Kurz beantwortet
Bei dm stehen Düfte der Marken La Rive und CÂLINE im Regal – beides eigenständige Drittmarken, keine dm-Eigenmarken. Als „Duftzwillinge“ bestimmter Markenparfums bezeichnen die Hersteller ihre Produkte selbst nicht. Solche Gleichsetzungen stammen aus Blogs und Foren. Belegbar sind dagegen die Duftnoten, die Duftfamilie und die Inhaltsstoffe auf der Packung.
Das Wichtigste in Kürze
- Im Produktverzeichnis von dm.de sind Düfte von La Rive und CÂLINE gelistet (abgerufen am 23. August 2026).
- La Rive wird in Deutschland von der La Rive Germany GmbH in Stapelfeld vertrieben, CÂLINE von der Lifestyle Distribution GmbH in Hamburg – beides steht auf den Produktangaben im Handel.
- In keiner der geprüften Hersteller- und Handelsbeschreibungen wird ein Markenparfum als Vorbild genannt.
- Ein Duft selbst ist in der EU nicht als Marke eintragbar: Der EuGH verlangt eine klare, eindeutige und objektive Darstellung, die ein Geruch nicht liefert (Rechtssache C-273/00, Urteil vom 12. Dezember 2002).
- Wer ein Produkt ausdrücklich oder sinngemäß als Imitation eines bekannten Markenparfums bewirbt, handelt nach der Rechtsprechung des EuGH unlauter (Rechtssache C-487/07, Urteil vom 18. Juni 2009).
- Deshalb steht in diesem Ratgeber bewusst keine Tabelle, die einzelne Drogerieprodukte einzelnen Markenparfums zuordnet.
- Belegbar und nachprüfbar sind stattdessen Kopf-, Herz- und Basisnote sowie die vollständige INCI-Liste – beides gibt der Hersteller selbst an.
- Preise ändern sich laufend und unterscheiden sich je nach Größe, Filiale und Aktion; deshalb nennen wir hier keine dm-Preistabelle.
Was ein „Duftzwilling“ ist – und was nicht
„Duftzwilling“, „Dupe“ oder „Parfum-Kopie“ sind keine geschützten Fachbegriffe und keine Herstellerangaben. Es sind Wörter aus der Verbraucher-Community. Gemeint ist damit ein preiswerter Duft, dessen Charakter dem eines teureren Markenparfums ähneln soll.
Wichtig ist die Abgrenzung: Ein Duftzwilling ist keine Fälschung. Eine Fälschung trägt widerrechtlich fremde Marke und Flakonform. Die Düfte, die bei dm im Regal stehen, laufen unter eigenem Namen, eigener Marke und eigener Aufmachung. Was sie von einem Markenparfum unterscheidet, ist nicht nur der Preis, sondern auch die Rezeptur – Ähnlichkeit im Charakter bedeutet nicht Identität in der Zusammensetzung.
Warum es überhaupt günstige Düfte mit ähnlichem Charakter gibt
Der Grund liegt im Schutzrecht. Geschützt sind bei einem Parfum der Markenname, das Logo, oft die Flakonform und die Verpackungsgestaltung. Der Geruch selbst lässt sich dagegen kaum monopolisieren.
Der Europäische Gerichtshof hat das 2002 im Fall Sieckmann festgehalten: Ein nicht visuell wahrnehmbares Zeichen kann zwar grundsätzlich eine Marke sein, aber nur, wenn es sich grafisch klar, eindeutig, in sich abgeschlossen, leicht zugänglich, verständlich, dauerhaft und objektiv darstellen lässt. Für einen Geruch genügt dem Gericht weder eine chemische Formel noch eine Beschreibung in Worten noch die Hinterlegung einer Duftprobe – auch nicht die Kombination daraus. Das Deutsche Patent- und Markenamt führt in seiner Übersicht der schutzfähigen Zeichen entsprechend Wörter, Bilder, Farben, Hologramme, Klänge und Multimediazeichen auf – Gerüche nicht.
Praktische Folge: Wer eine Duftrichtung nachbaut, verletzt damit allein noch kein Markenrecht. Unzulässig wird es erst, wenn mit der fremden Marke geworben wird.
Warum hier keine Zuordnungstabelle steht
Listen nach dem Muster „Produkt X von dm riecht wie Markenparfum Y“ sind rechtlich heikel. Der EuGH hat am 18. Juni 2009 in der Rechtssache C-487/07 (L’Oréal u. a. gegen Bellure u. a.) über genau solche Vergleichslisten für Parfüm-Imitate entschieden. Wer ausdrücklich oder implizit erwähnt, dass seine Ware eine Imitation einer Ware mit notorisch bekannter Marke ist, stellt sie damit als Imitation oder Nachahmung dar; der so erzielte Vorteil gilt als unlautere Ausnutzung des Markenrufs.
Die zugrunde liegende Regel steht in Artikel 4 der Richtlinie 2006/114/EG. Vergleichende Werbung ist danach nur zulässig, wenn sie unter anderem „nicht eine Ware oder eine Dienstleistung als Imitation oder Nachahmung einer Ware oder Dienstleistung mit geschützter Marke oder geschütztem Handelsnamen dar[stellt]“ und „den Ruf einer Marke … nicht in unlauterer Weise“ ausnutzt.
Dazu kommt ein schlichteres Argument: Für die kursierenden Zuordnungen gibt es keine Quelle außer Blogs und Foren. Die Hersteller bestätigen sie nicht. In den Produktbeschreibungen, die wir am 23. August 2026 geprüft haben, taucht kein einziges Markenparfum als Vorbild auf. Eine Tabelle, die eine solche Zuordnung als Tatsache setzt, hätte also weder eine Quelle noch eine rechtlich saubere Grundlage. Wer sich für Markenhistorie interessiert, findet bei uns stattdessen Hintergründe – etwa dazu, wem Dior gehört.
Welche Duftmarken bei dm im Sortiment sind
Im offiziellen Produktverzeichnis von dm.de finden sich Einträge beider Marken, etwa La Rive Extreme Story Eau de Toilette und CÂLINE Nuit de Musc Eau de Parfum (abgerufen am 23. August 2026). Das Sortiment wechselt, und nicht jede Filiale führt dieselben Artikel – die Online-Verfügbarkeit ist deshalb die verlässlichere Auskunft als eine Liste in einem Ratgeber.
Beide Marken sind keine dm-Eigenmarken. La Rive ist eine polnische Duftmarke, die in Deutschland über die La Rive Germany GmbH mit Sitz in Stapelfeld vertrieben wird. Hinter CÂLINE steht laut Produktangabe die Lifestyle Distribution GmbH aus Hamburg. Beide Angaben stehen auf den Produktdatenblättern im Drogeriehandel.
Was tatsächlich auf der Packung steht
Zwei Angaben sind zitierbar, weil sie vom Hersteller stammen: die Duftpyramide und die Inhaltsstoffliste. Die Duftpyramide teilt eine Komposition in Kopfnote (die ersten Minuten), Herznote (der Hauptteil des Verlaufs) und Basisnote (was nach Stunden bleibt). Zwei Beispiele aus den Produktangaben im Handel, Stand 23. August 2026:
| Produkt | Kopfnote | Herznote | Basisnote |
|---|---|---|---|
| La Rive Madame Isabelle Eau de Parfum | Bergamotte, Orange, Mandarine, Orangenblüte | Rose, Jasmin, Mimose, Ylang-Ylang | Tonkabohne, Patschouli, Opoponax, Vanille, Vetiver, weißer Moschus |
| CÂLINE Fleur Noir Eau de Parfum | Rosa Pfeffer, Mandarine, Nashi-Birne | Orangenblüte, Kaffee, Jasmin, Mandeln | Vanille, Patschouli, Zedernholz, Amber |
Der Hersteller ordnet Madame Isabelle einem „chypre-floralen Charakter“ zu – das ist eine Duftfamilie, keine Markenzuordnung. Fleur Noir beschreibt er als sinnlich-elegantes Eau de Parfum. Mehr sagt der Hersteller nicht, und mehr sollte auch ein Ratgeber nicht behaupten.
Die zweite belastbare Angabe ist die INCI-Liste auf der Verpackung. Bei Madame Isabelle beginnt sie mit „Alcohol Denat., Aqua, Parfum …“; einzeln ausgewiesen sind dort unter anderem die deklarationspflichtigen Duftstoffe Linalool, Limonene, Coumarin und Citronellol. Für Menschen mit Duftstoffallergie ist genau diese Liste die relevante Information – nicht die Frage, an welches Markenparfum ein Duft erinnert.
So vergleichen Sie selbst – in fünf Schritten
- Notieren Sie die Duftpyramide Ihres Lieblingsparfums und suchen Sie im Drogerieregal nach Produkten mit überlappenden Noten – vor allem in der Basisnote, denn sie prägt den Nachklang.
- Ordnen Sie beides einer Duftfamilie zu: blumig, fruchtig, orientalisch/amber, chypre, holzig oder aquatisch-frisch. Zwei Düfte aus verschiedenen Familien werden sich nie ähneln, egal was im Forum steht.
- Sprühen Sie nur auf die Haut, nie nur auf den Teststreifen. Papier zeigt die Kopfnote, aber nicht den Verlauf.
- Testen Sie nicht mehr als zwei Düfte pro Termin und warten Sie mindestens vier bis sechs Stunden, bevor Sie urteilen. Die Basisnote entscheidet, nicht der erste Eindruck.
- Prüfen Sie die INCI-Liste, wenn Sie zu Hautreaktionen neigen, und vergleichen Sie die Konzentrationsangabe: Ein Eau de Toilette ist schwächer dosiert als ein Eau de Parfum, unabhängig vom Preis.
Warum hier keine Preistabelle steht
Drogeriepreise sind bewegliche Ziele. Sie unterscheiden sich nach Flakongröße, nach Aktionszeitraum und zwischen Online-Shop und Filiale; ältere Preisangaben in Ratgebern sind regelmäßig überholt. Eine Tabelle mit Cent-genauen Preisen aus einem zwei Jahre alten Text hilft niemandem – sie erzeugt nur falsche Erwartungen an der Kasse.
Verlässlich ist die aktuelle Preisangabe im dm-Online-Shop beziehungsweise am Regal. Was sich allgemein sagen lässt: Düfte dieser Marken bewegen sich im Drogeriesortiment deutlich unterhalb des Preisniveaus der Parfümerie – ein Grund, weshalb man mehrere Düfte ausprobieren kann, ohne ein Vermögen auszugeben.
Häufige Fragen
Welche Duftmarken gibt es bei dm?
Im Produktverzeichnis von dm.de sind unter anderem Düfte von La Rive und CÂLINE gelistet (Stand 23. August 2026). Beide sind Drittmarken, keine dm-Eigenmarken. Welche einzelnen Artikel geführt werden, wechselt und unterscheidet sich je nach Filiale.
Welches dm-Produkt ist der Zwilling von welchem Markenparfum?
Diese Frage lässt sich seriös nicht beantworten. In Verbraucherforen werden einzelne Drogeriedüfte bestimmten Markenparfums zugeordnet; die Hersteller bestätigen solche Zuordnungen nicht. Wir veröffentlichen deshalb keine Zwillingsliste, sondern die Duftnoten, die der Hersteller selbst angibt.
Sind Duftzwillinge legal?
Ein Duft als solcher ist in der EU nicht als Marke eintragbar (EuGH, C-273/00). Ein Produkt mit ähnlichem Charakter unter eigenem Namen zu verkaufen, ist deshalb zulässig. Unzulässig ist die Werbung damit: Wer sein Produkt als Imitation eines bekannten Markenparfums darstellt, nutzt dessen Ruf unlauter aus (EuGH, C-487/07).
Halten günstige Düfte kürzer als teure?
Ein pauschaler Beleg dafür existiert nicht. Entscheidend ist die Konzentration der Duftöle: Ein Eau de Parfum ist höher dosiert als ein Eau de Toilette, und diese Angabe steht auf jedem Flakon – unabhängig vom Preis. Wie lange ein Duft hält, hängt zusätzlich von Hauttyp, Temperatur und Auftragsstelle ab.
Woran erkenne ich eine Fälschung?
Ein Duftzwilling trägt einen eigenen Markennamen und eine eigene Aufmachung. Eine Fälschung imitiert dagegen Marke, Schriftzug und Flakon eines Originals. Produkte, die im regulären Drogeriesortiment unter eigenem Namen stehen, fallen nicht in diese Kategorie.
Quellen
- EuGH, Urteil vom 12.12.2002, Rechtssache C-273/00 (Sieckmann) – Eintragbarkeit von Geruchsmarken
- EuGH, Urteil vom 18.06.2009, Rechtssache C-487/07 (L’Oréal u. a. / Bellure u. a.) – Vergleichslisten für Parfüm-Imitate
- Richtlinie 2006/114/EG über irreführende und vergleichende Werbung, Artikel 4
- Deutsches Patent- und Markenamt: Markenschutz und schutzfähige Zeichen
- dm-Produktverzeichnis: La Rive Extreme Story Eau de Toilette (abgerufen am 23.08.2026)
- Produktangaben La Rive Madame Isabelle Eau de Parfum – Duftnoten, Hersteller, INCI-Liste (abgerufen am 23.08.2026)
- Produktangaben CÂLINE Fleur Noir Eau de Parfum – Duftnoten und Vertrieb (abgerufen am 23.08.2026)