Welche Firmen gehören zu Hermès?

Welche Firmen gehören zu Hermès International

Kurz beantwortet

Zur Hermès-Gruppe gehören neben der Kernmarke Hermès der Schuhmacher John Lobb, die Silberschmiede Puiforcat und die Kristallmanufaktur Cristalleries Saint-Louis. Dazu kommen Zulieferbetriebe der Uhrensparte: eine Minderheitsbeteiligung von 25 Prozent an Vaucher Manufacture Fleurier sowie der Zifferblatthersteller Natéber und der Gehäusespezialist Joseph Erard. Hermès selbst ist eigenständig und gehört keinem Konzern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hermès International ist eine börsennotierte, familienkontrollierte Kommanditgesellschaft auf Aktien (SCA) und gehört weder zu LVMH noch zu Kering.
  • Die Aktie notiert an der Euronext Paris unter der ISIN FR0000052292; zum 31. Dezember 2025 gab es 105.569.412 Aktien.
  • Komplementär und kontrollierende Instanz ist die Émile Hermès SAS; die Familie bündelt ihre Anteile zusätzlich in der Holding H51.
  • Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Hermès 16.002 Millionen Euro Umsatz, ein Betriebsergebnis von 6.569 Millionen Euro (41,0 Prozent vom Umsatz) und einen Konzernanteil am Nettogewinn von 4.524 Millionen Euro.
  • Ende 2025 beschäftigte die Gruppe 26.494 Menschen, davon 16.349 in Frankreich, und betrieb 294 exklusive Geschäfte.
  • Hermès gliedert sein Geschäft in 16 Métiers; Leder und Sattlerei war 2025 mit 7.070 Millionen Euro die größte Sparte.
  • Gegründet wurde das Haus 1837 von Thierry Hermès in Paris, zunächst als Werkstatt für Zaumzeug und Sättel.
  • Geleitet wird Hermès von Axel Dumas als Executive Chairman, gemeinsam mit Henri-Louis Bauer für die Émile Hermès SAS.

Hermès gehört zu keinem Luxuskonzern

Das ist der häufigste Irrtum zu diesem Unternehmen: Hermès ist nicht Teil von LVMH und auch nicht Teil von Kering. Hermès International bezeichnet sich im Universal Registration Document 2025 selbst als „an independent company backed by family shareholders“. Andere Aktionäre als die Familiengesellschaften halten nach Angaben des Unternehmens keine Beteiligung von mehr als fünf Prozent am Kapital oder an den Stimmrechten.

Die Verwechslung hat einen realen Hintergrund. Im Oktober 2010 gab LVMH überraschend bekannt, rund 17 Prozent an Hermès erworben zu haben. Der Aufbau der Beteiligung führte zu einem jahrelangen Konflikt mit der Gründerfamilie. Ende 2014 wurde er beigelegt: Der überwiegende Teil der von LVMH gehaltenen Hermès-Aktien wurde an die eigenen LVMH-Aktionäre ausgeschüttet. 2017 verkaufte Bernard Arnault die ihm verbliebenen Stücke. Eine Beteiligung von LVMH an Hermès besteht heute nicht.

Marken wie Louis Vuitton, Dior oder Bulgari gehören zu LVMH, Gucci und Balenciaga zu Kering. Keine dieser Marken hat etwas mit Hermès zu tun.

Wem Hermès gehört: Eigentümer- und Rechtsstruktur

Hermès International ist eine société en commandite par actions, im Deutschen eine Kommanditgesellschaft auf Aktien. Diese Rechtsform trennt Kapital und Kontrolle: Die Aktien sind frei handelbar, die Geschäftsführung liegt aber bei den persönlich haftenden Gesellschaftern. Komplementär ist die Émile Hermès SAS, über die die Nachkommen des Gründers die Kontrolle über das Unternehmen ausüben. Zusätzlich bündelt die Familie einen Teil ihrer Anteile in der Holding H51.

Eine tagesaktuelle Prozentaufteilung zwischen Familie, Streubesitz und eigenen Aktien veröffentlicht Hermès nur im jährlichen Universal Registration Document; kursierende Zahlen aus Finanzportalen beziehen sich häufig auf ältere Stichtage und sind deshalb hier nicht wiedergegeben. Belegt ist: Zum 31. Dezember 2025 bestand das Kapital aus 105.569.412 Aktien mit einem Nennwert von 0,51 Euro, der Schlusskurs lag bei 2.122,00 Euro und die Marktkapitalisierung bei 224,02 Milliarden Euro.

Diese Firmen gehören zu Hermès

Anders als LVMH oder Kering hat Hermès kein breites Markenportfolio zugekauft. Die Gruppe besitzt drei eigenständig geführte Häuser und mehrere spezialisierte Zulieferbetriebe, die überwiegend die eigene Fertigung absichern.

UnternehmenTätigkeitZugehörigkeit zu Hermès
John LobbMaßschuhe und Herrenschuhe, gegründet 1866 in Londonseit 1976
PuiforcatSilberschmiede, Besteck und Tafelsilbervollständig seit 1993
Cristalleries Saint-LouisKristallmanufakturseit 1989
Vaucher Manufacture FleurierUhrwerke, Fleurier (Schweiz)25 Prozent seit 2006
NatéberUhren-Zifferblätterseit 2012
Joseph ErardUhrgehäuseseit 2013

Die Beteiligung an Vaucher Manufacture Fleurier ist ausdrücklich eine Minderheitsbeteiligung von 25 Prozent, die Hermès 2006 für rund 25 Millionen Schweizer Franken erwarb. Vaucher gehört nicht mehrheitlich zu Hermès und liefert auch an andere Uhrenmarken. Angaben, Hermès halte 75 Prozent, sind falsch.

Hinzu kommen konzerneigene Produktionsbetriebe, die Hermès in seinem Geschäftsbericht nennt, aber nicht als eigene Marken führt – darunter Gerbereien und eine Manufacture de Métaux. Firmen aus anderen Branchen, etwa Energieversorger, gehören nicht dazu.

16 Métiers statt zugekaufter Marken

Hermès organisiert sich nicht nach Marken, sondern nach Handwerken. Der Konzern spricht von 16 Métiers – von Lederwaren und Sattlerei über Seide und Textilien, Konfektion und Accessoires, Uhren, Schmuck, Parfum und Kosmetik bis zu Tafelkultur und Wohnen. Über 92 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet die Gruppe nach eigenen Angaben in direkt betriebenen Geschäften, nicht über Konzessionäre oder Großhandel.

MétierUmsatz 2025Anteil
Leder und Sattlerei7.070 Mio. €44 %
Konfektion und Accessoires4.525 Mio. €28 %
Weitere Hermès-Sparten (u. a. Schmuck, Tafelkultur)2.055 Mio. €13 %
Seide und Textilien964 Mio. €6 %
Uhren549 Mio. €4 %
Parfum und Kosmetik489 Mio. €3 %
Sonstige Produkte349 Mio. €2 %

Umsatz, Gewinn und Beschäftigte

Drei Kennzahlen werden in Artikeln über Hermès regelmäßig durcheinandergebracht: Umsatz, Gewinn und Marktkapitalisierung. Sie messen völlig Verschiedenes. Die folgenden Werte stammen aus den Veröffentlichungen der Investor-Relations-Seite von Hermès.

KennzahlGeschäftsjahr 20251. Halbjahr 2026
Umsatz16.002 Mio. €8.163 Mio. €
Betriebsergebnis6.569 Mio. € (41,0 %)3.351 Mio. € (41,0 %)
Nettogewinn (Konzernanteil)4.524 Mio. €2.238 Mio. €
Beschäftigte26.49427.107

Gegenüber 2024 mit 15.170 Millionen Euro stieg der Umsatz 2025 um 5,5 Prozent zu aktuellen und um 8,9 Prozent zu konstanten Wechselkursen. Im ersten Halbjahr 2026 legte er zu konstanten Kursen um 6,1 Prozent zu. Die Marktkapitalisierung von 224,02 Milliarden Euro zum Jahresende 2025 ist keine Ertragsgröße, sondern der Börsenwert aller Aktien – sie schwankt täglich.

Wer Hermès führt

Axel Dumas, ein Nachfahre des Gründers in sechster Generation, führt Hermès seit 2013 als Executive Chairman (französisch: gérant). Neben ihm amtiert Henri-Louis Bauer als Executive Chairman in Vertretung der Émile Hermès SAS.

Dem Executive Committee gehören unter anderem Pierre-Alexis Dumas als Artistic Executive Vice-President, Eric du Halgouët für Finanzen, Guillaume de Seynes für die Produktionssparte, Agnès de Villers für Lederwaren und Sattlerei, Florian Craen für Vertrieb und Distribution, Charlotte David für Kommunikation, Wilfried Guerrand für Métiers, IT und Daten, Sharon MacBeath für Personal und Nachhaltigkeit sowie Nicolas Martin als Generalsekretär an.

Häufige Fragen

Gehört Hermès zu LVMH?

Nein. Hermès ist eigenständig und familienkontrolliert. LVMH gab im Oktober 2010 den Erwerb von rund 17 Prozent bekannt und schüttete den überwiegenden Teil dieser Aktien Ende 2014 an die eigenen Aktionäre aus. Heute hält LVMH keine Anteile an Hermès.

Welche Marken gehören zu Hermès?

Als eigenständige Häuser gehören John Lobb (Schuhe), Puiforcat (Silber) und Cristalleries Saint-Louis (Kristall) zur Gruppe. Dazu kommen die Uhren-Zulieferer Natéber und Joseph Erard sowie eine 25-Prozent-Beteiligung an Vaucher Manufacture Fleurier.

Wie hoch ist der Umsatz von Hermès?

Im Geschäftsjahr 2025 lag der Konzernumsatz bei 16.002 Millionen Euro, nach 15.170 Millionen Euro im Jahr 2024. Im ersten Halbjahr 2026 waren es 8.163 Millionen Euro.

Wie viele Geschäfte betreibt Hermès?

Zum Jahresende 2025 waren es 294 exklusive Geschäfte weltweit, davon rund 234 selbst betriebene Filialen; der Rest entfällt auf Konzessionäre.

Was kostet eine Birkin Bag?

Hermès veröffentlicht keine Preisliste. Kursierende Preisspannen und Angaben zu Wartezeiten stammen aus dem Wiederverkaufsmarkt und von Händlern, nicht vom Unternehmen. Verbindlich sind allein die Preise in den Geschäften von Hermès.

Wer leitet Hermès heute?

Axel Dumas, Nachfahre des Gründers Thierry Hermès, ist seit 2013 Executive Chairman. Henri-Louis Bauer amtiert als Executive Chairman für die Émile Hermès SAS, den Komplementär der Gesellschaft.

Quellen