Kurz beantwortet
Die Modemarke Chloé gehört zur Schweizer Compagnie Financière Richemont SA. Richemont führt Chloé in seiner Maison-Übersicht im Geschäftsbereich „Other / Fashion & Accessories“. Gründerin Gaby Aghion verkaufte ihre Anteile 1985 an Dunhill Holdings, den Vorläufer des heutigen Richemont-Konzerns. Die Chloé-Düfte stellt dagegen nicht Richemont her, sondern der US-Konzern Coty unter Lizenz.
Das Wichtigste in Kürze
- Eigentümerin der Modemarke ist die Compagnie Financière Richemont SA. Chloé steht auf Richemonts Maison-Seite im Bereich „Fashion & Accessories / Other“.
- Gaby Aghion begründete Chloé 1952 in Paris und verkaufte ihre Anteile 1985 an Dunhill Holdings.
- Die häufig genannte Jahreszahl 1998 betrifft nicht einen Kauf von Chloé, sondern den Rückkauf der Minderheitsanteile an der Vendôme Luxury Group, über die Richemont sein Luxusgeschäft hielt.
- Richemont veröffentlicht keine Einzelumsätze je Maison. Für das Geschäftsjahr bis 31. März 2026 meldet der Konzern 22,42 Milliarden Euro Umsatz.
- Der Geschäftsbereich „Other“, zu dem Chloé zählt, lag im Geschäftsjahr 2026 zwei Prozent unter Vorjahr und wies 96 Millionen Euro operativen Verlust aus.
- Die Düfte laufen über Coty. Coty führt „Chloe“ im Prestige-Portfolio seines Geschäftsberichts zum 30. Juni 2026 – und zwar als Lizenz-, nicht als eigene Marke.
- Kreativdirektorin ist seit Oktober 2023 Chemena Kamali. President & CEO ist seit Dezember 2023 Laurent Malecaze.
- Chloé ist seit Oktober 2021 als B Corporation zertifiziert und hat die Zertifizierung im Oktober 2024 bestätigt.
- Richemont ist an der SIX Swiss Exchange notiert. Chloé selbst ist nicht börsennotiert.
Wem gehört Chloé heute?
Chloé ist eine Maison der Compagnie Financière Richemont SA, eines Schweizer Luxusgüterkonzerns. Richemont ordnet seine Häuser drei Geschäftsbereichen zu. Zu den Jewellery Maisons zählen Buccellati, Cartier, Van Cleef & Arpels und Vhernier. Zu den Specialist Watchmakers gehören unter anderem A. Lange & Söhne, IWC Schaffhausen, Jaeger-LeCoultre, Panerai, Piaget und Vacheron Constantin. Chloé steht im dritten Bereich, den Richemont „Other“ nennt und der überwiegend aus Mode- und Accessoire-Häusern besteht: Alaïa, Chloé, Delvaux, dunhill, G/FORE, Gianvito Rossi, Montblanc, Peter Millar, Purdey und Serapian sowie TimeVallée und Watchfinder & Co.
Chloé selbst ist nicht börsennotiert. Handelbar sind allein die Richemont-Aktien, die an der SIX Swiss Exchange notiert und im Swiss Market Index enthalten sind; eine Zweitnotiz besteht an der Johannesburg Stock Exchange. Wer in Chloé investieren möchte, kann das also nur indirekt über den Konzern tun.
Die Eigentümerkette von 1952 bis heute
Die Chronik auf der Chloé-Website beginnt 1952 mit der ersten Kollektion von Gaby Aghion, die in Alexandria als Gabriella Hanoka geboren wurde und 1945 nach Paris zog. Chloé nennt in dieser Haus-Chronik allein Aghion als Begründerin der Marke. Zum Verkauf des Unternehmens schweigt die Chronik; dazu liegt eine Angabe von CNN Style vor.
| Jahr | Vorgang | Beleg |
|---|---|---|
| 1952 | Gaby Aghion entwirft ihre erste Kollektion und begründet damit Chloé | Chloé, Maison-Chronik |
| 1985 | Aghion verkauft ihren Anteil an Dunhill Holdings, den Vorläufer des heutigen Richemont-Konzerns | CNN Style, 24.10.2023 |
| 1993 | Richemont trennt sein Luxusgeschäft in der neu gegründeten, in London notierten Vendôme Luxury Group vom Tabakgeschäft | Richemont, Unternehmenschronik |
| 1998 | Richemont kauft die Minderheitsaktionäre von Vendôme heraus und hält das Luxusgeschäft damit zu 100 Prozent | Richemont, Unternehmenschronik |
| 2023 | Chemena Kamali wird Kreativdirektorin, Laurent Malecaze President & CEO | Richemont, Pressemitteilungen |
| 2026 | Chloé steht unverändert in Richemonts Maison-Liste im Bereich „Other“ | richemont.com, Abruf 26.08.2026 |
Aus dieser Abfolge erklärt sich ein Widerspruch, der in vielen Texten über Chloé steht: Mal ist von 1985, mal von 1988, mal von 1998 als Jahr der Richemont-Übernahme die Rede. Tatsächlich wechselte das Unternehmen 1985 den Eigentümer, und der Käufer Dunhill Holdings gehörte zu der Unternehmensgruppe, aus der Richemont hervorging. 1998 fällt nur der Rückkauf der Vendôme-Minderheiten.
Warum die Chloé-Düfte nicht Richemont gehören
Wer nach dem Eigentümer von Chloé sucht, meint oft das Parfum. Hier gilt eine andere Antwort als bei der Mode. Die Chloé-Düfte werden von Coty Inc. hergestellt und vertrieben. In seinem Geschäftsbericht für das am 30. Juni 2026 beendete Geschäftsjahr listet Coty „Chloe“ im Prestige-Portfolio – ohne die Kennzeichnung, mit der Coty seine selbst besessenen Marken markiert. Chloé ist für Coty also eine Lizenzmarke: Die Markenrechte bleiben bei Richemont, das Duftgeschäft betreibt Coty.
Nach Darstellung des Branchendienstes BeautyMatter produziert Coty den Chloé-Duft seit Mai 2005; die Lizenz kam demnach mit der Übernahme des Prestige-Duftgeschäfts von Unilever zu Coty. Richemont selbst bündelt sein Duft- und Beauty-Geschäft seit Herbst 2023 in einer eigenen Einheit, dem Laboratoire de Haute Parfumerie et Beauté.
Was Richemont über Chloés Zahlen veröffentlicht – und was nicht
Eine belastbare Umsatzzahl für Chloé allein gibt es nicht. Richemont weist keine Einzelergebnisse je Maison aus, sondern nur die drei Geschäftsbereiche. Angaben wie „Chloé erzielte rund 600 Millionen Euro Umsatz“ lassen sich aus den veröffentlichten Unterlagen des Eigentümers nicht nachvollziehen. Was Richemont für das Geschäftsjahr bis zum 31. März 2026 mitteilt, ist Folgendes:
| Kennzahl (Konzern, GJ 2026) | Wert |
|---|---|
| Umsatz | 22.420 Mio. Euro (+5 % zu tatsächlichen, +11 % zu konstanten Kursen) |
| Betriebsergebnis | 4.492 Mio. Euro, Marge 20,0 % |
| Jahresgewinn | 3.484 Mio. Euro |
| Nettoliquidität | 8.496 Mio. Euro |
| Bereich „Other“ (mit Chloé) | Umsatz −2 % (zu konstanten Kursen +3 %), operativer Verlust 96 Mio. Euro |
Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027, das am 30. Juni 2026 endete, meldete Richemont einen Umsatzanstieg von 20 Prozent zu konstanten Wechselkursen. Auch dort wird Chloé nicht gesondert ausgewiesen.
Wer Chloé heute führt
Chloé gab am 9. Oktober 2023 die Ernennung von Chemena Kamali zur Kreativdirektorin bekannt. Kamali wurde 1981 in Deutschland geboren und schloss 2007 einen Master in Fashion am Central Saint Martins in London ab. Ihre Laufbahn begann sie bei Chloé im Team von Phoebe Philo; 2013 kehrte sie als Design Director unter Clare Waight Keller zurück, ab 2016 verantwortete sie bei Saint Laurent die Damen-Prêt-à-porter-Linie unter Anthony Vaccarello. Auf der Startseite von chloe.com wird im August 2026 die Herbstkollektion 2026 von Chemena Kamali beworben – sie ist also weiterhin im Amt.
Auf der geschäftlichen Seite führt seit Dezember 2023 Laurent Malecaze als President & CEO. Richemont teilte am 13. Dezember 2023 mit, dass sein Vorgänger Riccardo Bellini sein Mandat nach vier Jahren nicht verlängert hat. Bellini hatte zuvor die Ernennung Kamalis und die Entwicklung ihrer ersten Kollektion begleitet.
Kreativdirektorinnen und Kreativdirektoren im Überblick
Die folgenden Angaben stammen aus der Haus-Chronik von Chloé. Wo die Chronik kein Enddatum nennt, steht das hier ausdrücklich.
| Zeitraum | Name | Anmerkung laut Chloé |
|---|---|---|
| ab 1952 | Gaby Aghion | Gründerin, künstlerische Leitung; holt in den 1960ern Gérard Pipart, Maxime de La Falaise, Michèle Rosier, Graziella Fontana und Karl Lagerfeld ins Haus |
| 1964–1983 | Karl Lagerfeld | ab 1974 alleiniger Chefdesigner, ab Januar 1975 Exklusivdesigner; die Kollektion Frühjahr/Sommer 1984 beendet seine erste Periode |
| 1987–1992 | Martine Sitbon | fünfjährige Amtszeit nach Lagerfelds Abschied |
| 1992–1997 | Karl Lagerfeld | Rückkehr ins Haus |
| 1997–2001 | Stella McCartney | mit 25 Jahren die jüngste jemals bei Chloé eingestellte Designerin |
| ab 2001 | Phoebe Philo | bringt im Frühjahr 2005 die Paddington heraus; Enddatum nennt die Chronik nicht |
| dazwischen | Paulo Melim Andersson | von Chloé als „kurzer Auftritt“ beschrieben |
| 2008–2011 | Hannah MacGibbon | 2008 zur Kreativdirektorin ernannt |
| 2011–2017 | Clare Waight Keller | Debüt im Oktober 2011; unter ihr entstehen Drew (2013) und Faye (2014) |
| 2017–2020 | Natacha Ramsay-Levi | zuständig für Prêt-à-porter, Lederwaren und Accessoires |
| 2020–2023 | Gabriela Hearst | dreijährige Tätigkeit, treibt die Nachhaltigkeitswende voran |
| seit 2023 | Chemena Kamali | amtierende Kreativdirektorin |
Die Marke selbst datiert ihre bekanntesten Produkte ebenfalls: die erste Boutique 1972 an der Ecke Rue du Bac und Rue de Gribeauval im 7. Pariser Arrondissement, das erste Chloé-Parfum im April 1975, die Paddington im Frühjahr 2005, die Marcie 2010, die Drew 2013 und die Faye 2014. Der eigene Online-Shop startete im Juli 2016.
Nachhaltigkeit: B Corp seit 2021
Chloé erhielt die B-Corp-Zertifizierung nach eigenen Angaben erstmals im Oktober 2021 und bestätigte sie im Oktober 2024 zum zweiten Mal. Das Siegel wird von der gemeinnützigen Organisation B Lab vergeben; die Prüfung umfasst laut Chloé einen Fragebogen mit 200 bis 300 Fragen zu Unternehmensführung, Mitarbeitenden, Gemeinschaft, Umwelt und Kundschaft. Ein externer Ausschuss aus Elisabeth Laville, Niki Schilling und Sanaz Zaimi tagt zweimal jährlich in den Pariser Räumen des Hauses und begleitet die Fortschritte.
Ältere Texte, die eine B-Corp-Zertifizierung als „Ziel bis 2025“ beschreiben, geben damit einen längst überholten Stand wieder.
Häufige Irrtümer über den Eigentümer von Chloé
- „Chloé gehört zu einem französischen Konzern.“ Die Marke ist französisch, der Eigentümer ist schweizerisch.
- „Chloé macht 600 Millionen Euro Umsatz.“ Diese Zahl steht in keiner Veröffentlichung von Richemont. Der Konzern berichtet nur auf Ebene der Geschäftsbereiche.
- „Gabriela Hearst leitet die Kollektionen.“ Hearst war von 2020 bis 2023 Kreativdirektorin. Seit Oktober 2023 ist Chemena Kamali im Amt.
- „Die Chloé-Parfums kommen von Richemont.“ Sie werden von Coty unter Lizenz produziert und vertrieben.
- „Chloé ist an der Börse.“ Notiert ist die Konzernmutter Richemont, nicht die Maison.
Im Wettbewerb steht Chloé unter anderem Häusern gegenüber, die zu anderen Konzernen gehören – etwa Gucci, das zur französischen Kering-Gruppe zählt.
Häufige Fragen
Wem gehört Chloé aktuell?
Die Modemarke gehört zur Compagnie Financière Richemont SA. Richemont führt Chloé auf seiner Maison-Seite und in der Unternehmensbeschreibung des Geschäftsberichts zum 31. März 2026 im Geschäftsbereich „Other“, gemeinsam mit Alaïa, Delvaux, dunhill, Montblanc und weiteren Häusern.
Seit wann gehört Chloé zu Richemont?
Gaby Aghion verkaufte ihren Anteil laut CNN Style 1985 an Dunhill Holdings, aus dessen Unternehmensgruppe der heutige Richemont-Konzern hervorging. 1998 kaufte Richemont die Minderheitsaktionäre der Vendôme Luxury Group heraus und hielt sein Luxusgeschäft danach vollständig.
Wem gehören die Chloé-Parfums?
Die Markenrechte liegen bei Richemont, das Duftgeschäft betreibt Coty Inc. unter Lizenz. Coty listet „Chloe“ im Geschäftsbericht zum 30. Juni 2026 unter den Prestige-Marken und kennzeichnet sie nicht als eigene Marke.
Wie viel Umsatz macht Chloé?
Dazu gibt es keine offizielle Zahl. Richemont berichtet nur je Geschäftsbereich. Der Bereich „Other“, zu dem Chloé gehört, lag im Geschäftsjahr 2026 zwei Prozent unter Vorjahr und wies einen operativen Verlust von 96 Millionen Euro aus.
Wer ist heute Kreativdirektorin von Chloé?
Chemena Kamali, ernannt am 9. Oktober 2023. Die Herbstkollektion 2026, die Chloé im August 2026 bewirbt, trägt ihre Handschrift. Geschäftsführer der Maison ist Laurent Malecaze.
Kann man Chloé-Aktien kaufen?
Nein. Chloé ist nicht eigenständig börsennotiert. Handelbar sind nur Aktien der Konzernmutter Richemont an der SIX Swiss Exchange, mit Zweitnotiz in Johannesburg.
Quellen
- Richemont: Our Maisons – Zuordnung von Chloé zum Bereich „Fashion & Accessories / Other“, Abruf 26.08.2026
- Richemont: Ergebnis für das Geschäftsjahr zum 31. März 2026 – Konzernzahlen und Angaben zum Bereich „Other“, 22.05.2026
- Chloé/Richemont: Ernennung von Chemena Kamali zur Creative Director, 09.10.2023
- Richemont: Laurent Malecaze wird President & CEO von Chloé, 13.12.2023
- Chloé: Maison-Chronik – Gründung 1952, Designerfolge, Produktdaten
- Chloé: Nachhaltigkeits-Manifest – B-Corp-Zertifizierung 2021 und Bestätigung 2024
- Coty Inc.: Form 10-K für das Geschäftsjahr zum 30. Juni 2026 – Markenportfolio mit „Chloe“ als Lizenzmarke
- CNN Style: The story of Chloé founder Gaby Aghion’s ‚ready to wear‘ revolution, 24.10.2023 – Verkauf des Anteils 1985 an Dunhill Holdings
- Premium Beauty News: Richemont gründet eine Parfum- und Beauty-Division, 2023
- BeautyMatter: Richemont Doubles Down on Beauty – Angabe zur Coty-Lizenz seit Mai 2005