Wem gehört Salvatore Ferragamo: Eigentümerstruktur

Wem gehört Salvatore Ferragamo

Kurz beantwortet

Salvatore Ferragamo S.p.A. ist ein eigenständiges italienisches Unternehmen mit Sitz in Florenz und seit dem 29. Juni 2011 an der Mailänder Börse notiert. Kontrolliert wird es von der Familienholding Ferragamo Finanziaria S.p.A., die 54,276 % des Kapitals und wegen des Mehrstimmrechts 66,009 % der Stimmrechte hält. Ferragamo gehört zu keinem der großen Luxuskonzerne.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ferragamo Finanziaria S.p.A. hält 91.611.810 Aktien – 54,276 % des Kapitals und 66,009 % der Stimmrechte.
  • Das Grundkapital beträgt 16.879.000 € und ist in 168.790.000 Stammaktien eingeteilt.
  • Salvatore Ferragamo S.p.A. unterliegt der Leitung und Koordination durch Ferragamo Finanziaria.
  • Zweitgrößter Aktionär ist Majestic Honour Limited mit 5,986 % des Kapitals und 3,640 % der Stimmrechte.
  • Der Streubesitz liegt bei 37,893 % des Kapitals und 29,230 % der Stimmrechte.
  • Seit dem 6. März 2025 gibt es keinen Konzernchef: Nach der einvernehmlichen Trennung von Marco Gobbetti liegen die exekutiven Befugnisse beim Verwaltungsratspräsidenten Leonardo Ferragamo.
  • Im Geschäftsjahr 2025 sank der Umsatz um 5,7 % auf 977 Mio. €; das bereinigte Nettoergebnis war mit 3 Mio. € negativ.
  • Im ersten Halbjahr 2026 lag der Umsatz bei 468 Mio. €, der Betriebsgewinn bei 21 Mio. €.
  • Zum 30. Juni 2026 betrieb die Gruppe 349 eigene Geschäfte; vertreten ist sie in über 90 Ländern.

Die Eigentümerstruktur im Detail

Die folgende Aufstellung stammt aus dem Bereich „Shareholding“ der Investor-Relations-Seite des Unternehmens. Sie beruht auf den Meldungen nach Artikel 114 und 120 des italienischen Finanzmarktgesetzes (TUF).

AktionärAktien% Kapital% Stimmrechte
Ferragamo Finanziaria S.p.A.91.611.81054,276 %66,009 %
Majestic Honour Limited10.104.6005,986 %3,640 %
Eigene Aktien3.113.3021,845 %1,121 % (ruhend)
Streubesitz63.960.28837,893 %29,230 %

Am 27. Dezember 2025 teilte das Unternehmen zudem die Kündigung des bestehenden Aktionärsbindungsvertrags mit.

Warum 66 Prozent nicht 66 Prozent sind

Die Zahl 66,09 % steht in vielen Texten als Kapitalanteil der Familie – das ist falsch. Ferragamo kennt ein Mehrstimmrecht („loyalty shares“): Wer Aktien lange genug hält und sich eintragen lässt, erhält bis zu zwei Stimmen je Aktie. Die Gesamtzahl der Stimmrechte lag zum 5. November 2025 bei 277.574.420 – deutlich über der Zahl der Aktien.

Dadurch fällt beides auseinander: Ferragamo Finanziaria besitzt gut die Hälfte des Kapitals (54,276 %), verfügt aber über zwei Drittel der Stimmen (66,009 %). Wer die Familienbeteiligung beschreiben will, muss also sagen, welche der beiden Größen gemeint ist.

Ferragamo gehört zu keinem Luxuskonzern

Anders als etwa Gucci, das zur französischen Kering-Gruppe gehört, oder Cartier, das eine Maison der Schweizer Richemont-Gruppe ist, ist Ferragamo bis heute nicht Teil eines großen Luxuskonzerns. Weder LVMH noch Kering noch Richemont führen die Marke in ihren Maison-Verzeichnissen. Die Muttergesellschaft ist die Familienholding Ferragamo Finanziaria, und die Gruppenspitze bleibt Salvatore Ferragamo S.p.A. selbst.

Die Gesellschaft folgt dem traditionellen italienischen Modell aus Hauptversammlung, Verwaltungsrat (Consiglio di Amministrazione), Aufsichtsgremium der Rechnungsprüfer (Collegio Sindacale) und externer Prüfungsgesellschaft. Abschlussprüfer ist KPMG S.p.A.

Wer das Unternehmen führt

Am 3. Februar 2025 gaben Unternehmen und Vorstandschef Marco Gobbetti bekannt, Anstellungs- und Mandatsverhältnis einvernehmlich zu beenden – wirksam mit der Billigung des Jahresabschlusses 2024 am 6. März 2025. Die exekutiven Befugnisse gingen auf den Verwaltungsratspräsidenten über, unterstützt von einem Übergangsgremium aus James Ferragamo, Ernesto Greco und Michele Norsa als Sonderberater. Ein Nachfolger sollte über den bestehenden Nachfolgeplan gefunden werden.

Stand August 2026 nennt die Governance-Seite des Unternehmens keinen amtierenden Chief Executive Officer. Der Verwaltungsrat setzt sich so zusammen:

FunktionPerson
Exekutiver PräsidentLeonardo Ferragamo
VizepräsidentinAngelica Visconti
Exekutive VerwaltungsräteGiacomo (James) Ferragamo, Ernesto Greco
Nicht-exekutive VerwaltungsräteNiccolò Ferragamo, Umberto Tombari
Unabhängige VerwaltungsräteLaura Donnini, Sara Ferrero, Patrizia Michela Giangualano (Lead Independent Director)
Vorsitz Collegio SindacaleGabriele Grignaffini

Zur Kreativdirektion äußerte sich das Unternehmen zuletzt am 11. Februar 2026: Es wies Berichte einzelner Medien über einen bevorstehenden Wechsel ausdrücklich zurück, ohne weitere Angaben zu machen.

Geschäftszahlen 2025 und erstes Halbjahr 2026

Ferragamo bilanziert nach Kalenderjahr. Die Gruppe steckt seit mehreren Jahren in einer Umsatzdelle; die öffentlich kursierende Angabe von „über 1,2 Milliarden Euro Jahresumsatz“ ist überholt.

KennzahlGeschäftsjahr 20251. Halbjahr 2026
Umsatz977 Mio. € (−5,7 %; −3,8 % währungsbereinigt)468 Mio. € (−1,3 %; +1,9 % währungsbereinigt)
Vorjahreswert Umsatz1.035 Mio. € (2024)474 Mio. € (1. Halbjahr 2025)
Betriebsergebnis24 Mio. € bereinigt (2024: 35 Mio. €)21 Mio. € (Vorjahr: −3 Mio. € bereinigt)
Nettoergebnis−3 Mio. € bereinigt (2024: +16 Mio. €)1,5 Mio. € (Vorjahr: −16 Mio. € bereinigt)

Für 2025 beschloss der Verwaltungsrat, den Bilanzgewinn von 6.365.851 € in die außerordentliche Rücklage einzustellen – eine Dividende wurde nicht vorgeschlagen. Im Mai 2026 startete das Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm.

Im ersten Halbjahr 2026 entwickelten sich die Regionen währungsbereinigt sehr unterschiedlich: Nordamerika legte um 15,4 % zu, Mittel- und Südamerika um 6,8 %, während Europa um 8,6 %, Asien-Pazifik um 3,0 % und Japan um 1,0 % nachgaben. Nach Produktgruppen entfielen 45,4 % des Umsatzes auf Schuhe, 40,8 % auf Lederwaren, 7,8 % auf Seide und Sonstiges sowie 6,0 % auf Bekleidung. Der Direktvertrieb stand für 77,7 % der Erlöse, der Großhandel für 19,9 %.

Das Filialnetz

Ferragamo verkauft über eigene Monomarken-Geschäfte (DOS), über von Partnern betriebene Monomarken-Flächen (TPOS) und über Kaufhäuser und Fachhändler. Zum 30. Juni 2026 zählte die Gruppe 349 eigene Geschäfte, neun weniger als am 31. Dezember 2025.

RegionEigene Geschäfte am 30.06.2026
Asien-Pazifik150
EMEA62
Japan53
Nordamerika52
Mittel- und Südamerika32
Gesamt349

Von der Schuhwerkstatt zur börsennotierten Gruppe

Die folgenden Stationen stammen aus der Firmenchronik auf der Konzernseite.

JahrMeilenstein
1927Salvatore Ferragamo gründet in Florenz seine erste Gesellschaft für Damenschuhe
1938erste eigene Geschäfte in Florenz, Rom und London
1948erstes eigenes Geschäft in den USA (New York)
1965erste Kollektionen für Lederwaren und Damen-Prêt-à-porter
1971Aufbau der Seiden- und Accessoire-Kollektion
1986–1999erste eigene Geschäfte in Hongkong, Japan, China, Südkorea und Mexiko-Stadt
1995Eröffnung des Museo Salvatore Ferragamo in Florenz
1997Gründung von Ferragamo Parfums als Gemeinschaftsunternehmen mit Bulgari
2001Übernahme des Bulgari-Anteils an Ferragamo Parfums
2008–2009Start der Uhrenlinie, erster Flagship-Store im Nahen Osten, Start von ferragamo.com mit E-Commerce
2011Börsengang an der Mailänder Börse am 29. Juni

Das Sortiment umfasst heute Schuhe, Lederwaren, Bekleidung, Seidenwaren und Accessoires für Damen und Herren. Brillen, Uhren und Parfums werden von Lizenznehmern hergestellt. Die Produkte entstehen seit den 1960er-Jahren in einem ausgewählten Netz italienischer Werkstätten.

Häufige Fragen

Gehört Ferragamo zu LVMH oder Kering?

Nein. Ferragamo ist ein eigenständiges börsennotiertes Unternehmen. Kontrolliert wird es von der Familienholding Ferragamo Finanziaria S.p.A., die auch die Leitung und Koordination ausübt.

Wie hoch ist der Familienanteil genau?

Ferragamo Finanziaria hält 54,276 % des Grundkapitals. Wegen des Mehrstimmrechts entspricht das 66,009 % der Stimmrechte. Beide Werte stehen im Bereich „Shareholding“ der Unternehmensseite.

Wer ist der Vorstandsvorsitzende von Ferragamo?

Derzeit gibt es keinen. Nach der Trennung von Marco Gobbetti im März 2025 liegen die exekutiven Befugnisse beim exekutiven Verwaltungsratspräsidenten Leonardo Ferragamo. Ein neuer CEO ist auf den Governance-Seiten des Unternehmens nicht ausgewiesen.

Wie viel Umsatz macht Ferragamo?

2025 waren es 977 Mio. € nach 1.035 Mio. € im Jahr 2024. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Umsatz bei 468 Mio. € und damit währungsbereinigt leicht über dem Vorjahreszeitraum.

Wie viele Geschäfte betreibt Ferragamo?

Zum 30. Juni 2026 waren es 349 eigene Monomarken-Geschäfte. Hinzu kommen von Partnern betriebene Flächen und der Großhandel; insgesamt ist die Gruppe in über 90 Ländern vertreten.

Quellen