Wem gehört Valentino – Aktuelle Besitzverhältnisse

Wem gehört Valentino

Kurz beantwortet

Valentino gehört mehrheitlich der katarischen Investmentgesellschaft Mayhoola for Investments, die das römische Modehaus 2012 übernahm und weiterhin 70 Prozent hält. Die übrigen 30 Prozent liegen seit Juli 2023 beim französischen Luxuskonzern Kering. Die vereinbarte Option auf eine vollständige Übernahme wurde im September 2025 verschoben – die Eigentümerstruktur bleibt bis mindestens 2028 unverändert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mayhoola for Investments hält 70 Prozent an Valentino, Kering 30 Prozent. Dieser Stand galt zuletzt im Juni 2026 unverändert.
  • Mayhoola ist eine in Katar eingetragene Investmentholding, die von der katarischen Herrscherfamilie geführt und gehalten wird; Sitz ist Doha.
  • Mayhoola übernahm Valentino im Juli 2012 für 700 Millionen Euro von der Beteiligungsgesellschaft Permira.
  • Kering kaufte im Juli 2023 einen Anteil von 30 Prozent für 1,7 Milliarden Euro und vereinbarte dabei einen Weg zur vollständigen Übernahme bis 2028.
  • Am 11. September 2025 teilten Kering und Mayhoola mit, die Vereinbarung überarbeitet zu haben: Die Call-Option wurde aufgeschoben, die Beteiligungsverhältnisse bleiben bis mindestens 2028 wie sie sind.
  • Valentino ist nicht börsennotiert. Kering dagegen ist an der Euronext Paris gelistet; größte Aktionärin ist die Groupe Artémis der Familie Pinault mit 42,23 Prozent.
  • Gründer Valentino Garavani starb am 19. Januar 2026 im Alter von 93 Jahren in Rom. Aus dem Tagesgeschäft hatte er sich bereits 2008 zurückgezogen.
  • Kreativdirektor ist seit 2024 Alessandro Michele. Konzernchef Jacopo Venturini schied im August 2025 aus; Verwaltungsratsvorsitzender ist Rachid Mohamed Rachid.
  • Für 2025 wies Valentino einen Umsatz von 1,12 Milliarden Euro aus – ein Rückgang von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Eigentümerstruktur im Überblick

Wer wissen will, wem Valentino gehört, muss zwei Eigentümer nebeneinander betrachten. Die Mehrheit liegt unverändert in Katar, ein Minderheitsblock in Paris. Beide Seiten haben ihre Beteiligung 2023 vertraglich verknüpft – und diese Verknüpfung 2025 gelockert.

EigentümerAnteilSeit
Mayhoola for Investments (Katar)70 Prozent2012 (zunächst 100 Prozent)
Kering SA (Frankreich)30 ProzentJuli 2023, Kaufpreis 1,7 Milliarden Euro

Andere Quoten kursieren nicht seriös: Valentino ist eine nicht börsennotierte Gesellschaft, ein Streubesitz existiert nicht. Wer Aktien von Valentino kaufen möchte, kann das nicht direkt tun – nur mittelbar über die Kering-Aktie, und auch dann nur mit einem Anteil von 30 Prozent an der Marke.

Kerings Einstieg 2023 – und was aus der Option wurde

Im Juli 2023 erwarb Kering 30 Prozent an Valentino. Der genannte Kaufpreis liegt bei 1,7 Milliarden Euro. Teil der Vereinbarung war ein Pfad, über den Kering die Marke bis 2028 vollständig hätte übernehmen können. Genau dieser Punkt ist der Kern der Frage nach den Besitzverhältnissen – und er hat sich seither verändert.

Am 11. September 2025 machten Kering und Mayhoola öffentlich, dass sie ihre Vereinbarung über die Eigentümerstruktur von Valentino überarbeitet haben. Die Call-Option wurde verschoben; die Beteiligungsverhältnisse bleiben nach dieser Mitteilung bis mindestens 2028 unverändert, Mayhoola behält seine 70 Prozent. Der Schritt fiel in die Anfangsphase des neuen Kering-Chefs Luca de Meo, der den Konzern seit September 2025 führt und dessen erklärtes Ziel der Schuldenabbau ist.

Zum Stand 22. August 2026 gibt es keine Veröffentlichung, nach der Kering die Option ausgeübt oder weitere Anteile erworben hätte. Im Gegenteil: Als Valentino im Juni 2026 seine Zahlen für 2025 vorlegte, wurde das Haus weiterhin als von Mayhoola mit 70 Prozent kontrolliert beschrieben, mit Kering als 30-Prozent-Gesellschafter. Die vollständige Übernahme ist damit weder vollzogen noch abgesagt – sie ist verschoben.

Wer hinter Mayhoola steht

Mayhoola for Investments ist eine nach katarischem Recht errichtete Investmentholding mit Sitz in Doha, die von der katarischen Herrscherfamilie gehalten und geführt wird. Sie investiert gezielt im Luxussegment. Neben Valentino gehören dazu das Pariser Modehaus Balmain (2016 übernommen), der italienische Herrenausstatter Pal Zileri und der türkische Luxushändler Beymen. Die Beteiligung an Anya Hindmarch verkaufte Mayhoola 2019.

Den Kauf von Valentino im Juli 2012 für 700 Millionen Euro führte Rachid Mohamed Rachid, der damalige Chef von Mayhoola. Er wurde anschließend Verwaltungsratsvorsitzender von Valentino und hat diese Rolle bis heute inne. Rachid, ein früherer ägyptischer Handels- und Industrieminister, ist zugleich Vorsitzender von Balmain.

Vom Atelier in Rom zum katarischen Eigentümer

Valentino hat in gut zwei Jahrzehnten fünfmal den Eigentümer gewechselt. Die Kette lässt sich lückenlos nachzeichnen:

JahrVorgangPreis
1960Valentino Garavani eröffnet sein Modehaus in der Via Condotti in Rom, finanziert von seinem Vater und dessen Partner Giancarlo Giammetti–
1998Garavani und Giammetti verkaufen an die Holding di Partecipazioni Industriali (HdP)rund 300 Millionen US-Dollar
2002HdP gibt Valentino an Marzotto Apparel weiter210 Millionen US-Dollar
ab 2007Die Beteiligungsgesellschaft Permira übernimmt vom Marzotto-Konzern2,6 Milliarden Euro
2012Mayhoola for Investments übernimmt Valentino700 Millionen Euro
2023Kering erwirbt 30 Prozent von Mayhoola1,7 Milliarden Euro

Der Permira-Kaufpreis von 2,6 Milliarden Euro bezog sich nicht auf die Modemarke allein, sondern auf die damalige Valentino Fashion Group S.p.A. Zu ihr gehörten neben Valentino auch Hugo Boss, Gianfranco Ferré sowie die Lizenzen für Missoni und MCS Marlboro Classics. Hugo Boss schied am 23. Dezember 2009 aus dem Konsolidierungskreis aus. Als Mayhoola am 11. Juli 2012 zugriff, war das erworbene Paket entsprechend kleiner – es umfasste Valentino und die Lizenz M Missoni. Das erklärt den scheinbaren Widerspruch zwischen 2,6 Milliarden und 700 Millionen Euro.

Valentino Garavani: Rückzug 2008, Tod 2026

Der Namensgeber war seit dem Verkauf 1998 nicht mehr Eigentümer. Als Designer trat Valentino Garavani im September 2007 zurück; seine letzte Haute-Couture-Schau zeigte er am 23. Januar 2008 im Pariser Musée Rodin. Danach hatte er keine operative Rolle mehr im Unternehmen.

Am 19. Januar 2026 starb Garavani im Alter von 93 Jahren in seinem Haus in Rom. Nach Angaben seiner Stiftung starb er friedlich und aus natürlichen Ursachen im Kreis seiner Angehörigen. Mehr als 10.000 Menschen erwiesen ihm bei der Aufbahrung am 21. und 22. Januar die letzte Ehre; die Trauerfeier fand am 23. Januar in der Basilika Santa Maria degli Angeli e dei Martiri statt. Geboren wurde er am 11. Mai 1932 in Voghera in der Lombardei.

Wer Valentino heute führt

Kreativdirektor ist seit 2024 Alessandro Michele. Er wurde im März 2024 berufen, nachdem Pierpaolo Piccioli das Haus nach 25 Jahren verlassen hatte – Piccioli war seit 2008 für die Kollektionen verantwortlich, bis 2016 gemeinsam mit Maria Grazia Chiuri, danach allein. Piccioli ist inzwischen Kreativdirektor von Balenciaga. Micheles erste Prêt-à-porter-Kollektion nach dem Tod des Gründers zeigte er am 13. März 2026 im Palazzo Barberini in Rom.

Auf der Managementebene gab es 2025 einen Einschnitt: Jacopo Venturini, seit 2020 Chief Executive Officer, legte das Amt zum 13. August 2025 aus persönlichen Gründen und im gegenseitigen Einvernehmen nieder. Einen Nachfolger an der Konzernspitze hat Valentino seither nicht öffentlich benannt. Als Kandidat galt Riccardo Bellini, Managing Director von Mayhoola, der die Strategie und das operative Geschäft der Beteiligungen des Fonds verantwortet. Besetzt wurden dagegen mehrere Positionen darunter: Esther Hörmann wurde im Januar 2026 CEO für Europa, Antonio Achille übernahm zum 8. April 2026 als Chief Operating and Transformation Officer.

Was Valentino umsetzt

Weil Valentino nicht börsennotiert ist und Kering die Marke nicht als eigenes Berichtssegment ausweist, sind belastbare Zahlen selten. Die zuletzt veröffentlichte Größe: 1,12 Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2025, ein Minus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ältere, in vielen Texten wiederholte Angaben – etwa 1,4 Milliarden Euro Umsatz bei 350 Millionen Euro EBITDA oder Filialzahlen im Bereich von 200 Geschäften – lassen sich keiner Veröffentlichung des Unternehmens zuordnen und werden hier nicht wiedergegeben.

Ein juristischer Vorgang belastete zuletzt eine Tochtergesellschaft: Die auf Accessoires spezialisierte Valentino Bags Lab S.r.l. stand unter gerichtlicher Verwaltung. Ein italienisches Gericht beendete diese Aufsicht im April 2026 vorzeitig.

Zum Vergleich die Größenordnung des Minderheitsgesellschafters: Kering setzte 2025 konzernweit 14,67 Milliarden Euro um. Vorsitzender des Verwaltungsrats ist François-Henri Pinault, Konzernchef seit September 2025 Luca de Meo.

Häufige Fragen

Wem gehört Valentino aktuell?

Zu 70 Prozent der katarischen Investmentgesellschaft Mayhoola for Investments, zu 30 Prozent dem französischen Konzern Kering. Dieser Stand gilt seit Juli 2023 und wurde zuletzt im Juni 2026 bestätigt.

Hat Kering Valentino inzwischen ganz übernommen?

Nein. Kering und Mayhoola haben ihre Vereinbarung im September 2025 überarbeitet und die Option auf eine Komplettübernahme aufgeschoben. Die Eigentümerstruktur bleibt danach bis mindestens 2028 unverändert. Eine Ausübung der Option ist bis heute nicht veröffentlicht worden.

Wie viel hat Kering für die 30 Prozent gezahlt?

1,7 Milliarden Euro. Der Kauf wurde im Juli 2023 vollzogen. Zum Vergleich: Mayhoola hatte 2012 für 100 Prozent des Unternehmens 700 Millionen Euro gezahlt.

Gehört Valentino Garavani noch etwas an der Marke?

Nein. Der Gründer und sein Partner Giancarlo Giammetti verkauften das Unternehmen bereits 1998. Garavani zog sich 2008 auch als Designer zurück und starb am 19. Januar 2026 im Alter von 93 Jahren in Rom.

Ist Valentino an der Börse notiert?

Nein. Valentino ist eine nicht börsennotierte Gesellschaft in privater Hand. Nur der Minderheitsgesellschafter Kering ist an der Euronext Paris gelistet; dessen größte Aktionärin ist die Groupe Artémis der Familie Pinault mit 42,23 Prozent des Kapitals.

Wer entwirft heute die Kollektionen?

Alessandro Michele, seit 2024. Er kam von Gucci und folgte auf Pierpaolo Piccioli, der Valentino nach 25 Jahren verließ und heute Balenciaga führt.

Quellen