Wem gehört Tom Ford? Estée Lauder, Zegna und Marcolin

Wem gehört Tom Ford

Kurz beantwortet

Die Marke Tom Ford gehört seit dem 28. April 2023 den Estée Lauder Companies. Der Konzern hatte die Beauty-Lizenz schon vorher; mit der Übernahme kamen die Markenrechte selbst hinzu. Das Modegeschäft führt die Ermenegildo Zegna Group über Tom Ford International in Lizenz, die Brillen kommen von Marcolin. Tom Ford selbst ist nicht mehr beteiligt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Estée Lauder unterzeichnete im November 2022 die Vereinbarung zum Kauf der Marke Tom Ford und schloss die Übernahme am 28. April 2023 ab.
  • Der Konzern beziffert seine eigene Zahlung im Quartalsbericht mit rund 2.300 Millionen US-Dollar – netto nach einer Zahlung von 250 Millionen US-Dollar, die Marcolin S.p.A. beim Closing an Estée Lauder leistete.
  • Finanziert wurde der Kauf aus Barmitteln, Fremdkapital und 300 Millionen US-Dollar aufgeschobenen Zahlungen an die Verkäufer, fällig ab Juli 2025.
  • Estée Lauder hielt die Beauty-Lizenz bereits vorher: Mit dem Closing entfielen die bis dahin fälligen Lizenzgebühren auf das eigene Beauty-Geschäft.
  • Mode und Accessoires laufen über Tom Ford International, das die Ermenegildo Zegna Group kontrolliert; die Brillen produziert und vertreibt Marcolin in Lizenz.
  • Tom Ford trat im April 2023 als Kreativdirektor ab. Nachfolger Peter Hawkings verließ die Marke 2024; seit September 2024 ist Haider Ackermann Kreativdirektor.
  • Im Geschäftsjahr 2026 stieg Tom Ford bei Estée Lauder in den Kreis der Milliarden-Dollar-Marken auf.

Wer welchen Teil von Tom Ford besitzt

Die häufigste Fehldarstellung lautet, Estée Lauder habe 2022 den Kosmetikbereich übernommen und Zegna sowie Marcolin hätten die Marke mitgekauft. Beides trifft nicht zu. Estée Lauder kaufte die Marke und die zugehörigen Schutzrechte; Zegna und Marcolin arbeiten seither als Lizenznehmer.

BereichWer verantwortet ihnRechtliche Grundlage
Marke, Namensrechte, Beauty und DüfteThe Estée Lauder CompaniesEigentum seit 28. April 2023
Mode und AccessoiresErmenegildo Zegna Group über Tom Ford InternationalLangfristige Lizenz- und Kooperationsvereinbarung
Brillen und SonnenbrillenMarcolin S.p.A.Lizenz

Estée Lauder führt Tom Ford auf der eigenen Markenseite als eine von mehr als 20 Prestige-Marken – neben Estée Lauder selbst, Clinique, M·A·C, La Mer, Jo Malone London, Le Labo, Editions de Parfums Frédéric Malle, KILIAN PARIS und anderen. Im Formular 10-K für das Geschäftsjahr 2023 hält der Konzern knapp fest: Man führe das Beauty-Geschäft selbst fort und habe die Modemarke samt Geschäftsbetrieb sowie die Brillen an Dritte lizenziert.

Der Deal 2022/2023 und was er gekostet hat

Zum Kaufpreis kursiert fast überall die Zahl 2,8 Milliarden US-Dollar. Sie beschreibt den Gesamtwert der Transaktion, wie ihn Wikipedia für die Ankündigung im November 2022 nennt. Estée Lauder selbst rechnet anders: Im Quartalsbericht 10-Q vom Februar 2023 beziffert der Konzern den von ihm zu zahlenden Betrag auf rund 2.300 Millionen US-Dollar – und zwar netto nach einer Zahlung von 250 Millionen US-Dollar, die Marcolin S.p.A. beim Vollzug an Estée Lauder leistete. Finanziert wurde das aus Barmitteln, Fremdkapital und 300 Millionen US-Dollar aufgeschobener Zahlungen an die Verkäufer, fällig ab Juli 2025.

DatumEreignis
November 2022Estée Lauder unterzeichnet die Vereinbarung zum Kauf der Marke Tom Ford
28. April 2023Übernahme abgeschlossen; Tom Ford tritt als Kreativdirektor ab, Peter Hawkings folgt nach
2024Peter Hawkings verlässt die Marke
September 2024Haider Ackermann wird als Kreativdirektor angekündigt
Januar 2025Erster Ackermann-Look für Tom Ford auf dem roten Teppich der Golden Globes
Geschäftsjahr 2026Tom Ford erreicht bei Estée Lauder Milliarden-Dollar-Status

Warum Estée Lauder die Marke kaufte, die es längst vertrieb

Der Punkt, der in den meisten Darstellungen fehlt: Estée Lauder verkaufte Tom Ford Beauty schon seit Jahren – als Lizenznehmer. Bereits 2005 startete die Tom Ford Estée Lauder Collection, seit 2006 lief die Lizenz für Kosmetik und Düfte unter dem Namen Tom Ford Beauty.

Der wirtschaftliche Kern des Deals steht deshalb ausdrücklich im Quartalsbericht: Mit dem Vollzug entfielen die bestehenden Lizenzgebühren auf das eigene Beauty-Geschäft. Estée Lauder kaufte also nicht einen neuen Umsatzstrom, sondern die Kontrolle über einen, den der Konzern bereits erwirtschaftete – und die Marke gleich mit.

Zegna führt Mode und Accessoires

Das Mode- und Accessoiregeschäft ging im Zuge des Verkaufs an die Ermenegildo Zegna Group. Sie übernahm die vollständige Kontrolle über Tom Ford International, die Gesellschaft, die das Modegeschäft besitzt und betreibt. Die Zusammenarbeit ist langfristig angelegt: Wikipedia beschreibt eine Lizenz- und Kooperationsvereinbarung über mindestens 20 Jahre mit automatischen Verlängerungen um jeweils zehn Jahre.

Die Konstruktion erklärt, warum Tom Ford heute in zwei Welten zu Hause ist: Ein Lippenstift und ein Parfum kommen aus dem Haus Estée Lauder, ein Anzug oder eine Tasche aus dem Haus Zegna. Die Marke dahinter gehört in beiden Fällen Estée Lauder.

Marcolin und die Brillen

Die Brillensparte liegt beim italienischen Hersteller Marcolin. Die Partnerschaft reicht bis 2004 zurück, als Tom Ford die Zusammenarbeit für Produktion und Vertrieb von Korrektionsfassungen und Sonnenbrillen bekannt gab; Marcolin führt Tom Ford bis heute unter seinen Lizenzmarken. Dass Marcolin beim Closing 250 Millionen US-Dollar an Estée Lauder zahlte, zeigt, wie eng die Brillenlizenz in die Transaktion eingebunden war.

Wer die Marke kreativ führt

Tom Ford selbst gab die kreative Leitung im April 2023 ab, unmittelbar mit dem Vollzug der Übernahme. Ihm folgte am 28. April 2023 Peter Hawkings, ein langjähriger Mitarbeiter aus Fords eigener Zeit bei Gucci und beim eigenen Label. Die Amtszeit blieb kurz: Hawkings verließ die Marke 2024.

Im September 2024 wurde Haider Ackermann als neuer Kreativdirektor angekündigt. Sein erster öffentlich sichtbarer Entwurf für das Haus war ein schwarzer Paillettenanzug, den Timothée Chalamet im Januar 2025 auf dem roten Teppich der 82. Golden Globe Awards trug. Die erste vollständige Kollektion folgte im Frühjahr 2025. Wer also nach dem Kreativdirektor von Tom Ford sucht und auf Peter Hawkings stößt, liest einen veralteten Stand.

Tom Ford, die Person: Gucci, Saint Laurent, Hollywood

Tom Ford wurde am 27. August 1961 in Austin, Texas, geboren. 1990 kam er als Chefdesigner für Damenmode zu Gucci, wurde 1992 Design Director und 1994 Creative Director. Unter seiner Verantwortung stiegen die Umsätze zwischen 1995 und 1996 um 90 Prozent; das zuvor beinahe zahlungsunfähige Haus war 1999 mehr als vier Milliarden US-Dollar wert. Als Gucci 1999 Yves Saint Laurent übernahm, führte Ford beide Häuser parallel. Im April 2004 verließ er den Konzern.

Sein eigenes Label gründete er 2005 gemeinsam mit seinem früheren Gucci-Geschäftspartner Domenico De Sole. Parallel arbeitete Ford als Regisseur: Sein Debut A Single Man von 2009 wurde in Venedig gezeigt und brachte Colin Firth einen BAFTA ein; sein zweiter Film Nocturnal Animals von 2016 gewann den Großen Preis der Jury in Venedig. Diese Hollywood-Nähe prägt die Wahrnehmung der Marke bis heute – unternehmerisch ist Ford aber seit April 2023 nicht mehr an ihr beteiligt.

Wie es der Marke 2026 geht

Estée Lauder veröffentlichte am 19. August 2026 die Zahlen für das am 30. Juni 2026 beendete Geschäftsjahr: 15,049 Milliarden US-Dollar Nettoumsatz, ein Plus von 5 Prozent, bei einem Betriebsergebnis von 780 Millionen US-Dollar und einem verwässerten Ergebnis je Aktie von 0,50 US-Dollar. Für Tom Ford ist in dieser Mitteilung eine Zahl entscheidend: Die Marke stieg im Geschäftsjahr 2026 gemeinsam mit Jo Malone London in den Kreis der Milliarden-Dollar-Marken des Konzerns auf.

Getragen wurde das Wachstum laut Estée Lauder von Make-up-Neuheiten wie den Eye Color Quads und den Architecture-Foundations sowie vom Duftgeschäft, das konzernweit um 10 Prozent zulegte. Bei den Fragrance Foundation Awards 2026 wurde Tom Ford Oud Voyager Eau de Parfum als Duft des Jahres in der Kategorie Ultra Luxury ausgezeichnet. Zum Umsatz des Mode- und Brillengeschäfts unter Zegna und Marcolin veröffentlichen die Beteiligten keine markenscharfen Zahlen.

Häufige Fragen

Wem gehört die Marke Tom Ford heute?

Die Marke und ihre Schutzrechte gehören seit dem 28. April 2023 den Estée Lauder Companies. Das Modegeschäft betreibt die Ermenegildo Zegna Group über Tom Ford International in Lizenz, die Brillen kommen von Marcolin. Tom Ford selbst hält keine Anteile mehr.

Was hat Estée Lauder für Tom Ford bezahlt?

Genannt wird meist ein Transaktionswert von 2,8 Milliarden US-Dollar. Estée Lauder selbst gibt im Quartalsbericht vom Februar 2023 den eigenen Zahlbetrag mit rund 2.300 Millionen US-Dollar an, netto nach einer Zahlung von 250 Millionen US-Dollar durch Marcolin beim Vollzug.

Wann wurde die Übernahme abgeschlossen?

Die Vereinbarung wurde im November 2022 unterzeichnet, der Vollzug erfolgte am 28. April 2023. Die verbreitete Angabe, Tom Ford sei 2022 verkauft worden, verwechselt Ankündigung und Abschluss.

Hatte Estée Lauder Tom Ford Beauty nicht schon vorher?

Ja. Die Lizenz für Kosmetik und Düfte lag seit 2006 bei Estée Lauder, die erste gemeinsame Kollektion erschien 2005. Mit der Übernahme entfielen die bis dahin gezahlten Lizenzgebühren – das nennt der Konzern selbst als wesentlichen Effekt des Kaufs.

Wer ist der aktuelle Kreativdirektor von Tom Ford?

Haider Ackermann, angekündigt im September 2024. Sein Vorgänger Peter Hawkings war seit dem 28. April 2023 im Amt und verließ die Marke 2024. Tom Ford selbst gab die kreative Leitung im April 2023 ab.

Gehört Tom Ford zu Zegna?

Nur das Modegeschäft. Zegna kontrolliert Tom Ford International und führt Mode und Accessoires auf Basis einer langfristigen Lizenz. Die Marke selbst gehört Estée Lauder.

Quellen

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