Kurz beantwortet
Junghans ist ein Uhrenhersteller aus Schramberg im Schwarzwald, gegründet 1861. Seit dem 1. Februar 2009 gehört das Unternehmen der Schramberger Unternehmerfamilie Steim; es firmiert seither als Uhrenfabrik Junghans GmbH & Co. KG. Das aktuelle Sortiment besteht aus sechs Linien: Meister, Pilot, Sport, Junghans max bill, FORM und Performance.
Das Wichtigste in Kürze
- Firmierung laut Impressum: Uhrenfabrik Junghans GmbH & Co. KG, Geißhaldenstraße 49, 78713 Schramberg, eingetragen beim Amtsgericht Stuttgart unter HRA 723748.
- Persönlich haftende Gesellschafterin ist die Schramberger Uhrenfabrik GmbH (HRB 728838), vertreten durch den geschäftsführenden Gesellschafter Hannes Steim.
- Gegründet wurde das Unternehmen 1861 von Erhard Junghans; die Uhrenfabrik selbst datiert die Gründung auf den 14. April 1861.
- 1903 war Junghans mit über 3.000 Beschäftigten und über drei Millionen Zeitmessern im Jahr die größte Uhrenfabrik der Welt – das steht so auf der Unternehmensseite.
- 1972 war Junghans offizieller Zeitnehmer der Olympischen Sommerspiele in München.
- 1990 stellte Junghans mit der Mega 1 die weltweit erste funkgesteuerte Armbanduhr vor, gestaltet mit frog design.
- Die Designklassiker der Linie Junghans max bill gehen auf Entwürfe des Schweizer Gestalters Max Bill zurück, der ab 1961 Armbanduhren für Junghans entwarf.
- Aktuelle Mitarbeiterzahlen und Stückzahlen veröffentlicht das Unternehmen nicht; frei kursierende Angaben dazu sind hier gestrichen.
Wem gehört Junghans heute?
Die Eigentümerfrage ist der Punkt, an dem ältere Texte über Junghans regelmäßig veralten. Der Stand ist eindeutig belegbar. Das Impressum von junghans.de nennt als Betreiberin die Uhrenfabrik Junghans GmbH & Co. KG mit Sitz in der Geißhaldenstraße 49 in 78713 Schramberg, eingetragen beim Amtsgericht Stuttgart unter HRA 723748. Persönlich haftende Gesellschafterin ist die Schramberger Uhrenfabrik GmbH (HRB 728838), vertreten durch den geschäftsführenden Gesellschafter Hannes Steim. Die Registerdaten decken sich mit dem Eintrag bei North Data.
Der Weg dorthin: 1956 verlor die Familie Junghans das Unternehmen an die Nürnberger Diehl-Gruppe. Diehl verkaufte die Uhrensparte im Jahr 2000 an die Holding Egana Goldpfeil. Als der Mutterkonzern in Schieflage geriet, stellte die damalige Junghans Uhren GmbH am 29. August 2008 Insolvenzantrag; sie beschäftigte zu diesem Zeitpunkt 115 Mitarbeiter. Zum 1. Februar 2009 übernahmen der Schramberger Unternehmer Hans-Jochem Steim und sein Sohn Hannes den Geschäftsbetrieb, seither firmiert das Unternehmen als Uhrenfabrik Junghans GmbH & Co. KG. 2012 erwarb die Familie Steim zusätzlich wichtige Gebäude auf dem Werksareal in der Geißhalde.
Wichtig zur Einordnung: Den Namen Junghans führen seit 1984 zwei voneinander unabhängige Gesellschaften. Die Uhrenfabrik Junghans GmbH & Co. KG baut Uhren, die Junghans Microtec GmbH ist ein Wehrtechnikunternehmen. Beide gehen auf die frühere Gebrüder Junghans AG zurück, haben heute aber nichts miteinander zu tun.
Von der Ölmühle zur größten Uhrenfabrik der Welt
Die Uhrenfabrik datiert ihre Gründung auf den 14. April 1861. Zur Person des Mitgründers weichen die Quellen voneinander ab: Die Unternehmensdarstellung nennt Erhard Junghans „zusammen mit seinem Schwager“ und die Firma „Zeller & Junghans“, die deutsche Wikipedia beschreibt die Gründung von 1861 als „Gebrüder Junghans“ mit dem aus den USA zurückgekehrten Bruder Xaver. Unstrittig ist der Ort: das Lauterbachtal bei Schramberg, wo zuvor eine wenig erfolgreiche Ölmühle stand. Zunächst entstanden nur Bestandteile für Schwarzwälder Großuhren, ab 1866 die ersten eigenen Uhren.
Die Aussage, Junghans sei einmal die größte Uhrenfabrik der Welt gewesen, ist kein Marketingsatz von außen, sondern steht so auf der eigenen Unternehmensseite: „Wir wollen nicht die größte Uhrenfabrik der Welt sein. Das waren wir nämlich schon.“ Die zugehörige Zahl nennt dieselbe Quelle für das Jahr 1903.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1861 | Gründung in Schramberg, zunächst Fertigung von Uhrenbestandteilen |
| 1866 | Erste eigene Uhren |
| 1888 | Erstes Sternsignet mit „J“; ab 1890 achtzackig |
| 1903 | Über 3.000 Beschäftigte, über 3 Mio. Zeitmesser pro Jahr – größte Uhrenfabrik der Welt |
| 1918 | Fertigstellung des Terrassenbaus, geplant unter Arthur Junghans |
| 1928–1930 | Beginn der Armbanduhrfertigung, ab 1930 eigene Werke |
| 1936 | Erste Armbanduhr mit dem eigenen Kaliber J80 – Grundlage des Prädikats „Meister“ |
| 1956 | Übernahme durch Diehl; Junghans ist drittgrößter Chronometerhersteller der Welt |
| 1961 | Zum 100. Jubiläum: 6.000 Mitarbeiter, täglich 20.000 Uhren, Export in 100 Länder |
| 1972 | Offizieller Zeitnehmer der Olympischen Sommerspiele in München |
| 1990 | Mega 1 – weltweit erste funkgesteuerte Armbanduhr |
| 2009 | Übernahme durch die Familie Steim, Umfirmierung in Uhrenfabrik Junghans GmbH & Co. KG |
| 2018 | Eröffnung des Junghans Terrassenbau Museums im denkmalgeschützten Werksgebäude |
Max Bill und das Junghans-Design
Anfang der 1950er Jahre wollte Junghans eine Küchenuhr von einem Künstler gestalten lassen und wandte sich an den Schweizer Max Bill. Bill, geboren 1908, hatte am Bauhaus in Dessau studiert und war einer der Gründer der Hochschule für Gestaltung in Ulm. Gemeinsam mit Studenten entstand die erste Design-Küchenuhr des Hauses. Ab 1961 entwarf Max Bill die puristischen Armbanduhren, die bis heute die Linie Junghans max bill tragen. Die Bezeichnung „Bauhaus-Designer“ ist dabei verkürzt: Bill war Bauhaus-Schüler, arbeitete aber als Maler, Bildhauer, Grafiker, Architekt und Produktgestalter.
Zweiter Gestaltungsstrang ist der Terrassenbau von 1918, entworfen von dem Architekten Philipp Jakob Manz. Das neunstufig den Hang hinaufsteigende Werksgebäude sollte jedem Arbeitsplatz Tageslicht verschaffen. Es steht unter Denkmalschutz und beherbergt seit Juni 2018 das Junghans Terrassenbau Museum.
Funktechnik: der eigentliche technische Beitrag
1985 präsentierte Junghans die erste serienmäßig gefertigte funkgesteuerte Tischuhr für den privaten Gebrauch. Ein Jahr später, zum 125-jährigen Firmenjubiläum, folgte mit der RCS1 die nach Unternehmensangaben weltweit erste Funkuhr mit Solarantrieb. 1990 gelang die Miniaturisierung: Die Mega 1 war die weltweit erste Funkarmbanduhr, entworfen in Zusammenarbeit mit frog design. Im Januar 1993 war die Kombination aus Funk und Solarantrieb am Handgelenk serienreif, 1995 folgte die Mega Solar Ceramic mit Antenne im Keramikgehäuse.
2004 kam die erste Multifrequenz-Funkarmbanduhr, die die Zeitzeichensender DCF77 in Europa, WWVB in den USA und JJY in Japan empfängt. Die erste deutsche Quarz-Armbanduhr, die Astro-Quartz, zeigte Junghans nach eigener Darstellung 1970 als Vorserie, 1972 ging das Kaliber W666.02 in Serie; die deutsche Wikipedia datiert die Vorstellung auf 1971. Nicht belegt und deshalb gestrichen ist die früher hier stehende Behauptung, Junghans biete Uhren mit Fitness-Tracking und WLAN – die aktuellen Werke sind Funk-, Solar-, Quarz- und Automatikwerke, die App-Anbindung dient der Zeit- und Zoneneinstellung.
Die aktuellen Kollektionen
Der Onlineshop des Herstellers führt am 24. August 2026 sechs Uhrenlinien. Wer nach Modellnamen sucht, sollte sich daran orientieren – im Umlauf sind viele Bezeichnungen, die es so nie gab. Eine „Anytime“-Kollektion und ein Modell „Precision Quartz“ finden sich im Sortiment nicht; beides stand in früheren Fassungen dieses Artikels und ist gestrichen.
- Meister – unter anderem Meister Automatic, Meister Chronoscope, Meister fein Automatic, Meister MEGA Solar, Meister S Automatic, Meister S Chronoscope, Meister S Quarz 35, Meister Damen Automatic
- Pilot – Pilot Automatic
- Sport – 1972 Automatik, 1972 Chronoscope, 1972 Competition, 1972 MEGA Solar
- Junghans max bill – max bill Automatic, max bill Chronoscope, max bill Quarz, max bill MEGA Solar, max bill Damen sowie die Tischuhren
- FORM – FORM A, FORM A Chronoscope, FORM A Titan, FORM Quarz, FORM Damen
- Performance – Force MEGA Solar, Milano Solar, Spektrum MEGA Solar, Spektrum Damen MEGA Solar, Stratos
Die 1972er-Modelle gehören zur Linie Sport, nicht zu Performance. Die in älteren Fassungen genannte „Performance 1972 Chronoscope Solar“ existiert nicht; sie vermischt zwei getrennte Modellfamilien. Auch ein „Meister S Chronograph“ ist keine Junghans-Bezeichnung – die Uhr heißt Meister S Chronoscope. Einen Überblick über Händlerangebote bietet Deutsche Qualitätsuhren von Junghans.
Sieben Modelle mit geprüften Daten
Alle folgenden Angaben stammen von den Produktseiten des Herstellers, abgerufen am 24. August 2026. Preise sind unverbindliche Endpreise inklusive Mehrwertsteuer und können sich jederzeit ändern.
| Modell (Art.-Nr.) | Linie | Werk | Gehäuse | Preis am 24.08.2026 |
|---|---|---|---|---|
| max bill Automatic (27/3501.02) | Junghans max bill | Automatik J800.1, Gangreserve bis 38 h | Edelstahl, Ø 38,0 mm, 5 bar | 1.445,00 € |
| Meister S Chronoscope Date English (27/4228.45) | Meister | Automatik J880.1, Gangreserve 48 h | Edelstahl, Ø 45,0 mm, Höhe 15,9 mm | 2.740,00 € |
| Pilot Automatic (27/4495.00) | Pilot | Automatik J800.1.6, Gangreserve bis 38 h | Edelstahl, Ø 43,3 mm, Höhe 12,5 mm | 2.090,00 € |
| 1972 MEGA Solar (56/4610.00) | Sport | Multifrequenz-Funk-Solarwerk J615.84 | Edelstahl, Ø 43,3 mm, 10 bar | 790,00 € |
| 1972 Chronoscope Sports Edition 2026 (41/4557.00) | Sport | Quarzwerk J645.83 | Edelstahl, Ø 43,3 mm, Höhe 11,3 mm | 890,00 € |
| Force MEGA Solar (18/1001.00) | Performance | Multifrequenz-Funk-Solarwerk J615.84 | Keramik, Ø 40,4 mm, 5 bar | 1.290,00 € |
| FORM Quarz Bauhaus (41/4580.44) | FORM | Quarzwerk J645.37 | Edelstahl PVD, Ø 39,3 mm, 5 bar | 590,00 € |
Bei den Funk-Solar-Werken meint „Dunkelgangreserve“ die Laufzeit ohne Licht. Der Hersteller gibt sie für das Werk J615.84 mit bis zu 21 Monaten an, nach 72 Stunden ohne Licht schaltet die Uhr in einen Sleepmode. Die früher hier genannten „sechs Monate“ finden sich in keiner Herstellerangabe.
Was an der alten Fassung dieses Artikels falsch war
Dieser Text wurde am 24. August 2026 überprüft und in Teilen neu geschrieben. Gestrichen wurden unter anderem: die Angabe, Arthur Junghans habe 1935 mit der Taschenuhrproduktion begonnen (er starb 1920; Taschenuhren kamen ab 1900 über die Fusion mit der Thomas Haller AG ins Programm); die Behauptung, Junghans habe 1972 in München die Meister S Chronoscope vorgestellt (diese Linie ist rund fünf Jahrzehnte jünger); die Angabe „120 Mitarbeiter“ und „täglich über 60.000 Uhren“ (beides ohne Quelle und untereinander unvereinbar); die Einstufung als „drittgrößter Produzent von Quarzuhren weltweit“ (belegt ist der dritte Platz bei Chronometern – im Jahr 1956).
Ebenfalls entfernt wurden zwei Vergleichstabellen und eine Aufzählung zu Patek Philippe, Rolex, Omega, Glashütte Original, Hublot, A. Lange & Söhne, Nomos, Sinn, Erwin Sattler, Laurent Ferrier und Parmigiani Fleurier. Die dort genannten Preise und Zuschreibungen waren nicht belegt und gehören zudem nicht in einen Artikel über Junghans.
Häufige Fragen
Wem gehört Junghans?
Der Uhrenfabrik Junghans GmbH & Co. KG in Schramberg, die seit dem 1. Februar 2009 der Familie Steim gehört. Geschäftsführender Gesellschafter der Komplementärin ist laut Impressum Hannes Steim. Zuvor gehörte die Uhrensparte von 2000 bis 2008 zur Holding Egana Goldpfeil, davor seit 1956 zur Diehl-Gruppe.
Wann wurde Junghans gegründet?
1861 in Schramberg im Schwarzwald. Die Uhrenfabrik nennt selbst den 14. April 1861 als Gründungstag. Erste eigene Uhren entstanden ab 1866.
War Junghans wirklich die größte Uhrenfabrik der Welt?
Für das Jahr 1903 gibt das Unternehmen genau das an: über 3.000 Beschäftigte und über drei Millionen Zeitmesser pro Jahr. Die deutsche Wikipedia nennt dieselbe Zahl und dasselbe Jahr.
Welche Kollektionen gibt es aktuell?
Sechs: Meister, Pilot, Sport, Junghans max bill, FORM und Performance. Stand des Abrufs im Onlineshop des Herstellers ist der 24. August 2026.
Was war die Mega 1?
Die 1990 vorgestellte, weltweit erste funkgesteuerte Armbanduhr. Sie entstand in Zusammenarbeit mit frog design. Vorausgegangen waren 1985 die erste serienmäßige Funk-Tischuhr und 1986 die RCS1 als erste Funkuhr mit Solarantrieb.
Wie viele Uhren baut Junghans heute?
Dazu veröffentlicht das Unternehmen keine Zahl, ebenso wenig zur aktuellen Mitarbeiterzahl. Belegt sind nur historische Werte: 1903 über drei Millionen Zeitmesser im Jahr, 1961 rund 20.000 Uhren täglich bei 6.000 Mitarbeitern, 2008 zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags 115 Beschäftigte.
Quellen
- Uhrenfabrik Junghans: Impressum – Firmierung, Registernummern und Geschäftsführung
- Uhrenfabrik Junghans: Das Unternehmen und die Firmenchronik von 1861 bis heute
- Uhrenfabrik Junghans: Übersicht der aktuellen Kollektionen
- Uhrenfabrik Junghans: Produktseite max bill Automatic (Technik und Preis, abgerufen 24.08.2026)
- Uhrenfabrik Junghans: Produktseite 1972 MEGA Solar (Werk J615.84, Dunkelgangreserve)
- North Data: Registereintrag Uhrenfabrik Junghans GmbH & Co. KG, Amtsgericht Stuttgart HRA 723748
- Wikipedia: Junghans – Firmengeschichte, Eigentümerwechsel und Insolvenz 2008