Kurz beantwortet
Berluti gehört dem französischen Luxuskonzern LVMH und wird dort im Geschäftsbereich Mode und Lederwaren geführt. Die Maison wurde 1895 von dem Italiener Alessandro Berluti in Paris gegründet und fertigt bis heute Maßschuhe für Herren; seit 2005 kommen Lederwaren hinzu, seit 2011 Herrenbekleidung. LVMH nennt weltweit 60 Berluti-Boutiquen. Einen eigenen Umsatz weist der Konzern für Berluti nicht aus.
Das Wichtigste in Kürze
- Berluti ist eine der Maisons im LVMH-Geschäftsbereich „Mode und Lederwaren“ (lvmh.com, Stand August 2026).
- Gegründet 1895 in Paris von Alessandro Berluti, einem damals 30-jährigen italienischen Maßschuhmacher.
- Das erste Modell, ein Schnürschuh aus einem einzigen Stück Leder ohne sichtbare Nähte, trägt bis heute den Namen „Alessandro“.
- Erweiterung des Sortiments: 2005 Lederwaren, 2011 Prêt-à-porter für Herren.
- Für ein Paar Maßschuhe nennt LVMH 50 Arbeitsstunden und über 250 Arbeitsgänge.
- LVMH zählt weltweit 60 Berluti-Boutiquen.
- Antoine Arnault wurde 2011 CEO von Berluti; seit Januar 2024 ist er Vorsitzender des Aufsichtsrats der Maison.
- LVMH veröffentlicht Umsatz und Ergebnis nur nach Geschäftsbereichen – nicht für einzelne Maisons wie Berluti.
Wem gehört Berluti?
Berluti ist keine eigenständige Firma mehr, sondern eine Maison der LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton SE. Auf der Konzern-Website führt LVMH Berluti im Geschäftsbereich „Fashion & Leather Goods“ – gemeinsam mit unter anderem Louis Vuitton, Christian Dior Couture, Fendi, Celine, Givenchy, Kenzo, Loewe, Loro Piana, Marc Jacobs, Moynat, Pucci, Rimowa, Barton Perreira und Vuarnet.
Ein Datum für die Übernahme nennt LVMH auf der Maison-Seite nicht; auch in der offiziellen Konzernchronik taucht Berluti nicht auf. Die deutschsprachige Wikipedia datiert den Einstieg von LVMH auf das Jahr 1993. Belegt und unstrittig ist die heutige Zugehörigkeit: LVMH nennt Berluti in jedem seiner Maison-Verzeichnisse.
Wie groß der Eigentümer LVMH ist
LVMH entstand 1987 aus der Fusion von Moët Hennessy und Louis Vuitton. Heute vereint der Konzern nach eigenen Angaben mehr als 75 Maisons in sechs Geschäftsbereichen: Wein und Spirituosen, Mode und Lederwaren, Parfums und Kosmetik, Uhren und Schmuck, selektiver Einzelhandel sowie sonstige Aktivitäten einschließlich Hotellerie und Medien.
| Kennzahl LVMH (Geschäftsjahr 2025) | Wert |
|---|---|
| Konzernumsatz | 80.807 Mio. € (2024: 84.683 Mio. €) |
| Betriebsergebnis (laufende Geschäftstätigkeit) | 17.755 Mio. € – 22,0 % vom Umsatz |
| Konzernergebnis, Anteil der Gruppe | 10.878 Mio. € |
| Umsatz Mode und Lederwaren | 37.770 Mio. € |
| Betriebsergebnis Mode und Lederwaren | 13.209 Mio. € |
| Geschäfte weltweit | 6.280 |
| Beschäftigte | 211.000 in 81 Ländern |
Wichtig für die Einordnung: Die 37.770 Mio. € sind der Umsatz des gesamten Geschäftsbereichs Mode und Lederwaren, in dem Louis Vuitton und Dior die mit Abstand größten Posten stellen. Sie sind weder der Konzernumsatz noch der Umsatz von Berluti.
Die Rolle der Familie Arnault
Bernard Arnault führt LVMH seit 1989 und ist nach Konzernangaben Mehrheitsaktionär; er ist zugleich Verwaltungsratspräsident und Generaldirektor. Über sein persönliches Vermögen kursieren stark schwankende Schätzungen verschiedener Wirtschaftsmedien; LVMH selbst veröffentlicht dazu keine Zahl.
Für Berluti ist vor allem Antoine Arnault prägend. Laut seiner Biografie auf lvmh.com wurde er 2011 zum CEO von Berluti ernannt und startete im selben Jahr die „Journées Particulières“. Seit 2020 verantwortet er als Direktor Image und Umwelt die Kommunikation des Konzerns, seit Dezember 2022 ist er CEO und stellvertretender Verwaltungsratspräsident der Christian Dior SE. Anfang Januar 2024 wechselte er bei Berluti an die Spitze des Aufsichtsrats – die operative Führung der Maison liegt seither nicht mehr bei ihm. Seit Februar 2026 gehört er dem LVMH-Konzernvorstand an.
Seine Schwester Delphine Arnault ist seit dem 1. Februar 2023 Verwaltungsratspräsidentin und CEO von Christian Dior Couture; zuvor war sie ab 2013 Executive Vice President von Louis Vuitton. Alexandre und Frédéric Arnault gehören wie Antoine und Delphine dem Verwaltungsrat von LVMH an.
Die Geschichte der Maison
LVMH beschreibt den Anfang so: Ende des 19. Jahrhunderts kommt ein 30-jähriger Italiener nach Paris, um dort als Maßschuhmacher zu arbeiten. Sein erstes Modell, ein Schnürschuh, trägt seinen Vornamen – Alessandro –, die Maison seinen Nachnamen: Berluti. 1895 entwarf Alessandro Berluti diesen Schuh aus einem einzigen Stück Leder ohne sichtbare Nähte; er ist bis heute das Signaturmodell des Hauses.
Die erste Berluti-Boutique lag in der Pariser Rue du Mont-Thabor unweit der Place Vendôme; LVMH zeigt in seiner Bildergalerie eine historische Aufnahme von Talbinio Berluti vor diesem Laden. Später zog das Haus in die Rue Marbeuf nahe den Champs-Élysées, wo bis heute der Firmensitz liegt. Nach Darstellung der deutschsprachigen Wikipedia eröffnete Alessandros Sohn Torello die Boutique 1928, sein Enkel Talbinio führte 1959 eine Konfektionslinie ein, und seit 1980 prägt Olga Berluti das Haus als eine der wenigen Maß-Schuhmacherinnen überhaupt.
Was Berluti herstellt
Kern des Hauses bleibt der Schuh. Bei einem echten Maßschuh entsteht das Modell nicht aus einer bestehenden Form, sondern nach der Anatomie des jeweiligen Fußes. LVMH beziffert den Aufwand vom ersten Treffen zwischen Maßschuhmacher und Kunde bis zur Auslieferung auf mindestens 50 Arbeitsstunden; Leistenbauer, Modelleur, Zuschneider und Näher führen dabei über 250 Arbeitsgänge aus. Charakteristisch ist die Patina – die aufwendige Oberflächenbehandlung des Leders, unter anderem des hauseigenen Venezia-Leders.
- Schuhe: Maßanfertigung (Bespoke), Halbmaß („demi-mesure“) und Konfektion, darunter der Schnürschuh „Alessandro“ und der Loafer „Andy“.
- Lederwaren: seit 2005, mit der Tasche „Deux Jours“ als bekanntestem Stück.
- Herrenbekleidung: seit 2011, inklusive Maßschneiderei („Grande Mesure“).
Boutiquen und Vertrieb
LVMH nennt für Berluti 60 Boutiquen weltweit. Der Vertrieb läuft damit ganz überwiegend über eigene Geschäfte statt über Kaufhäuser – eine Struktur, die LVMH auch bei anderen Maisons dieses Segments verfolgt. Zum Gesamtnetz des Konzerns gehörten 2025 rund 6.280 Geschäfte aller Marken. Ergänzend betreibt Berluti einen eigenen Onlineshop.
Welche Berluti-Zahlen es nicht gibt
Im Netz kursieren präzise Angaben zu Berluti-Umsätzen, Mitarbeiterzahlen und Einstiegspreisen. Diese Zahlen lassen sich an keiner belastbaren Quelle prüfen, denn LVMH veröffentlicht Umsatz, Ergebnis und Investitionen ausschließlich je Geschäftsbereich, nicht je Maison. Weder im Geschäftsbericht noch in den Quartalsmitteilungen taucht eine Umsatzzahl für Berluti auf. Auch Preisspannen für Maßschuhe nennt der Konzern nicht – ein Bespoke-Paar wird individuell kalkuliert.
Was sich belegen lässt, ist der Aufwand hinter dem Produkt: 50 Arbeitsstunden, über 250 Arbeitsgänge, ein Netz von 60 Boutiquen und die Zugehörigkeit zum umsatzstärksten Geschäftsbereich des weltgrößten Luxuskonzerns.
Berühmte Kunden
LVMH nennt auf der Maison-Seite selbst drei historische Kunden: den Herzog von Windsor, den Schriftsteller Jean Cocteau und den Künstler Andy Warhol. Weitere Namen, die in Artikeln über die Marke auftauchen, sind nicht durch den Konzern bestätigt und bleiben hier deshalb außen vor.
Häufige Fragen
Wem gehört Berluti heute?
Dem französischen Luxuskonzern LVMH. Der Konzern führt Berluti in seinem Geschäftsbereich Mode und Lederwaren, zusammen mit Louis Vuitton, Christian Dior Couture, Fendi, Loewe, Loro Piana und weiteren Maisons.
Gehört Chanel auch zu LVMH?
Nein. Chanel taucht in keinem Maison-Verzeichnis von LVMH auf und ist nicht Teil des Konzerns. Fendi dagegen gehört zu LVMH und steht im selben Geschäftsbereich wie Berluti.
Wer leitet Berluti?
Antoine Arnault war ab 2011 CEO der Maison und ist seit Januar 2024 Vorsitzender ihres Aufsichtsrats. Den Namen eines amtierenden Berluti-Geschäftsführers veröffentlicht LVMH auf seinen Konzernseiten derzeit nicht.
Wie viel Umsatz macht Berluti?
Das ist öffentlich nicht bekannt. LVMH weist Umsätze nur für ganze Geschäftsbereiche aus. Der Bereich Mode und Lederwaren, zu dem Berluti zählt, kam 2025 auf 37.770 Mio. €.
Was macht einen Berluti-Maßschuh aus?
Er wird nicht aus einem bestehenden Modell abgeleitet, sondern nach dem Fuß des Kunden neu entwickelt. LVMH nennt dafür 50 Arbeitsstunden und über 250 Arbeitsgänge, dazu die Wahl von Leisten, Leder und Patina.
Quellen
- LVMH: Maison-Seite Berluti – Geschichte, Savoir-faire, 60 Boutiquen
- LVMH: Kennzahlen 2025 nach Geschäftsbereichen
- LVMH: Konzernkennzahlen 2025 – Maisons, Geschäfte, Beschäftigte
- LVMH: Biografie Antoine Arnault
- LVMH: Biografie Delphine Arnault
- LVMH: Verwaltungsrat und Konzernvorstand
- LVMH: Konzernchronik seit 1987
- Wikipedia: Berluti – Familiengeschichte und Datierung der LVMH-Übernahme