Peter O’Toole Filmografie und Biografie – Ein Leben auf der Leinwand

Peter O'Toole Filmografie und Biografie

Kurz beantwortet

Peter O’Toole, geboren am 2. August 1932, gestorben am 14. Dezember 2013 in London, wurde achtmal für den Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert und gewann ihn nie – ein bis heute unerreichter Rekord. 2003 erhielt er einen Ehren-Oscar, den er zunächst aufschieben wollte. Sein Durchbruch war 1962 die Titelrolle in David Leans Lawrence von Arabien.

Das Wichtigste in Kürze

  • Acht Oscar-Nominierungen, alle als bester Hauptdarsteller, kein einziger Gewinn – jede einzelne ist in der Academy-Datenbank belegt.
  • Ehren-Oscar bei der 75. Verleihung am 23. März 2003, überreicht von Meryl Streep.
  • Geburtsdatum 2. August 1932; beim Geburtsort widersprechen sich die Quellen (Leeds oder Connemara).
  • Durchbruch 1962 als T. E. Lawrence in Lawrence von Arabien (Regie: David Lean).
  • Er spielte König Heinrich II. zweimal: in Becket (1964) und in Der Löwe im Winter (1968).
  • Letzte Oscar-Nominierung 2007 für Venus, im Alter von 74 Jahren.
  • 1999 Emmy für die Rolle des Bischofs Cauchon in Jeanne d’Arc.
  • Er trank ab den 1970er Jahren auf ärztlichen Rat fast nichts mehr; 2012 verabschiedete er sich vom Beruf.
  • Entgegen einer verbreiteten Angabe war O’Toole verheiratet: 19 Jahre lang mit der Schauspielerin Siân Phillips.

Herkunft: Leeds oder Connemara?

Beim Geburtsort ist die Quellenlage uneindeutig, und dieser Artikel löst das nicht auf, sondern benennt es. Die Encyclopaedia Britannica führt: „born Aug. 2, 1932, Leeds, Eng.“ Der Nachruf des Guardian formuliert vorsichtiger: „O’Toole is believed to have been born in Connemara in County Galway in Ireland.“ Ein zweiter Guardian-Text beschreibt ihn als „born in Connemara“, aufgewachsen aber „in a particularly rough bit of Leeds“ – O’Toole selbst nannte sich einen „slum Mick“. Unstrittig ist das Datum, der irische Hintergrund und die Kindheit in Leeds.

Vor der Schauspielerei arbeitete er beim Yorkshire Evening Post, zunächst als Laufbursche, später als Reporter. Seine Begründung für den Wechsel gab er später so an: „Rather than chronicling events, I wanted to be the event.“ Es folgte die Ausbildung an der Royal Academy of Dramatic Art in London.

„Lawrence von Arabien“ (1962) und der Durchbruch

1962 spielte der damals 30-jährige, praktisch unbekannte O’Toole die Titelrolle in David Leans Lawrence von Arabien. Dass Lean Regie führte, belegt die Academy-Datenbank: Bei der Verleihung 1963 gewann er in der Kategorie „Directing“ für diesen Film. O’Toole selbst war in derselben Nacht als bester Hauptdarsteller nominiert; gewonnen hat Gregory Peck für To Kill a Mockingbird. Es war die erste von acht Nominierungen.

Zweimal Heinrich II.: „Becket“ und „Der Löwe im Winter“

In Becket (1964) spielte O’Toole König Heinrich II. von England, Richard Burton den Thomas Becket; beide waren bei der Verleihung 1965 als bester Hauptdarsteller nominiert, beide gingen leer aus. Vier Jahre später verkörperte O’Toole in Der Löwe im Winter (1968) dieselbe historische Figur ein zweites Mal, nun an der Seite von Katharine Hepburn als Eleonore von Aquitanien. Hepburn gewann für diese Rolle den Oscar, O’Toole war erneut nur nominiert.

Die deutschen Rollennamen dieser Filme sind in der Deutschen Synchronkartei verzeichnet, die für jede deutsch synchronisierte Produktion Darsteller, Rollennamen und Sprecher erfasst.

Peter O'Toole

Die acht Oscar-Nominierungen einzeln geprüft

Häufig kursieren falsche Jahreszahlen und eine falsche Einordnung des Rekords. Die folgende Tabelle nennt die Jahre der Verleihung, so wie sie in der Datenbank der Academy of Motion Picture Arts and Sciences stehen, und den jeweiligen Gewinner.

VerleihungFilmGewinner der Kategorie
1963Lawrence of ArabiaGregory Peck (To Kill a Mockingbird)
1965BecketRex Harrison (My Fair Lady)
1969The Lion in WinterCliff Robertson (Charly)
1970Goodbye, Mr. ChipsJohn Wayne (True Grit)
1973The Ruling ClassMarlon Brando (The Godfather)
1981The Stunt ManRobert De Niro (Raging Bull)
1983My Favorite YearBen Kingsley (Gandhi)
2007VenusForest Whitaker (The Last King of Scotland)

Alle acht Nominierungen entfielen auf die Hauptdarsteller-Kategorie. Der Guardian nennt die Bilanz „eight Oscar nominations and no wins – an unassailed record“. Die gelegentlich zu lesende Behauptung, Marlon Brando habe diesen Rekord „übertroffen“, ist falsch: Brando gewann zwei Oscars, darunter 1973 genau jenen, für den O’Toole mit The Ruling Class nominiert war.

Der Ehren-Oscar 2003, den er erst nicht wollte

Bei der 75. Oscar-Verleihung am 23. März 2003 im Kodak Theatre erhielt O’Toole den Honorary Award; die Academy führt als Überreichende Meryl Streep. Der Guardian berichtet, O’Toole habe erwogen, den Preis abzulehnen und die Academy zu bitten, damit bis zu seinem 80. Geburtstag zu warten – mit der Begründung: „I am still in the game and might win the bugger outright.“ Am Ende nahm er an und kommentierte: „Always a bridesmaid, never a bride, my foot“.

Peter O’Toole Filmografie: Auswahl mit Rollen

Die Jahresangaben folgen der Encyclopaedia Britannica, die Rollen- und Titelangaben der Deutschen Synchronkartei. Diese verzeichnet 69 Sprechrollen für O’Toole; Venus und The Ruling Class sind dort nicht erfasst und stehen hier nach der Academy-Datenbank.

JahrDeutscher Titel (Original)Rolle
1962Lawrence von Arabien (Lawrence of Arabia)T. E. Lawrence
1964BecketKönig Heinrich II.
1964Lord JimLord Jim
1965Was gibt’s Neues, Pussy? (What’s New Pussycat?)Michael James
1966Wie klaut man eine Million? (How to Steal a Million)Simon Dermott
1967Die Nacht der Generale (The Night of the Generals)General Tanz
1968Der Löwe im Winter (The Lion in Winter)König Heinrich II.
1969Goodbye Mr. ChipsArthur Chipping
1972The Ruling ClassOscar-nominierte Hauptrolle
1972Der Mann von La Mancha (Man of La Mancha)Cervantes / Don Quichote
1975Freitag und Robinson (Man Friday)Robinson Crusoe
1975Unternehmen Rosebud (Rosebud)Larry Martin
1979CaligulaTiberius
1980Der lange Tod des Stuntman Cameron (The Stunt Man)Eli Cross
1982Ein Draufgänger in New York (My Favorite Year)Alan Swann
1987Der letzte Kaiser (The Last Emperor)Reginald F. Johnston
1991King RalphSir Cedric Charles Willingham
1996Gullivers Reisen (Gulliver’s Travels)Kaiser von Lilliput
1998PhantomsDr. Timothy Flyte
1999Jeanne d’Arc – Die Frau des Jahrtausends (Joan of Arc)Bischof Cauchon
2003Hitler – Aufstieg des BösenReichspräsident Paul von Hindenburg
2003Augustus – Mein Vater, der KaiserAugustus
2004Troja (Troy)Priamos
2006VenusMaurice
2007RatatouilleAnton Ego (Sprechrolle)
2007Der Sternwanderer (Stardust)Der König von Stormhold
2014Katharina von AlexandrienGallus

Dazu kommt Fernsehen: In Die Tudors (2007–2010) spielte er in sieben Episoden Papst Paul III.

Peter O'Toole in den 1980ern

Alkohol, Krankheit und der Rückzug

O’Toole gehörte in den 1960er Jahren zu einer Gruppe britischer Schauspieler, die ihren Alkoholkonsum offen auslebten. Er selbst sagte dazu: „We heralded the ’60s. Me, [Richard] Burton, Richard Harris; we did in public what everyone else did in private then.“ Der Guardian hält fest, dass er in den 1970er Jahren auf ärztlichen Rat das Trinken fast vollständig einstellte. Über seine schwere Erkrankung in dieser Zeit schreibt derselbe Nachruf, er habe „stomach cancer in the 1970s“ überstanden. Weitere Angaben zu Diagnosen oder Operationen ließen sich für diesen Artikel nicht belegen und stehen deshalb hier nicht.

2012 beendete O’Toole seine Laufbahn mit den Worten: „I bid the profession a dry-eyed and profoundly grateful farewell.“ Er starb am 14. Dezember 2013 im Wellington Hospital in London nach längerer Krankheit. Der irische Präsident Michael D. Higgins erklärte: „Ireland, and the world, has lost one of the giants of film and theatre.“ O’Toole hinterließ zwei Töchter aus der Ehe mit Siân Phillips und einen Sohn.

Häufige Fragen

Wie viele Oscar-Nominierungen hatte Peter O’Toole?

Acht, alle als bester Hauptdarsteller: 1963, 1965, 1969, 1970, 1973, 1981, 1983 und 2007. Gewonnen hat er keine davon. Das ist bis heute der Rekord für die meisten Schauspiel-Nominierungen ohne Sieg.

Hat Peter O’Toole je einen Oscar bekommen?

Ja, aber keinen Wettbewerbs-Oscar. 2003 verlieh ihm die Academy bei der 75. Verleihung einen Ehren-Oscar. Meryl Streep überreichte ihn.

Wo wurde Peter O’Toole geboren?

Das ist umstritten. Die Encyclopaedia Britannica nennt Leeds in England, der Guardian schreibt, er sei „vermutlich“ in Connemara in der irischen Grafschaft Galway geboren worden. Aufgewachsen ist er in Leeds. Das Geburtsdatum, der 2. August 1932, ist unstrittig.

War Peter O’Toole verheiratet?

Ja. Er war 19 Jahre lang mit der walisischen Schauspielerin Siân Phillips verheiratet; aus dieser Ehe stammen zwei Töchter. Die verbreitete Angabe, er habe nie geheiratet, ist falsch.

Was war Peter O’Tooles letzter Film?

Er hatte 2012 seinen Rückzug erklärt, ließ sich aber noch einmal für Katharina von Alexandrien gewinnen, wo er den Palastredner Gallus spielte. Der Film kam nach seinem Tod heraus.

Quellen