parfümerie ist nicht additiv – ein leichter angesetztes Duftöl kann sich besser entfalten als ein hoch konzentriertes.
Kopfnote, Herznote, Basis: der Duftablauf
Traditionell wird ein Parfüm über seinen Duftablauf beschrieben und als Duftpyramide dargestellt. Der IKW und haut.de nennen dafür übereinstimmend diese Zeitfenster:
| Phase | Zeitraum nach dem Auftragen |
|---|---|
| Kopfnote | typischerweise während der ersten 15 Minuten |
| Herznote | ab der ersten Viertelstunde, hält meist bis zu zwei Stunden |
| Basis (Fond) | beginnt vielfach nach zwei Stunden, kann mehrere Tage anhalten |
Diese Dreiteilung gilt allerdings nicht mehr als zwingendes Merkmal jedes Parfüms. Es gibt einen Trend zu bewusst linear komponierten Düften, bei denen sich die Kopfnote mehr oder weniger bis in den Fond durchzieht. Damit leichtflüchtige Bestandteile wie Zitrusnoten nicht zu schnell verschwinden, arbeiten Parfümeure mit Fixateuren – schwerer flüchtigen Stoffen wie Harzen, die die leichten Noten festhalten.
Natürlich, halbsynthetisch, synthetisch
Riechstoffe lassen sich in drei Gruppen einteilen. Natürliche Duftstoffe stammen aus pflanzlichen Rohstoffen: Blüten, Früchten, Gräsern, Blättern, Samen, Rinde, Holz, Harzen, Wurzeln, Moosen oder Pilzen. Halbsynthetische Riechstoffe sind aus natürlichen Stoffen isolierte und weiterverarbeitete Produkte – man unterscheidet dabei Isolate und Derivate. Vollsynthetische Riechstoffe haben ihren Ursprung vollständig in chemischen Materialien und besitzen häufig gar kein Geruchsvorbild in der Natur.
Synthetik ist dabei kein Notbehelf. Nach Darstellung von haut.de wurde erst durch bestimmte künstliche Duftstoffe die überzeugende Wiedergabe von Flieder- und Maiglöckchenblüten möglich; mit rein natürlichen Extrakten lässt sich hier nur schwer ein befriedigendes Ergebnis erzielen. Synthetische Duftbausteine sind zudem in der Regel haltbarer und günstiger herzustellen.
Wie alt ist die Parfümerie wirklich?
Die verbreitete Formel „alles begann bei den alten Ägyptern“ greift zu kurz. Lange konnte die Archäologie eine ausgeprägte Duftkultur erst ab 3000 v. Chr. nachweisen. Das Internationale Museum der Parfümerie im französischen Grasse datiert den Beginn der Parfümerie inzwischen auf 7000 v. Chr. – gestützt auf Funde im Nahen Osten, die als Parfüm- und Kosmetikbehältnisse gelten.
Noch weiter zurück reichen Funde aus der Sibudu-Höhle in Südafrika: Dort wurden zerriebene Blätter der Kap-Quitte, die aprikosenartig duften, bereits vor rund 77.000 Jahren auf Schlafmatten verstreut – auch, um Flöhe und Läuse fernzuhalten. Ob damit schon von Parfümerie zu sprechen ist, wird diskutiert. Sicher ist: Die Geschichte des gezielten Einsatzes von Pflanzendüften ist erheblich älter als die ägyptische Hochkultur.
Was auf dem Etikett stehen muss
Parfüm ist rechtlich ein kosmetisches Mittel. Artikel 19 der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 verlangt unter anderem den Namen und die Anschrift der verantwortlichen Person, den Nenninhalt, die Chargennummer und eine Liste der Bestandteile unter der Überschrift „Ingredients“. Für Riech- und Aromastoffe gilt eine Besonderheit: Sie werden gesammelt mit dem Begriff „Parfum“ angegeben.
Einzeln aufgeführt werden nur bestimmte Duftstoffe, und zwar oberhalb definierter Schwellen: mehr als 0,001 Prozent in Mitteln, die auf der Haut verbleiben, und mehr als 0,01 Prozent in Mitteln, die abgespült werden. In der ursprünglichen Fassung des Anhangs III standen dafür 26 Einträge – die Nummern 67 bis 92, darunter 24 Einzelsubstanzen wie Cumarin, Geraniol, Limonene oder Linalool sowie die beiden Flechtenextrakte Eichenmoos und Baummoos. Die häufig zu lesende Zahl „24 kennzeichnungspflichtige Duftstoffe“ und die Zahl „26“ meinen also dasselbe, nur einmal ohne und einmal mit den beiden Extrakten.
Diese Liste ist seit 2023 deutlich länger. Die Verordnung (EU) 2023/1545 hat den Anhang III neu gefasst: 17 bestehende Einträge wurden geändert, zehn gestrichen und 45 neue Einträge (Nummern 327 bis 371) angefügt. Der IKW spricht deshalb von einer Erweiterung auf über 80 Stoffe. Für Verbraucherinnen und Verbraucher heißt das: Auf neueren Etiketten stehen mehr Einzelnamen – nicht, weil mehr Allergene eingesetzt würden, sondern weil mehr Stoffe deklariert werden müssen.
Die Übergangsfristen stehen in den Fußnoten der Verordnung: Produkte, die die neuen Anforderungen nicht erfüllen, durften bis zum 31. Juli 2026 in der Union in Verkehr gebracht und dürfen bis zum 31. Juli 2028 auf dem Unionsmarkt bereitgestellt werden. Wer heute ein Parfüm kauft, kann also noch auf Ware nach altem Kennzeichnungsstand stoßen.
Wer die Sicherheit prüft: Kosmetikverordnung und IFRA-Standards
Neben dem europäischen Recht gibt es ein branchenweites Regelwerk: die IFRA-Standards. Sie setzen Grenzen, beschränken oder verbieten den Einsatz einzelner Duftstoffe, wenn Bedenken gegen deren sichere Verwendung bestehen. IFRA unterscheidet drei Typen von Standards: Verbot (ein Material darf nicht verwendet werden), Beschränkung (Höchstmengen oder erlaubte Produktarten) und Spezifikation (Anforderungen etwa an Reinheit oder Herkunft).
Die Standards beruhen auf Sicherheitsbewertungen des Research Institute for Fragrance Materials (RIFM) und werden von einem unabhängigen Expertengremium geprüft. Verbindlich sind sie für alle IFRA-Mitglieder – nach Verbandsangaben produzieren diese rund 80 Prozent des weltweiten Duftstoffvolumens. Die letzte Verantwortung dafür, ein sicheres Produkt in den Verkehr zu bringen, liegt laut IFRA aber beim jeweiligen Unternehmen.
Weiterlesen zum Thema Duft
Wie ein Duft aufgetragen wird und wie viel davon sinnvoll ist, behandelt der Beitrag So tragen Sie Parfüm richtig auf. Um Haltbarkeit, Mindesthaltbarkeitsdatum und den richtigen Aufbewahrungsort geht es in Praktische Ratschläge zur Lagerung von Parfüm. Weitere Hintergründe auf high-society.de: Wem gehört Dior?, Wem gehört Gucci? und das Porträt zu Brad Pitt.
Häufige Fragen
Was heißt „Parfum“ auf Deutsch?
Im deutschen Sprachgebrauch steht „Parfüm“ sowohl als Sammelbegriff für angenehmen Duft als auch für das Produkt der Parfümerie. Auf dem Etikett hat das Wort eine dritte, rechtliche Bedeutung: Nach Artikel 19 der EU-Kosmetikverordnung werden alle Riech- und Aromastoffe eines Produkts gesammelt mit dem Begriff „Parfum“ in der Zutatenliste angegeben.
Ist Eau de Parfum immer stärker als Eau de Toilette?
Nicht zwingend. Die Bezeichnungen sind gesetzlich nicht definiert, es handelt sich um Branchenkonventionen. Ein Produkt mit acht Prozent Duftölanteil kann bereits als Eau de Parfum angeboten werden. Zudem gilt: Ein höherer Duftölanteil bedeutet nicht automatisch einen intensiveren Geruchseindruck.
Warum steht auf manchen Flakons nur „Parfum“ und auf anderen eine lange Stoffliste?
Weil nur bestimmte Duftstoffe einzeln deklariert werden müssen, und zwar oberhalb von 0,001 Prozent in Produkten, die auf der Haut verbleiben. Enthält ein Duft mehrere dieser Stoffe über der Schwelle, wird die Liste entsprechend lang. Seit der Verordnung (EU) 2023/1545 ist der Kreis dieser Stoffe deutlich größer.
Wie viele Parfümeure gibt es weltweit?
Nach Angaben der IFRA arbeiten weltweit weniger als tausend voll ausgebildete Parfümeure. Die Ausbildung dauert sieben bis zehn Jahre; in dieser Zeit lernen die sogenannten „Nasen“, tausende Gerüche zu erinnern und komplexe Formeln zu komponieren.
Sind synthetische Duftstoffe schlechter als natürliche?
Diese Gleichsetzung trägt nicht. Alle Duftstoffe – natürliche wie synthetische – unterliegen derselben Kosmetikverordnung und denselben IFRA-Standards. Auch die kennzeichnungspflichtigen Stoffe in Anhang III sind zu großen Teilen natürlichen Ursprungs, etwa Limonene aus Zitrusölen oder die Flechtenextrakte Eichen- und Baummoos.
Quellen
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel – Artikel 19 (Kennzeichnung) und Anhang III, EUR-Lex
- Verordnung (EU) 2023/1545 zur Kennzeichnung allergieauslösender Duftstoffe in kosmetischen Mitteln, EUR-Lex
- IFRA Standards – Verbot, Beschränkung, Spezifikation, International Fragrance Association
- How is fragrance made?, International Fragrance Association
- Kennzeichnung von Duftstoffen in Kosmetik, Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW)
- IKW-Beauty-Tipp: Welcher Duft passt zu mir? (Duftablauf, Fixateure), IKW
- Fakten zu Duft und Parfum, haut.de (health&media GmbH)
- Arten von Duftstoffen und ihre Gewinnung, haut.de
- Zum Anfang der Parfümerie, haut.de