Kurz beantwortet
„Veganes Parfüm“ ist kein rechtlich geschützter Begriff. In der EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 kommt das Wort „vegan“ kein einziges Mal vor. Gemeint ist ein Duft ohne Rohstoffe tierischen Ursprungs. Orientierung geben ausschließlich private Siegel wie das V-Label oder die Vegan Trademark. Tierversuche sind eine davon getrennte Frage – für Kosmetik sind sie in der EU ohnehin verboten.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Begriff „vegan“ ist für Kosmetik nicht gesetzlich definiert; in der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 taucht er nicht auf.
- Das V-Label definiert „vegan“ als frei von jeglichen Zutaten tierischen Ursprungs – ausdrücklich auch ohne Bienenwachs, Wollfett/Lanolin, Schellack und Honig.
- Das V-Label wurde 1996 in der Schweiz begründet; nach eigenen Angaben tragen es weltweit über 70.000 Produkte von mehr als 4.800 Lizenznehmenden.
- Die Vegan Trademark der britischen Vegan Society zertifiziert nach eigenen Angaben seit 1990 und umfasst ebenfalls über 70.000 Produkte.
- Artikel 18 der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 verbietet Tierversuche für Kosmetik in der EU und das Inverkehrbringen entsprechend getesteter Mittel; die Fristen liefen am 11. März 2009 bzw. 11. März 2013 ab.
- Werbeaussagen, die einen Nutzen versprechen, der nur in der Erfüllung gesetzlicher Mindestanforderungen besteht, sind nach Verordnung (EU) Nr. 655/2013 unzulässig.
- Leaping Bunny prüft die Tierversuchsfreiheit entlang der Lieferkette, nicht die vegane Rezeptur – die Siegel beantworten also verschiedene Fragen.
- Überprüfbar vegan ausgelobte Düfte gibt es in jeder Preisklasse: von 7,99 € für 10 ml Eau de Toilette bis 145,00 € für 100 ml Eau de Parfum (Stand 24.08.2026).
Was „vegan“ bei Parfüm tatsächlich bedeutet
Wer im Gesetz nach einer Definition sucht, findet keine. Eine Volltextprüfung der deutschen Fassung der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel ergibt null Fundstellen für das Wort „vegan“. Die Verordnung regelt Sicherheit, Kennzeichnung, Inhaltsstoffverbote und Werbeaussagen – eine Zutatenphilosophie regelt sie nicht.
Die praktisch maßgebliche Definition stammt deshalb von privaten Siegelgebern. Das V-Label formuliert sie so: „Vegan sind Produkte, die keine Erzeugnisse tierischen Ursprungs sind und bei denen auf allen Produktions- und Verarbeitungsstufen keine Zutaten, Inhaltsstoffe oder Komponenten (wie z.B. Zusatzstoffe, Trägerstoffe, Aromen, Duftstoffe und Enzyme) … tierischen Ursprungs … zugesetzt oder verwendet worden sind.“ Ausdrücklich ausgeschlossen sind unter anderem tierisches Wachs wie Bienenwachs, Wollfett/Lanolin und Schellack, Honig, Gelée Royale, Farbstoffe tierischen Ursprungs sowie Stoffe, die mit Tierkohle behandelt oder mit Fischblase geklärt wurden.
Für Düfte ist das die entscheidende Liste. Klassische Duftrohstoffe wie Ambra, Moschus, Zibet oder Castoreum sind tierischen Ursprungs und fallen damit unter den Ausschluss; ebenso Bienenwachs-Absolue, Lanolin und Schellack, die als Trägerstoffe oder Fixateure eingesetzt werden können. Moderne Parfümerie ersetzt diese Rohstoffe weitgehend durch synthetische Moleküle. The Body Shop beschreibt den Moschus im hauseigenen White Musk® Eau de Parfum ausdrücklich als „tierversuchsfreien“ beziehungsweise „cruelty-free“ Moschus und weist das Produkt als vegan aus.

Tierversuchsfrei ist in der EU Pflicht, nicht Auszeichnung
Artikel 18 der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 trägt die Überschrift „Tierversuche“ und untersagt vier Dinge: das Inverkehrbringen von kosmetischen Mitteln, deren endgültige Zusammensetzung durch Tierversuche bestimmt wurde; dasselbe für einzelne Bestandteile oder Kombinationen von Bestandteilen; die Durchführung von Tierversuchen mit kosmetischen Fertigerzeugnissen in der Union; und die Durchführung von Tierversuchen mit Bestandteilen, sobald validierte Alternativmethoden vorliegen.
Die Übergangsfristen sind seit Langem abgelaufen. Für den Großteil der Verbote endete der Umsetzungszeitraum laut Artikel 18 Absatz 2 am 11. März 2009. Für Versuche zur Toxizität bei wiederholter Verabreichung, zur Reproduktionstoxizität und zur Toxikokinetik endete er am 11. März 2013.
Daraus folgt ein Punkt, den Produktwerbung oft verwischt: „Ohne Tierversuche“ ist bei in der EU verkaufter Kosmetik keine Besonderheit, sondern gesetzliche Grundvoraussetzung. Die Verordnung (EU) Nr. 655/2013 zieht daraus ausdrücklich die Konsequenz. In ihrem Anhang heißt es unter „Einhaltung von Rechtsvorschriften“: „Werbeaussagen, die die Vorstellung vermitteln, dass ein Produkt einen bestimmten Nutzen hat, der jedoch nur in der Erfüllung der rechtlichen Mindestanforderungen besteht, sind unzulässig.“ Dieselbe Verordnung verlangt, dass jede Werbeaussage – explizit oder implizit – durch hinreichende und überprüfbare Nachweise belegt wird.
Vegan und tierversuchsfrei sind zwei verschiedene Aussagen
Die beiden Begriffe werden im Handel regelmäßig vermischt, prüfen aber Unterschiedliches. „Vegan“ ist eine Aussage über die Rezeptur: Kein Inhaltsstoff stammt vom Tier. „Tierversuchsfrei“ ist eine Aussage über das Prüfverfahren: Weder das Produkt noch seine Rohstoffe wurden im Tierversuch getestet. Ein Duft kann rein pflanzlich und synthetisch formuliert und trotzdem an Tieren getestet worden sein – etwa für einen Markt außerhalb der EU. Umgekehrt kann ein tierversuchsfrei zertifiziertes Produkt Bienenwachs oder Lanolin enthalten und ist dann nicht vegan.
Das lässt sich an den Standards selbst ablesen. Der Leaping-Bunny-Standard – „The Corporate Standard of Compassion for Animals“, betrieben von der American Anti-Vivisection Society auf Grundlage des von der Coalition for Consumer Information on Cosmetics gebilligten Standards – verlangt unter anderem einen festen Stichtag („Fixed Cut-off Date“), ein Lieferantenüberwachungssystem und Konformitätserklärungen aller Zulieferer für Rohstoffe und Fertigprodukte. Über vegane Rezepturen sagt er nichts. Das V-Label wiederum prüft die Zutaten, nicht die Testhistorie.
Die drei relevanten Siegel im Vergleich
| Siegel | Träger | Was geprüft wird | Eckdaten laut Anbieter |
|---|---|---|---|
| V-Label | V-Label GmbH, ursprünglich Schweiz | Zutaten und Verarbeitungshilfsstoffe auf allen Produktionsstufen | 1996 begründet; über 70.000 Produkte, mehr als 4.800 Lizenznehmende |
| Vegan Trademark | The Vegan Society, Vereinigtes Königreich | Vegane Zusammensetzung von Produkten und Zutaten | zertifiziert seit 1990; über 70.000 Produkte weltweit |
| Leaping Bunny | AAVS auf Basis des CCIC-Standards (USA/Kanada) | Tierversuchsfreiheit inklusive Lieferkette, mit festem Stichtag | Corporate Standard of Compassion for Animals; Lieferantenüberwachung verpflichtend |
Marken, deren vegane Auslobung überprüfbar ist
Entscheidend ist, dass die Aussage „vegan“ von der Marke selbst kommt und am Produkt nachlesbar ist – nicht aus einer Blogliste. Die folgenden drei Beispiele haben wir am 24. August 2026 direkt auf den Herstellerseiten geprüft. Preise sind Herstellerangaben für Deutschland zum Abrufdatum und können sich ändern.
| Marke | Produkt | Füllmenge und Preis (Stand 24.08.2026) | Grundlage der Auslobung |
|---|---|---|---|
| The Body Shop | White Musk® Eau de Parfum | 30 ml, 34,90 € (thebodyshop.de) | Produktseite weist „Vegan“ aus; Noten laut Hersteller Aldehyde, Jasmin und tierversuchsfreier Moschus; Flakon aus 42 % Recyclingglas |
| Bastille | Eau de Parfum, acht Düfte (u. a. 14 Juillet, Rayon Vert, Pleine Lune) | 15 ml 39,00 € / 50 ml 98,00 € / 100 ml 145,00 € (bastilleparfums.com) | Herstellerseite: „Perfumes certified by PETA – Vegan and Cruelty-free“, Angabe „95 % natural“, Produktion in Frankreich |
| Jean&Len | Rosemary/Ginger Eau de Parfum | 30 ml, 49,99 €; Eau de Toilette 10 ml, 7,99 € (jeanlen.de) | Marke tritt als „Vegane Kosmetikprodukte“ auf und kennzeichnet Produkte im Shop einzeln als vegan |
Ein Hinweis zur Genauigkeit: The Body Shop wirbt im Fußbereich der deutschen Website mit „100 % Vegetarisch“ und der Zertifizierung durch die Vegan Society, nicht mit „100 % vegan“ für das Gesamtsortiment. Die vegane Auszeichnung gilt also pro Produkt, nicht pauschal für die Marke. Genau so muss man solche Angaben lesen.
So prüfen Sie eine Auslobung selbst
- Steht „vegan“ auf der Produktseite des Herstellers oder nur in fremder Werbung? Nur die Herstellerangabe zählt.
- Bezieht sich die Angabe auf dieses Produkt oder auf die Marke insgesamt? Das ist selten dasselbe.
- Wird ein Siegel genannt – V-Label, Vegan Trademark, Leaping Bunny, PETA – und lässt es sich in dessen Datenbank wiederfinden?
- Wird „tierversuchsfrei“ als Alleinstellungsmerkmal verkauft? In der EU ist das der gesetzliche Normalfall.
- Enthält die INCI-Liste Beeswax (Cera Alba), Lanolin, Shellac, Honey oder Carmine? Dann ist das Produkt nicht vegan.
Dieselbe Prüflogik gilt für vegane Kosmetik insgesamt: Wer die Angabe des Herstellers und das Siegel zusammen prüft, kommt ohne Vermutungen aus.
Anwendung und Lagerung
Vegane Düfte werden nicht anders angewendet als andere. Sinnvoll bleibt, was für alle alkoholischen Duftwässer gilt: auf die Haut sprühen statt auf Kleidung, an warmen Stellen wie Handgelenken und Hals auftragen, nicht verreiben.

Für die Lagerung gilt: kühl, trocken und dunkel, am besten in der Originalverpackung und nicht im Badezimmer. Licht und Temperaturschwankungen setzen Duftstoffen zu. The Body Shop weist beim White Musk® Eau de Parfum außerdem darauf hin, die Pumpe vor dem Recycling von Flasche und Verschluss zu entfernen – ein Detail, das viele Flakons betrifft.
Häufige Fragen
Ist „veganes Parfüm“ ein geschützter Begriff?
Nein. Die EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 enthält den Begriff nicht. Verbindlich sind allein die allgemeinen Regeln für Werbeaussagen aus Artikel 20 dieser Verordnung und der Verordnung (EU) Nr. 655/2013: Jede Aussage muss belegbar und darf nicht irreführend sein.
Bedeutet vegan automatisch tierversuchsfrei?
Nein. Die Aussagen betreffen verschiedene Dinge: die Rezeptur einerseits, das Prüfverfahren andererseits. Für Kosmetik, die in der EU in Verkehr gebracht wird, gilt das Tierversuchsverbot nach Artikel 18 der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 allerdings unabhängig davon, ob das Produkt vegan ist.
Welche Inhaltsstoffe schließt ein veganes Parfüm aus?
Nach der V-Label-Definition alles tierischen Ursprungs, ausdrücklich auch Bienenwachs, Wollfett/Lanolin, Schellack, Honig, Gelée Royale und Farbstoffe tierischen Ursprungs. In der INCI-Liste erscheinen diese Stoffe unter anderem als Cera Alba, Lanolin, Shellac, Mel und Carmine.
Halten vegane Parfüms kürzer als andere?
Dazu liegen uns keine belastbaren Vergleichsdaten vor. Haltbarkeit auf der Haut hängt von Duftstoffkonzentration und Zusammensetzung ab, nicht davon, ob ein Rohstoff tierischen Ursprungs ist. Wer Wert auf Standfestigkeit legt, achtet auf die Konzentrationsstufe – Eau de Parfum ist stärker dosiert als Eau de Toilette.
Sind vegane Düfte teurer?
Nicht grundsätzlich. Die hier geprüften Beispiele reichen von 7,99 € für 10 ml Eau de Toilette bei Jean&Len bis 145,00 € für 100 ml Eau de Parfum bei Bastille (Stand 24.08.2026). Der Preis richtet sich wie sonst auch nach Marke, Konzentration und Füllmenge.
Quellen
- EUR-Lex: Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel – Artikel 18 Tierversuche
- EUR-Lex: Verordnung (EU) Nr. 655/2013 – gemeinsame Kriterien für Werbeaussagen über kosmetische Mittel
- V-Label: Kriterien und Definition „vegan“
- The Vegan Society: Vegan Trademark
- Leaping Bunny: The Corporate Standard of Compassion for Animals
- The Body Shop: White Musk® Eau de Parfum
- Bastille: Our engagements
- Jean&Len: Vegane Kosmetikprodukte