Kurz beantwortet
Brioni gehört zum französischen Luxuskonzern Kering. Die damalige PPR unterzeichnete am 7. November 2011 den Vertrag über 100 Prozent der Anteile und schloss die Übernahme am 10. Januar 2012 nach der Freigabe durch die Kartellbehörden ab. Einen Kaufpreis hat der Konzern nie veröffentlicht. Geführt wird das 1945 in Rom gegründete Haus seit dem 6. Mai 2025 von Federico Arrigoni.
Das Wichtigste in Kürze
- Eigentümer ist Kering, der Konzern hieß zum Zeitpunkt des Kaufs noch PPR.
- Vertragsunterzeichnung 7. November 2011, Vollzug 10. Januar 2012, jeweils über 100 Prozent des Kapitals.
- Der Kaufpreis wurde nicht mitgeteilt. Kursierende Summen sind in den Konzernmitteilungen nicht belegt.
- Belegte Kennzahlen zum Zeitpunkt der Übernahme: 170 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2010, rund 1.800 Beschäftigte, 74 Boutiquen, davon 32 in Eigenregie.
- Gegründet 1945 in Rom von Nazareno Fonticoli und Gaetano Savini; erstes Atelier in Penne 1959; eigene Schneiderschule seit 1985.
- CEO ist seit dem 6. Mai 2025 Federico Arrigoni. Sein Vorgänger Mehdi Benabadji leitete Brioni seit 2020 und wechselte zu Ginori 1735.
- Kering veröffentlicht keine Einzelzahlen für Brioni. Das Segment „Other Houses“, zu dem Brioni zählt, setzte 2025 rund 2,9 Milliarden Euro um.
- An der Konzernspitze steht seit dem 15. September 2025 Luca de Meo als CEO; François-Henri Pinault blieb Verwaltungsratsvorsitzender.
Wie Brioni zu Kering kam – und was der Kauf gekostet hat
Am 7. November 2011 gab PPR bekannt, mit den Anteilseignern von Brioni einen Vertrag über den Erwerb von 100 Prozent des Kapitals unterzeichnet zu haben. Die Mitteilung nannte die Eckdaten des Hauses: 170 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2010, rund 1.800 Beschäftigte und ein Vertriebsnetz aus 74 Boutiquen, von denen 32 in Eigenregie geführt wurden. Die größte der eigenen Schneiderwerkstätten lag in Penne in den Abruzzen.
Am 10. Januar 2012 meldete PPR den Vollzug der Transaktion zu den am 8. November 2011 angekündigten Bedingungen, nachdem die Wettbewerbsbehörden zugestimmt hatten. In keiner der beiden Mitteilungen steht ein Kaufpreis. Wer eine konkrete Summe liest, sollte prüfen, wer sie aufgestellt hat – aus dem Konzern selbst stammt sie nicht.
Zitiert wurden damals zwei Beteiligte: François-Henri Pinault, seinerzeit Chairman und CEO von PPR, sprach von einer Referenz für Konfektion und Maßkonfektion im Herrenbereich. Francesco Pesci, damals CEO von Brioni, bezeichnete den Zusammenschluss als Chance, vom Gewicht der Gruppe zu profitieren und das eigene Handwerk zu bewahren.
Die Geschichte des Hauses seit 1945
Kering datiert die Gründung auf das Jahr 1945 in Rom. Gegründet wurde Brioni vom Meisterschneider Nazareno Fonticoli und dem Unternehmer Gaetano Savini. Der Konzern beschreibt das Haus als Erfinder der „Haute Couture für Männer“ und als spezialisiert auf hochwertige Herrenschneiderei. Der eingetragene Sitz liegt bis heute in Rom, an der Piazza di San Bernardo.
| Jahr | Belegtes Ereignis |
|---|---|
| 1945 | Gründung in Rom durch Nazareno Fonticoli und Gaetano Savini |
| 1952 | Erste Herrenmodenschau der modernen Modegeschichte in der Sala Bianca des Palazzo Pitti in Florenz |
| 1959 | Eröffnung des ersten Ateliers in Penne, Abruzzen |
| 1985 | Gründung der hauseigenen Schneiderschule |
| 1995 | Pierce Brosnan trägt als James Bond in „GoldenEye“ Brioni |
| 2011 | Brioni kommt zu Kering, damals PPR |
| 2025 | Federico Arrigoni wird zum CEO ernannt |
Wie ein Brioni-Anzug entsteht
Für einen Maßanzug nimmt Brioni nach Angaben von Kering 30 Maße. In das fertige Stück gehen rund 7.000 von Hand gesetzte, von außen unsichtbare Stiche und mehr als 200 Arbeitsschritte ein. Jedes Stück, das das Atelier in Penne verlässt, wird nach Darstellung des Konzerns von hochqualifizierten Handwerkerinnen und Handwerkern nach Techniken gefertigt, die seit der Gründung 1945 im Haus sind.
Für ein einzelnes Sakko veranschlagt Kering bis zu 36 Arbeitsstunden. Preise für einzelne Modelle nennt der Konzern nicht, und Brioni veröffentlicht keine Preisliste, die sich unabhängig prüfen ließe. Dieser Artikel nennt deshalb keine Anzugspreise – frühere Angaben dieser Art waren nicht belegt und widersprachen einander.
Die Schneiderschule Nazareno Fonticoli in Penne
Die Schule öffnete 1985 und schloss 2020 im Zuge der Pandemie. Im September 2024 nahm sie unter dem Namen Nazareno Fonticoli Alta Sartoria School den Betrieb wieder auf. Der erste Jahrgang umfasst 16 Schülerinnen und Schüler. Der zweijährige Kurs sieht 2.600 Stunden Vollzeitausbildung vor, unterrichtet wird von aktiven und ehemaligen Brioni-Schneidern aus der Region.
Kering gibt an, den 16 Auszubildenden Stipendien zu gewähren, die 85 Prozent der Einschreibgebühren decken und auf 100 Prozent steigen, wenn die Abschlussprüfung bestanden wird. Die Schule dient als hausinterne Akademie für Brioni-Schneider weltweit und soll dem Fachkräftemangel im Luxushandwerk begegnen.
Wer Brioni heute führt
Am 6. Mai 2025 gab Kering bekannt, dass Federico Arrigoni mit sofortiger Wirkung CEO von Brioni wird. Arrigoni kam 2006 bei Gucci zu Kering, wurde 2015 Personalchef von Saint Laurent, dort später Asien-Pazifik-Präsident und Chief Commercial Officer und 2023 stellvertretender CEO. Er berichtet an Francesca Bellettini, die als stellvertretende Konzernchefin für Markenentwicklung zuständig ist.
Sein Vorgänger Mehdi Benabadji hatte Brioni seit 2020 geführt und übernahm am selben Tag die Leitung von Ginori 1735. Wer Brioni heute noch als von Benabadji geführt beschreibt, gibt einen Stand von vor Mai 2025 wieder.
Bei der Kreativdirektion ist die Quellenlage dünner. Kering hat drei Ernennungen per Pressemitteilung bekannt gegeben: Brendan Mullane (2012), Justin O’Shea (2016) und Nina-Maria Nitsche (2017), die zuvor 23 Jahre bei Maison Martin Margiela gearbeitet hatte. Eine aktuelle Besetzung weist der Konzern auf seiner Brioni-Seite nicht aus. Nachschlagewerke führen seit Oktober 2018 Norbert Stumpfl als Kreativdirektor; eine Bestätigung durch Kering selbst ließ sich nicht finden.
Kering 2025 und 2026: neuer Konzernchef, verkaufte Beauty-Sparte
Der Mutterkonzern hat sich in den vergangenen anderthalb Jahren umgebaut. Am 16. Juni 2025 berief der Verwaltungsrat Luca de Meo zum CEO; zugleich wurden die Ämter von Verwaltungsratsvorsitz und Vorstandsvorsitz getrennt. François-Henri Pinault blieb Vorsitzender des Verwaltungsrats, de Meo trat sein Amt am 15. September 2025 an.
Am 31. März 2026 schlossen Kering und L’Oréal ihre am 19. Oktober 2025 angekündigte Beauty-Allianz ab: L’Oréal übernahm Kering Beauté einschließlich des Dufthauses Creed, die Transaktion wurde mit vier Milliarden Euro bewertet und bar bezahlt. Dazu kamen Lizenzverträge für Düfte und Kosmetik der Kering-Häuser; am 7. Juli 2026 meldete Kering einen exklusiven Beauty-Lizenzvertrag zwischen Gucci und L’Oréal mit 50 Jahren Laufzeit.
Neben Brioni gehören zum Kering-Konzern die Häuser Gucci, Saint Laurent, Bottega Veneta, Balenciaga und McQueen, dazu die Schmuckhäuser Boucheron, Pomellato, DoDo und Qeelin sowie Ginori 1735 und Kering Eyewear. Kering ist an der Pariser Börse notiert; 42 Prozent der Anteile hält die Familienholding Artémis der Familie Pinault.
Welche Zahlen zu Brioni belegt sind – und welche nicht
Kering weist für Brioni keine eigenen Finanzzahlen aus. Das Haus wird im Segment „Other Houses“ konsolidiert, gemeinsam mit Balenciaga, McQueen und den Schmuckhäusern. Dieses Segment setzte 2025 rund 2,9 Milliarden Euro um, ein Minus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr, und wies ein wiederkehrendes Betriebsergebnis von minus 112 Millionen Euro aus. Zu Brioni schreibt Kering im Jahresbericht 2025 lediglich, die Marke habe im vierten Quartal weiter guten Zulauf gehabt.
| Kennzahl | Belegter Stand |
|---|---|
| Brioni-Umsatz | 170 Mio. € im Jahr 2010 (letzte vom Konzern genannte Einzelzahl) |
| Brioni-Beschäftigte | rund 1.800 zum Zeitpunkt der Übernahme 2011 |
| Brioni-Boutiquen | 74 im Jahr 2011, davon 32 eigene |
| Segment „Other Houses“ 2025 | rund 2,9 Mrd. € Umsatz, −10 % gegenüber 2024 |
| Kering-Konzernumsatz 2025 | 14,675 Mrd. €, −13 % gegenüber 2024 |
| Kering-Beschäftigte Ende 2025 | 43.731 |
Aktuellere Angaben zu Umsatz, Belegschaft oder Ladenzahl von Brioni gibt es aus dem Konzern nicht. Frühere Fassungen dieses Artikels enthielten Zahlen zu Jahresumsatz, Anzugsproduktion, Boutiquenzahl und Belegschaft, für die sich keine Quelle finden ließ. Sie wurden gestrichen.
Brioni und James Bond
Die Filmausstattung ist der am besten belegte Teil der Markengeschichte. Kering führt in der Chronik des Hauses das Jahr 1995 auf: Pierce Brosnan trägt als James Bond in „GoldenEye“ einen Brioni-Anzug. Der Konzern nennt außerdem „Der Morgen stirbt nie“, „Die Welt ist nicht genug“ und „Stirb an einem anderen Tag“ als weitere Filme, in denen Brioni die Figur einkleidete.
Über die Leinwand hinaus nennt Kering in einem Beitrag über die Schneidertradition des Hauses Barack Obama und Nelson Mandela als Träger. Weitere Namen, die in Listen prominenter Brioni-Kunden kursieren, sind in Konzernquellen nicht belegt und stehen deshalb nicht in diesem Text.
Häufige Fragen
Wem gehört Brioni?
Dem französischen Luxuskonzern Kering, der beim Kauf noch PPR hieß. Der Vertrag über 100 Prozent der Anteile wurde am 7. November 2011 unterzeichnet, der Vollzug am 10. Januar 2012 gemeldet.
Was hat Kering für Brioni bezahlt?
Das ist nicht bekannt. Weder die Ankündigung vom November 2011 noch die Vollzugsmeldung vom Januar 2012 nennt einen Kaufpreis. Konkrete Summen, die im Umlauf sind, lassen sich an Konzernquellen nicht überprüfen.
Wer ist der aktuelle CEO von Brioni?
Federico Arrigoni, seit dem 6. Mai 2025. Er war zuvor stellvertretender CEO und Asien-Pazifik-Präsident von Saint Laurent. Vorgänger Mehdi Benabadji führte Brioni von 2020 bis 2025.
Wo werden Brioni-Anzüge gefertigt?
Im Atelier in Penne in den Abruzzen, das 1959 eröffnet wurde. Dort steht auch die 1985 gegründete und im September 2024 wiedereröffnete Schneiderschule des Hauses.
Wie viel Umsatz macht Brioni?
Kering veröffentlicht dazu nichts. Die letzte vom Konzern genannte Einzelzahl stammt aus der Übernahmemitteilung von 2011 und bezieht sich auf 2010: 170 Millionen Euro. Heute läuft Brioni im Sammelsegment „Other Houses“ mit rund 2,9 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025.
Welche Marken gehören außer Brioni zu Kering?
Gucci, Saint Laurent, Bottega Veneta, Balenciaga und McQueen im Bereich Mode und Lederwaren, dazu Boucheron, Pomellato, DoDo und Qeelin bei Schmuck sowie Ginori 1735 und Kering Eyewear. Die Beauty-Sparte ging Ende März 2026 an L’Oréal.
Quellen
- Kering: Brioni – Haus-Profil mit Chronik und Handwerksangaben
- PPR: „PPR acquires Italian tailor Brioni“, Mitteilung vom 7. November 2011
- PPR: „PPR completes acquisition of Brioni“, Mitteilung vom 10. Januar 2012
- Kering: „New CEOs appointed at Ginori 1735 and Brioni“, Mitteilung vom 6. Mai 2025
- Kering: „Brioni appoints Nina-Maria Nitsche as Creative Director“, 14. Juni 2017
- Kering: Die Nazareno Fonticoli Alta Sartoria School in Penne, 10. März 2025
- Kering: „Brioni: A tailoring tradition with deep roots“, 10. Januar 2020
- Kering: Jahresergebnis 2025, Mitteilung vom 10. Februar 2026
- Kering: Kennzahlen des Konzerns und Aufteilung des Grundkapitals
- Kering: Berufung von Luca de Meo zum CEO, 16. Juni 2025
- Kering: Abschluss der Beauty-Allianz mit L’Oréal, 31. März 2026
- Wikipedia (englisch): Brioni – als einzige gefundene Fundstelle für die Kreativdirektion seit 2018