Wem gehört Chanel – Geschichte des Luxuskonzerns

Wem gehört Chanel

Kurz beantwortet

Chanel gehört den französischen Brüdern Alain und Gérard Wertheimer. Sie halten das Unternehmen über die 2018 gegründete Holding Chanel Limited mit Sitz in London. Chanel ist nicht börsennotiert. Die Verbindung der Familie zum Haus reicht bis 1924 zurück, als Pierre Wertheimer mit Coco Chanel die Parfümgesellschaft gründete — mit 70 Prozent für die Wertheimers und 10 Prozent für die Designerin.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eigentümer sind Alain Wertheimer (geboren am 28. September 1948) und sein Bruder Gérard (Jahrgang 1951).
  • Gehalten wird Chanel über die Chanel Limited, gegründet 2018, mit Sitz in London.
  • Coco Chanel eröffnete 1910 als lizenzierte Modistin die Boutique „Chanel Modes“ in der Rue Cambon 21; das Haus selbst datiert seine Gründung auf die Boutique-Eröffnung 1913 in Deauville.
  • 1924 entstand die Parfums Chanel: 70 Prozent Wertheimer, 20 Prozent Théophile Bader, 10 Prozent Coco Chanel.
  • Der Streit um diese Anteile zog sich über zwei Jahrzehnte und endete 1947 mit einem Vergleich.
  • Die Wiedereröffnung des Couture-Hauses 1954 finanzierte Pierre Wertheimer vollständig.
  • Global CEO ist seit Januar 2022 Leena Nair; die künstlerische Leitung hat seit 2024 Matthieu Blazy.
  • Forbes schätzte das Vermögen jedes der beiden Brüder zum 25. Dezember 2024 auf je 41,4 Milliarden US-Dollar.

Wem gehört Chanel?

Chanel ist in Privatbesitz. Eigentümer sind die Brüder Alain und Gérard Wertheimer, Enkel von Pierre Wertheimer (1888–1965), dem einstigen Geschäftspartner von Coco Chanel. Gehalten wird das Unternehmen über die Chanel Limited, eine 2018 gegründete Holding mit Sitz in London.

Alain Wertheimer wird als Chairman und kontrollierender Anteilseigner geführt; Gérard Wertheimer steht der Uhrensparte vor. Wie sich die Anteile zwischen den beiden Brüdern genau aufteilen, ist nicht veröffentlicht. Eine Börsennotierung gibt es nicht — anders als beim Wettbewerber LVMH, dessen Aktie handelbar ist.

GesellschaftAnteilseignerQuote
Parfums Chanel, 1924Pierre und Paul Wertheimer70 %
Parfums Chanel, 1924Théophile Bader20 %
Parfums Chanel, 1924Gabrielle „Coco“ Chanel10 %
Chanel Limited, heuteAlain und Gérard Wertheimergemeinsam vollständig; Aufteilung nicht veröffentlicht

Pierre Wertheimer und der Vertrag von 1924

Der Ursprung der heutigen Eigentümerstruktur liegt im Parfüm. 1924 gründeten die Brüder Pierre und Paul Wertheimer gemeinsam mit dem Galeries-Lafayette-Mitinhaber Théophile Bader und Gabrielle Chanel die Gesellschaft Parfums Chanel. Die Wertheimers erhielten 70 Prozent der Gewinne, Bader 20 Prozent. Coco Chanel lizenzierte ihren Namen an die Gesellschaft, bekam dafür 10 Prozent der Anteile und zog sich aus dem operativen Geschäft zurück.

Diese Konstruktion machte die Wertheimers zu den wirtschaftlichen Herren über Chanel No. 5 — und wurde für die Gründerin zur Quelle jahrzehntelangen Ärgers.

Der Streit zwischen Coco Chanel und den Wertheimers

Coco Chanel versuchte über zwei Jahrzehnte, die Kontrolle über das Parfümgeschäft zurückzugewinnen. 1941 unternahm sie einen Vorstoß, die Geschäftsführung von Parfums Chanel zu übernehmen; er wurde abgewehrt.

1947 kam es zum Vergleich. Chanel erhielt die Kriegsgewinne aus dem Verkauf von No. 5 — nach einer in der englischsprachigen Wikipedia genannten Umrechnung entspricht das rund 12 Millionen US-Dollar in Kaufkraft von 2022. Künftig standen ihr zwei Prozent aller weltweiten No.-5-Verkäufe zu. Zudem sagte Pierre Wertheimer zu, ihre Lebenshaltungskosten bis an ihr Lebensende zu tragen. Im Gegenzug gingen die vollen Rechte an ihrem Namen an Parfums Chanel über.

Die Wiedereröffnung des Couture-Hauses 1954 wurde vollständig von Pierre Wertheimer finanziert — von jenem Gegner also, mit dem Chanel um das Parfüm gestritten hatte. Coco Chanel starb 1971. Ihr Nachlass ging überwiegend an ihren Neffen André Palasse und dessen zwei Töchter.

Coco Chanel während der deutschen Besatzung

Dieser Abschnitt gibt ausschließlich wieder, was in der englischsprachigen Wikipedia zu Coco Chanel dargestellt und dort belegt ist; eine eigene Bewertung findet nicht statt.

Während der deutschen Besatzung Frankreichs wohnte Chanel im Hôtel Ritz in Paris. Sie unterhielt eine Beziehung zu dem deutschen Diplomaten und Nachrichtendienstler Baron Hans Günther von Dincklage. Unter dem Decknamen „Operation Modellhut“ verfolgte sie den Plan, Großbritannien zu einem Separatfrieden zu bewegen, und versuchte dabei, Winston Churchill zu erreichen.

Der Autor Hal Vaughan wertete freigegebene Archivunterlagen aus. Danach führte die Pariser Préfecture de Police eine Akte über Chanel, in der sie als verdächtig geführt wurde. Vaughan kam zu dem Schluss, Chanel habe sich bereits 1941 der deutschen Sache verschrieben und für Walter Schellenberg gearbeitet, den Leiter des Sicherheitsdienstes. Diese Darstellung ist Gegenstand fortdauernder Diskussion; die Wertung überlässt dieser Artikel den Leserinnen und Lesern.

Was Chanel über seine Zahlen veröffentlicht

Chanel ist zu keiner Kapitalmarktpublizität verpflichtet, legte aber 2018 erstmals freiwillig Geschäftszahlen offen. Für das Geschäftsjahr 2017 nannte das Unternehmen einen Umsatz von rund 9,62 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 11 Prozent gegenüber 2016, sowie einen Nettogewinn von 1,79 Milliarden US-Dollar.

Seither veröffentlicht Chanel jährlich eine Mitteilung zum abgelaufenen Geschäftsjahr. Die aktuellen Werte für Umsatz, operatives Ergebnis und Mitarbeiterzahl konnten für diesen Artikel nicht aus einer Primärquelle bestätigt werden: Die Unternehmensseite chanel.com war über den eingesetzten Zugang nicht abrufbar, und in den geprüften Enzyklopädie-Artikeln steht dazu im Fließtext keine belastbare Angabe. Statt eine kursierende Zahl zu übernehmen, bleibt diese Lücke hier offen benannt. Wer eine aktuelle Zahl braucht, sollte die Jahresmitteilung von Chanel selbst heranziehen.

Aus demselben Grund fehlen in diesem Text Angaben wie „über 15 Milliarden Euro Umsatz“ oder „rund 20.000 Mitarbeiter“, die in älteren Fassungen dieses Artikels standen. Sie ließen sich keiner benennbaren Veröffentlichung zuordnen.

Wer Chanel führt: Nair und Blazy

Leena Nair wurde im Dezember 2021 zur Global Chief Executive Officer berufen und trat das Amt im Januar 2022 an. Sie kam von Unilever, wo sie als Personalvorständin gearbeitet hatte.

Die kreative Linie prägte über Jahrzehnte Karl Lagerfeld: Er wurde im Dezember 1982 verpflichtet, seine erste Chanel-Schau fand am 5. Februar 1983 in Paris statt, und er blieb bis zu seinem Tod 2019 Creative Director of Fashion. Ihm folgte seine langjährige Mitarbeiterin Virginie Viard, die die Rolle von 2019 bis 2024 innehatte. Am 5. Juni 2024 wurde ihr Ausscheiden bekannt.

Im Dezember 2024 benannte Chanel Matthieu Blazy zum Kreativdirektor. Seine erste Kollektion für das Haus zeigte er im Oktober 2025 während der Pariser Modewoche in einer Schau mit Weltraum-Motiv; die englischsprachige Wikipedia verweist dazu auf eine Berichterstattung vom 7. Oktober 2025. Ein Wechsel in dieser Position ist seither nicht dokumentiert — Blazy ist im August 2026 im Amt.

Was den Wertheimers sonst gehört

Neben Chanel halten die Brüder weitere Vermögenswerte. Dokumentiert sind französische Weingüter, darunter Château Rauzan-Ségla und Château Canon, sowie ein Vollblut-Rennstall. Alain Wertheimer hat außerdem den Zukauf mehrerer Marken außerhalb des Chanel-Kerngeschäfts verantwortet.

Zu den Vermögen der Brüder gibt es nur Schätzungen Dritter, keine Selbstauskunft. Forbes bezifferte das Vermögen von Alain Wertheimer zum 25. Dezember 2024 auf 41,4 Milliarden US-Dollar, was Rang 38 der reichsten Menschen weltweit entsprach; für Gérard Wertheimer nennt Forbes zum selben Stichtag denselben Betrag. Der Bloomberg Billionaires Index veranschlagte im Oktober 2022 für beide je rund 40 Milliarden US-Dollar. Es handelt sich um Schätzungen, nicht um geprüfte Zahlen.

  • Haute Couture und Prêt-à-porter
  • Accessoires, Uhren und Schmuck
  • Kosmetik und Parfüm
  • Weingüter Château Rauzan-Ségla und Château Canon

Im Wettbewerb steht Chanel unter anderem Louis Vuitton und Gucci gegenüber — beide gehören börsennotierten Konzernen und berichten deshalb regelmäßig Zahlen, die Chanel nicht offenlegen muss.

Häufige Fragen

Ist Chanel börsennotiert?

Nein. Chanel ist in Privatbesitz der Brüder Alain und Gérard Wertheimer und wird über die Chanel Limited in London gehalten. Es gibt keine Chanel-Aktie.

Gehört Chanel zu LVMH?

Nein. LVMH ist ein Wettbewerber. Chanel steht seit jeher außerhalb der großen börsennotierten Luxuskonzerne und gehört allein der Familie Wertheimer.

Welchen Anteil hatte Coco Chanel an ihrem eigenen Unternehmen?

An der 1924 gegründeten Parfums Chanel hielt sie 10 Prozent. 70 Prozent entfielen auf die Wertheimers, 20 Prozent auf Théophile Bader. Diese Aufteilung war der Auslöser des jahrzehntelangen Streits.

Wann wurde Chanel gegründet?

Das Haus selbst gibt die Eröffnung der Boutique in Deauville 1913 als Gründungsdatum an. Bereits 1910 hatte Gabrielle Chanel als lizenzierte Modistin die Boutique „Chanel Modes“ in der Pariser Rue Cambon 21 eröffnet.

Wer entwirft Chanel im Jahr 2026?

Matthieu Blazy. Er wurde im Dezember 2024 berufen und zeigte seine erste Kollektion im Oktober 2025 in Paris. Vor ihm hatten Virginie Viard (2019–2024) und Karl Lagerfeld (1983–2019) das Amt inne.

Wie hoch ist der Umsatz von Chanel?

Für das Geschäftsjahr 2017 nannte Chanel selbst rund 9,62 Milliarden US-Dollar Umsatz und 1,79 Milliarden US-Dollar Nettogewinn. Eine aktuellere Zahl ließ sich für diesen Artikel nicht aus einer Primärquelle bestätigen und wird deshalb nicht genannt.

Quellen

Stand der Recherche: 22. August 2026. Die Unternehmensseite chanel.com war über den eingesetzten Zugang nicht erreichbar; aktuelle Geschäftszahlen konnten deshalb nicht aus einer Primärquelle belegt werden.